Goodbye Bafana (2007)

Goodbye Bafana (2007)

Oder: Der heilige Joseph

Goodbye Bafana

HE, du bist gar nicht Jack Bauer

Ende der Sechziger Jahre steckt Südafrika in tiefster Apartheit. Zwanzig Millionen Schwarze werden von vier Millionen Weissen drangsaliert. Der Führer der unterdrückten Mehrheit ist Nelson Mandela, der 1965 zu lebenslanger Haft verurteilt wurde, und zu dieser Zeit als gefährlichster Mann des Landes gilt.

Drei Jahre später erhält Mandela (gespielt vom "24" Präsident Dennis Haysbert) mit James Gregory (Joseph Fiennes) einen neuen Gefängniswärter. Dieser hat den Rassismus wie alle anderen Weissen tief in sich verinnerlicht. Seine Xhosa-Kenntnisse, der Stammessprache von Mandela, machen ihn indes zu einem wichtigen Mann. Erlernt hat er die als Kind. Denn Gregory wuchs mit schwarzen Nachbarn auf.

Goodbye Bafana

Nicht so tragisch Schatz, kauf' ich eben ein neues Auto

Gregory ist ein loyaler, verantwortungsbewusster Familienmensch. Nichts würde ihm ferner liegen, als die bestehenden Regeln zu brechen. In der Postabteilung öffnet er Briefe, zensiert sie, oder gibt dienstgetreu verdächtige Informationen weiter. Doch mehr und mehr erhält seine rassistische Grundeinstellung Risse. Das Charisma von Mandela imponiert ihm. Er hört sich die Theorien des Schwarzenführers an. Und als Mandelas Sohn tödlich verunglückt, nachdem Gregory Informationen über ihn weitergab, vermutet er immer mehr dunkle Machenschaften in den höheren Gefilden der Regierung. In den nächsten zwei Jahrzehnten baut er eine Freundschaft auf, die ihm viele Schwierigkeiten bringt. Doch Gregory hat sich gewandelt. Er glaubt an die Forderungen von Mandela, an das gleiche Recht von Schwarz und Weiss.


Kinofilm-Rating

Die Story von Goodbye Bafana wäre ein wirklich gut erdachtes Märchen, wenn es denn nicht wahr wäre. Aber James Gregory war tatsächlich von 1968 bis zur Freilassung Mandelas 1990 dessen Wärter. Zwar liess sich Gregory in den Siebziger Jahren von der Gefängnisinsel Robben Island versetzen, doch die Regierung versetzte später auch Mandela, und stellte Gregory wieder in seinem alten Amt ein.

Die Message des Filmes ist nicht neu: Eine Person revidiert über die Zeit ihre Meinung um 180 Grad. Etwas, dass immer wieder für rührende Geschichten sorgt. Schliesslich denken wir doch alle, dass unsere Einstellungen unverrückbar sind. Nur: Wie kleideten wir uns vor zehn Jahren? Was für Musik hörten wir, und wie viele Male im Monat gingen wir aus? Waren das nicht auch feste Werte, die sich über die Zeit wandelten?

Gregorys "Exorzismus" ist aber mehr, als der Schritt von Schlaghosen zu Röhrlijeans: Ihm wurde der Rassismus bereits in Jugendjahren eingetrichtert, einer Zeit, die meist die ganze Jugend prägt. Durch Zeitsprünge wird seine Abkehr happenweise dargelegt. Dies klappt im Falle der Hauptfigur ja ganz plausibel, doch manch ein anderer grober Saulus wandelt sich ebenfalls zum heiligen Paulus, und niemand weiss auch nur annähernd warum. Ein bisschen mehr Hintergrund hätte es da schon sein dürfen, auch wenn 22 Jahre in zwei Stunden reingequetscht werden müssen. Und dass James Gregory Altersanzeichen ein leichter Bauchansatz und ein Schnurrbart ist, ist schon etwas unglaubwürdig geraten, vor allem für eine wahre Geschichte. Trotzdem ist Goodbye Bafana ein überzeugendes Stück Wahrheit, dass einerseits die Schrecken des Rassimus abermals aufzeigt, auf der anderen Seite aber auch eine positive Wandlung veranschaulicht. Und Happyends mögen schliesslich die meisten von uns.

4.0 Sterne
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13.02.2007 / uas