The Girl Next Door (2007)

Jack Ketchum's Evil

The Girl Next Door (2007) Jack Ketchum's Evil

Oder: Vergnügen im Keller

The Girl Next Door

Das ist unser Familienleben ...

Wir schreiben das Jahr 1958 und befinden uns in einer beschaulichen amerikanischen Vorstadt, wo die Nachbarn sich noch nahe sind und man die Türe nicht abschliesst. Da wohnt auch der 12-jährige David (Daniel Manche) mit seinen Eltern. Fröhlich spielt er mit seinen Nachbarn und geniesst die unbeschwerte Kindheit. Einer der Nachbarn ist die dreifache Mutter, Ruth(Blanche Baker), welche mit ihren drei Söhnen gleich neben David wohnt und gerade zwei Mädchen bei sich aufgenommen hat. Megan (Blythe Auffarth) und ihre etwas jüngere Schwester Susan (Madeline Taylor) sind, nachdem ihre Eltern bei einem Autounfall ums Leben gekommen waren, Ruth übergeben worden. Doch sie führen dort kein glückliches Leben. Davon weiss David allerdings noch nichts, als er sie zum ersten Mal beim Fluss sieht.

The Girl Next Door

... und das machen wir zur Freizeit.

Sofort ist ihm die ältere Megan sympathisch, und recht schnell entwickelt sich eine Freundschaft zwischen ihnen. Bald findet Ruth jedoch immer mehr Vorwände, um die beiden Mädchen - besonders Megan - zu bestrafen. Dies entgeht David nicht, anfänglich macht er sich jedoch keine grossen Gedanken dabei. Als die Bestrafungen jedoch immer härter werden und Megan sogar an den Händen gefesselt im Keller aufgehängt wird, schrillen bei ihm alle Alarmglocken. Es ist aber bereits zu spät: Die Situation gerät völlig ausser Kontrolle. Für Megan beginnt ein grausames Martyrium, bei dem sie nicht nur von Ruth und ihren Söhnen, sondern auch von den Nachbarn aufs Brutalste gefoltert wird.


DVD-Rating

Im Jahre 2007 beschäftigten sich zwei Filme mit einem Verbrechen, das 1965 ganz Amerika schockierte: Ein Mädchen wurde in einem Keller eingeschlossen und dort von ihrer Gastfamilie und einigen Nachbarn zu Tode gefoltert. Dieses Verbrechen wurde zum einen in An American Crime und zum anderen in Gregory Wilsons Girl next Door verarbeitet. Während An American Crime möglichst authentisch die Geschehnisse rekonstruierte und sogar Gerichtsmitschnitte als Dialoge verwendete, basiert Girl next Door auf dem Roman von Jack Ketchum, der die Handlung nur grob auf dem Mord im Keller aufbaute, aber einen ganz anderen Weg ging, um die Geschichte zu erzählen.

Bei Girl next Door wird wieder einmal das "based on true events"-Logo grossgeschrieben. Tragischerweise könnte dies durchaus um die nächste Ecke geschehen. Während der Spielzeit wird primär eine rührende Lovestory unter Kindern mit der knallharten Realität kombiniert, in der ein unschuldiges Mädchen, welches nur ihre Schwester schützen will, ihr Leben lässt. Während der Film am Anfang noch richtig fröhlich ist, wird er auch in der Bildsprache immer düsterer, bis er am Ende beinahe jede Farbe vermissen lässt. Dies und die durchaus solide spielenden Schauspieler geben dem Film den nötigen Realismus und ermöglichen es auch, die tragische Geschichte zu erzählen, bei der es unter anderen stark um Voyeurismus geht und auch darum, die richtige Entscheidung zu treffen.

Girl next Door ist schon wegen der blutigen Szenen und des teilweise sehr düsteren Looks klar im Horrorgenre angesiedelt und geht da trotz des kranken Szenarios in der Masse unter. Im Gegensatz zu An American Crime bietet er einfach nichts Spezielles und geht schlichtweg nicht die nötige extra Meile, um sich wirklich von der Masse abzuheben. Fehlender Soundtrack, langweiliger Schnitt und unpassende Kameraführung nehmen den Szenen einen Grossteil ihrer möglichen Intensität. Obwohl es einem - wenn eine ganze Familie ein Mädchen foltert - durchaus mulmig werden kann, wird es nie so eindrücklich und zermürbend wie bei An American Crime. Wenn dann noch am Ende der Polizist lieber zuerst die gesunde Schwester Susan aus dem Keller trägt, anstatt sich um die verletzte Meg zu kümmern, hat Girl next Door definitiv den Vogel abgeschossen und jede Glaubwürdigkeit verloren.

Fazit: Girl next Door basiert lose auf einen schrecklichen Verbrechen und versucht, dieses in seiner ganz eigenen Weise zu erzählen. Daraus ist ein Film geworden, welcher sicher sehr solide die Geschehnisse der Buchvorlage von Jack Ketchum wiedergibt und dabei einen ordentlichen Film abliefert, doch wirklich begeistern, geschweige denn packen, kann er kaum. Klar vermag er zwischendurch unangenehme Intensität entwickeln, doch über die ganze Laufzeit bleibt er doch nur ein comming-of-age-Film, der zwar mehr und mehr ins Düstere abdriftet, aber wegen der dahindümpelnden Erzählweise doch vieles an seiner Wirkung verschenkt. Wer sich mit diesem Mord beschäftigen will, der soll sich die um einiges bessere Adaption mit Ellen Page in An American Crime anschauen.

Die DVD kann leider auch nicht überzeugen. Die Bildqualität schwankt von ok bis sehr unscharf, was vor allem bei grossen Screens sehr auf den Genuss drückt. Der Ton ist äusserst durchschnittlich und klingt primär aus dem Center. Das Bonusmaterial enthält neben den obligatorischen Audiokommentaren einen Trailer, ein Making of und einige Interviews. Die Interviews wie auch das Making of geben dem Film mehr Tiefe, dem Gesehenen etwas mehr Bedeutung. Primär erhält man aber den Eindruck, dass das Buch um einiges besser war.

3.6 Sterne 2.6 Sterne
3.6 Sterne (12 Bewertungen) | 1 Kommentar

3.53.5
08.06.2008 / db


DVD-Infos

Steelbook, erschienen am 14.05.2008

  • Bildformat: Widescreen 1.66:1 (Anamorphisch)
  • Sprachen: Deutsch: Dolby Digital 5.1, Englisch: Dolby Digital 5.1
  • Untertitel: Deutsch
  • Extras: Audiokommentare, Trailer, Making Of, Interviews