Grindhouse - Planet Terror (2007)

Grindhouse - Planet Terror (2007)

Oder: Zombiewanderungen

Grindhouse - Planet Terror

Ich seh den McDrive schon!

Ein verrückter Wissenschafter (Naveen Andrews) kombiniert mit rachesüchtigen Militärköpfen (unter dem Kommando von Bruce Willis) sind selten eine glückselige Kombination. Zu Testzwecken und um das eigene Überleben zu sichern, lassen sie eine Giftwolke über einer texanischen Kleinstadt schweben, welche einen Teil der Bevölkerung zu Zombies mutieren lässt.

Dies just, als es die Gogo-Tänzerin Cherry (Rose McGowan) in das Nest verschlägt, die gerade eine berufliche Neuorientierung als Stand-Up-Comedian ins Auge fasst, und dabei auf ihre alte Flamme Wray (Freddy Rodriguez) trifft. Gleichentags will auch Dr. Dakota Block (Marley Shelton) ihren verhassten Ehemann (Josh Brolin) um die Ecke bringen und mit ihrem Sohn ein neues Leben anfangen. Doch mit all dem Tohuwabohu in der Stadt, dem auch Sheriff Hague (Michael Biehn) und seine Mannen nur schwerlich Herr werden können, werden die beiden Frauen ihre im Laufe des Lebens angesammelten unnützen Fähigkeiten, die zumindest das Gogo-Girl ordentlich durchnummeriert hat, schneller gebrauchen können, als es ihnen liebe wäre.


Kinofilm-Rating

Spätestens dann, wenn niedergestreckte Zombies zu Boden gehen und man sich an beschossene Joghurtbecher erinnert fühlt, weiss man, dass mal wieder ein Regisseur "over the top" gehen wollte. Es handelt sich um Robert Rodriguez, vor Jahren als Wunderkind gefeiert, nachdem er mit einer mexikanischen Gangsterballade namens El Mariachi trotz Minibudget die Schlipsträger von Universal überzeugen konnte. Ein Zombiefilm soll schon lange sein Traum gewesen. Jetzt, wo er ihn endlich abgedreht hat, haben Shawn oft the dead, 28 Days Later oder das Remake zu Dawn of the Dead das lange brachliegende Genrefeld erfolgreich beackert, und gezeigt, wo das Zombie am Glockenseil hängt.

In den USA kam Planet Terror als integraler Teil des Gesamtkunstwerks Grindhouse in die Kinos. Das Double Feature erinnert dabei entfernt an die erste Zusammenarbeit der geekigen Movie-Task-Force Tarantino-Rodriguez. Wie schon bei From Dusk till Dawn scheint der letztgenannte für die Drecksarbeit zuständig zu sein. Tarantino schrieb damals die kultigen Dialoge für sich selber und George Clooney, danach kamen die Billigmonster und ihre Fratzen. In Grindhouse durfte Rodriguez zuerst ran, und man beginnt zu verstehen, warum der Film in den USA gefloppt ist: Der bessere Teil Death Proof wurde wohl von den meisten Kinobesuchern nach dem ersten 90 Minuten Quatsch freiwillig gemieden.

"Character-Driven" sollte Planet Terror werden. Eine Vielzahl von Figuren bevölkert ihn denn auch, von denen die wenigsten wirklich interessant sind. Da gibt es einen Grillmeister auf der Suche nach der perfekten BBQ-Sauce und Fergie von den Black Eyed Pies lässt ihr Dekolleté hüpfen, ohne dass man sich dafür zu interessieren hätte. Auch die "Crazy Babysitter Twins" sind nicht der Schreibe wert. Es sind ja nur Nebenfiguren. Viel schlimmer ist, dass die Hauptrollen von der komplett unsexy Rose McGowan und dem kleinwüchsigen Freddy Rodriguez verkörpert werden. Er wirkt als Actionheld schon dann lächerlich, wenn er mit dem Butterfly-Messer durch das Spital hampelt, und nicht erst als er in vollem Ernst einen Kindertöff besteigt, um eine Fahrzeugkarawane anzuführen. Dass Quentin Tarantino vor der Kamera nichts taugt, sollte sich mittlerweile rumgesprochen haben. Und warum Rodriguez auch dem Maskenbildner Tom Savini ständig Rollen zuschanzt, weiss der Geier. Nur das Wiedersehen mit dem alten Haudegen Michael Biehn (The Terminator, Aliens) entschädigt für so manchen Hänger. Er ist der bessere Scene-Stealer als Bruce Willis, der im Verlauf der Handlung aus Gefälligkeit auch ein paar Mal die Augenbrauen heben darf.

Fazit: Planet Terror ist eine eklige Zombie-Farce eines leicht überschätzen Regisseurs, die als Genrefilm viel zu spät kommt und neben der Entdeckung von Marley Shelton als rabiate Ärztin mit pandamässig verschmiertem Make-up sonst nur den Fans von hanebüchen Stunts und reziklierten Handlungselementen etwas zu bieten hat. Der Must-See-Zombie-Film dieser Saison heisst 28 Weeks Later!

4.4 Sterne
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05.08.2007 / rm