La fille coupée en deux (2007)
Die Zweigeteilte Frau
La fille coupée en deux (2007) Die Zweigeteilte Frau
Oder: Eine unartige Geschichte
Charles Saint-Denis (François Bertéand) ist erfolgreicher Schriftsteller, spricht mit Vorliebe in Zitaten und ist glücklich verheiratet. Dies hält ihn allerdings nicht davon ab, gelegentliche Schäferstündchen mit hübschen Gespielinnen abzuhalten, entweder in einer eigens dafür gemieteten Wohnung oder noch lieber in einem privaten Club, wo distinguierte ältere Herren sowie Charles Agentin Capucine (Mathilda May) ein- und ausgehen. Was hier durchaus in doppeldeutigem Sinn zu verstehen ist...
Charles' Charme erliegt auch die junge hübsche TV-Wetterfee Gabrielle (Ludivine Sagnier), die ihn bei einer Signierstunde kennen lernt. Sie wird seine neue Mätresse und lässt sich von ihm zu Unartigkeiten aller Art überreden, unter anderem auch zum Besuch des erwähnten Gentleman's Club, dessen Mitglieder sein neues Betthäschen mit anerkennenden Blicken taxieren. Die verliebte Gabrielle hofft, dass Charles ihretwegen seine Frau verlässt, woran er natürlich nicht im Traum denkt.
Im Gegenteil: Charles ist höchst unzuverlässig und lässt sie immer wieder fallen, nur um sie nachher wieder vom Boden aufzulesen und zu neuen sexuellen Eskapädchen zu verführen. Gabrielle zergeht vor Kummer über Charles' Verhalten und beschliesst unter Tränen, ihn zu vergessen. Statt dessen gibt sie endlich den hartnäckigen Avancen nach, die der reiche Industriellenerbe Paul Gaudens (Benoît Magimel) ihr schon seit einiger Zeit macht. Paul ist jung, gutaussehend, instabil, unberechenbar - und seit jeher ein Intimfeind von Charles Saint-Denis...
Kinofilm-Rating
Claude Chabrols neustes Werk strotzt vor Erotik - ohne dass je auch nur eine entblösste Brustwarze zu sehen ist. Dies ist in Zeiten des durch Medien heftig angeheizten sexuellen Jekami durchaus eine willkommene Abwechslung. Die schmutzigen Dinge passieren wie in den guten alten Zeiten im Kopf. Chabrol gibt mit seinem Film lediglich den Anstupf dazu. Was beispielsweise in Charles' Altherren-Club genau abgeht, ist genauso der Fantasie des Zuschauers überlassen wie auch die Rolle der geheimnisvollen Capucine. Diese wird von Mathilda May exzellent undurchsichtig gespielt. Ein Blick in ihr vielsagend lächelndes Gesicht lässt alle sexuellen Möglichkeiten - von unschuldig bis verdorben - offen.
Ansonsten bietet La Fille coupée en deux allerdings nur wenig. Auch wenn sich die drei Hauptdarsteller Ludivine Sagnier, François Bertéand und vor allem der stark aufspielende Benoît Magimel noch so grosse Mühe geben: Die unausgegorene erotische Dreiecksgeschichte mit exzentrischen, leicht überzeichneten Charakteren ist mässig spannend und plätschert grösstenteils vor sich hin. Dass sich Ludivine Sagnier als Gabrielle so unsterblich in den alten, geilen Schriftsteller verliebt, ist genau so schwierig nachzuvollziehen wie die Beweggründe dafür, dass sie sich danach dem reichen Schnösel hingibt.
Bis zum überdeutlich sinnbildlichen Ende passieren dann noch einige spektakuläre Dinge, die an dieser Stelle natürlich nicht verraten werden. Danach verlässt man das Kino mit einem nicht so wirklich befriedigenden Gefühl, das sich etwa so zusammenfassen lässt: "Es war kein grundauf schlechter Film, aber irgendwas hat einfach gefehlt." Oder um es in der Sprache des Sex zu formulieren: La Fille coupée en deux ist eine Art filmischer Coitus interruptus.
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