La Graine et le mulet (2007)

Cous Cous mit Fisch

La Graine et le mulet (2007) Cous Cous mit Fisch

Oder: Warten auf Couscous

La Graine et le mulet

Beim Aushecken des Geheimplanes

Nach 35 Jahren wird Slimani (Habib Boufares) entlassen. Der Hafenarbeiter könne nicht mehr mit den erschwerten Arbeitsbedingungen mithalten, das meint zumindest sein Chef und er ist nicht der einzige, der rummäkelt. Slimanis Exfrau will nicht ständig die Fische essen, die er ihr immer bringt und fühlt sich von Egoisten umgeben. Seine Tochter findet, er verwöhne die Enkelin, die endlich den Windeln entwachsen sollte. Die Schwiegertochter verdächtigt den Sohn der Untreue. Zwei andere Söhne denken, er solle sich eine grössere Wohnung leisten. Es gibt also fast keinen, der nicht auf Slimani rumhackt.

Wenn da nicht die Tochter seiner neuen Freundin wäre. Zusammen mit Rym (Hafsia Herzi) versucht er eine neue Einkommensgrundlage aufzubauen. Ein rostiger Kahn soll aufgepimpt werden, um darin Gäste zu Couscous und Fisch zu empfangen. Die Beamtinnen auf der Bank und der Gemeindeverwaltung finden die Restaurant-Idee zwar nicht schlecht, haben aber einige Auflagen: Robuster Businessplan. Hygienevorschriften etc. Zudem zerreisst sich die Nachbarschaft das Maul über die Pläne von Slimani. Doch dieser merkt bald, dass man auf die Familie zählen kann, wenn's hart auf hart geht.


Kinofilm-Rating

Ehrlich gesagt sträubte sich die OutNow.CH-Crew ziemlich gegen La graine et le mulet. Wegen Überlänge war der Film am Festival von Venedig schon eine Viertelstunde früher als normal (um 8:15 Uhr) angesetzt, und die arabischen Namen im Cast liessen auf ein dröges Beduinendrama schliessen. Doch so kann man sich täuschen. Der Film ist zwar in der Tat viel zu lang. Aber das, wofür sich der Regisseur Zeit lässt, ist sehr sehenswert.

Die fast unüberschaubar grosse, arabischstämmige Familie in einer südfranzösischen Hafenstadt, um die es im Film geht, ist eigentlich nur am streiten, lachen und essen. Bei Pfefferschoten, Couscous und Fisch werden Windelpreise diskutiert, während die Kamera um den Familientisch saust und die Lebensfreude zum Greifen nah heranholt. Alle sind sie glücklich. Sie glucksen und schmatzen in Grossaufnahme. Nur das Oberhaupt, der drahtig-mürrische Papa Slimani, will und kann seit der Trennung von der Frau nicht mehr so richtig dazugehören. Weil es etwas dauert, bis im Verlauf des Films mal irgendetwas Plot-Ähnliches passiert, bleibt genug Zeit, sich mit der Familie anzufreunden und die wichtigsten Protagonisten näher kennenzulernen. Deshalb funktioniert der zweite Teil der Generationen übergreifenden Milieustudie recht gut, wo die Suspense durch das Fehlen eines überaus wichtigen Elements der Restauranteröffnung zwar hinaufbeschwört, sich durch überlanges Timing aber nicht richtig durchsetzen kann. Vielleicht hätte man den Stoff gleich zu einer Serie fürs Fernsehen weiterspinnen sollen. Denn auch das Ende kommt überraschend abrupt.

Doch dass für einmal Araber nicht als Nährzelle für das Böse oder Clowns in einer Culture-Clash-Komödie herhalten müssen, ist begrüssenswert. So entpuppt sich der vermeintliche Langweiler als regelrechter Crowdpleaser, auch wenn man sich während den 151 Minuten teilweise fühlt wie die Restaurantgäste von Slimani am Ende dieser wunderbaren Kinoentdeckung.

5.0 Sterne
5.0 Sterne (4 Bewertungen) | 1 Kommentar

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04.09.2007 / rm