Frontière(s) (2007)

Frontière(s) (2007)

Oder: Willkommen in der Familie

Frontière(s)

Wege demm muesch du nöd truurig sii

Die Präsidialwahlen stehen bevor. Frankreich versinkt im Chaos, und in den Strassen toben brutalste Strassenschlachten. Während die Polizei rigoros gegen die Demonstranten vorgeht, geraten immer mehr Jugendliche ins Kreuzfeuer der verhärteten Fronten. Yasmine (Karina Testa) ist schwanger und will ihr zukünftiges Kind nicht in einem solchen Umfeld zur Welt bringen. In ihrer Verzweiflung wendet sie sich an ihren Ex-Freund, der schon einige Verbrechen auf dem Kerbholz hat, und will sich mit ihm über die Grenze absetzen. Dieser erbeutet kurzerhand bei einem Überfall mit ein paar Kollegen einen Haufen Geld, und schon sind sie auf dem Weg nach Holland.

Frontière(s)

Mittag, Schlachthaus, die Frisur hält!

Doch es verläuft alles anders als erwartet. Yasmines aktueller Freund wird von den Polizisten über den Haufen geschossen. Während dieser in der Notaufnahme des Spitals stirbt, hat die zweite Hälfte ihrer Bande bereits ein zwielichtiges Motel nahe der Grenze erreicht, wo sie von zwei Frauen äusserst heiss empfangen wird. Als Yasmine mit ihrem Ex-Freund dort eintrifft, sind ihre Kollegen jedoch spurlos verschwunden, und man teilt ihnen mit, dass sie zu einer Hütte in der Nähe gefahren seien. Yasmine lässt sich von den Damen, die im Motel arbeiten und sowieso dort hin müssen, die Hütte zeigen und fährt gleichzeitig einer Hölle entgegen, die sie sich in den wildesten Träumen nicht hätte vorstellen können.


DVD-Rating

Der französische Horror ist im Vormarsch. Nach dem hochgelobten Haute Tension und dem genialen À l'intérieur folgt nun Frontière(s) (2007). Das Erstlingswerk von Xavier Gens, der kurz darauf den grottigen Hitman verbrochen hat, versprach schon im Vorfeld ein intensives Horrorerlebnis und brutalste Gewaltszenen. Diesem wurde dann auch entsprochen, denn das Blut fliesst in Strömen. Restlos überzeugen kann er jedoch nicht.

Die Handlung des Filmes ist während der Wahlen in Frankreich angesiedelt, bei denen sich die Jugendlichen mit der Polizei richtige Strassenschlachten liefern. Dies wird kurz eingeblendet, hat aber ansonsten keinen grossen Einfluss auf die Handlung, doch es etabliert sich schon von Anfang an eine apokalyptische Stimmung. Auch sonst - dank der handgeführten Kamera und den entfremdeten Farben - enthält Frontière(s) einen dokumentarisch-realistischen Touch, der schon bei 28 Days later überzeugte. Leider merkt man auch, dass es der erste grosse Film von Xavier Gens ist, denn zwischendurch sind die Szenen recht verwackelt und der Schnitt entsprechend holprig, doch vieles kommt wohl auch vom sehr kleinen Budget, das kaschiert werden musste.

Frontière(s) bedient sich klar des etablierten Genreklischees, dass Touristen in irgendwelchen Herbergen oft zu Leichenteilen verarbeitet werden, doch er schafft es auch, dies mit viel "Inspiration" von anderen Filmen durchaus unverbraucht zu präsentieren. So erweitert Xavier Gens den Film nach und nach um immer mehr Storyelemente, was dem Film auch mehr Tiefe verleiht. Während man Filme wie Hostel schnell durchschaute, lässt Frontière(s) den Zuschauer lange im Dunkeln, was es aber auch interessant macht. Dazu kommt noch, dass es durchwegs passende Schauspieler sind und es dadurch mit der düsteren Atmosphäre und den ultrabrutalen Splatterszenen beängstigend real wird. So kann man schrittweise der düsteren Handlung folgen, sich an Hommagen an the Texas Chainsaw Massacre amüsieren und hofft ausnahmsweise wirklich, dass die Teenager den absolut widerlichen Peinigern entkommen können.

Doch weshalb hat Frontière(s) nur 4.5 Sterne? Das hat mehrere Gründe. Zum einen ist die Story rückblickend klar ein geklautes Flickwerk aus mehreren Horrorfilmen, das doch recht holprig zusammengestellt wurde und eine Pseudotiefe vorgaukelt. Doch das ginge ja noch, die grössten Schwächen hat Frontière(s) jedoch bei der Familie Von Geisler - den Peinigern im Film. Die Einflechtung von Nazis in einen Horrorfilm ist zwar eine unerwartete Abwechslung, doch Xavier Gens liefert nur Unfertiges ab. Wenn schon Nazis in einem Horrorfilm verwendet werden, dann sollte man unter anderem darauf achten, dass dieser nicht nur schlecht französisch redet, sondern auch ordentliche deutsche Sätze bringen kann, die nicht nach auswendig lernen des Propagandabuchs klingen und nach plumper Provokation schreien. Eigentlich schade, denn hätte Xavier Gens die Familie Von Geisler mehr ausgearbeitet, die Handlung dichter gemacht und die zerfallene Mine mehr in die sowieso schon kranke Handlung eingeflochten, hätte dies locker ein Fünfsterner oder mehr werden können.

Fazit: Frontière(s) ist für ein Erstlingswerk eine enorme Leistung und wird seinem Ruf auch gerecht. Xavier Gens hat einen Schocker abgeliefert, der schon von Anfang an mit seiner apokalyptischen Stimmung fasziniert, dann langsam die Situation etabliert und bis zum Schluss den Wahnsinn und den Blutgehalt immer mehr steigert. Dabei kann er auch mit guten Schauspielern punkten, die um einiges natürlicher sind als das übliche amerikanische Kanonenfutter. Deswegen hat der Film auch eine realistische Brutalität, die unter die Haut geht. Dennoch, wegen der gebastelten und geklauten Story, der zwischendurch recht mühsamen Kameraführung, dem schlichtweg lächerlich umgesetzten Nazi-Theater und einigen grösseren Hängern reicht es nicht für eine bessere Wertung. Aber ansonsten ist er sicher einen Blick wert.

Getestet wurde der unrated Director's Cut, der ungeschnitten auf Code 1 gekauft werden kann. Leider enthält die DVD bis auf ein paar Werbetrailer überhaupt kein Bonusmaterial, sondern nur die originale französische Tonspur mit englischen Untertiteln. Der Film selber überzeugt mit gutem Ton und sauberem, scharfem Bild, bei dem man jedes Detail erkennen kann.

4.0 Sterne 2.8 Sterne
4.0 Sterne (14 Bewertungen) | 2 Kommentare

4.5 Sterne4.5 von 0.0-6.0
21.07.2008 / db


DVD-Infos

  • Bildformat: Widescreen 2.35:1 (Anamorphisch)
  • Sprachen: Französisch: Dolby Digital 5.1
  • Untertitel: Englisch, Französisch
  • Extras: -