Die Fälscher (2007)
Die Fälscher (2007)
Oder: Leben versus Gewissen
Der Jude Salomon Sorowitsch (Karl Markovics), Maler, Lebemann und begnadeter Fälscher, wird im Jahr 1936 wegen gefälschter Dollarnoten von Kommissar Friederich Herzog (Devid Striesow) verhaftet und in ein KZ deportiert. Dort passt er sich den unmenschlichen Bedingungen so gut als möglich an: Er macht sich schnell einen Namen als Portraitist von ss-Kommandanten in Heldenpose und kommt so in Genuss verschiedener Privilegien.
1944, während der Weltkrieg in vollem Gange ist, wird Sorowitsch ins KZ Sachsenhausen verlegt. Dort trifft er wieder auf Herzog, der mittlerweilen zum ss-Hauptsturmführer aufgestiegen ist. Als Leiter einer hochgeheimen Mission hat dieser in Sachsenhausen eine moderne Druckwerkstatt eingerichtet mit dem Ziel, in grossem Stil Pfund- und Dollarnoten zu fälschen. So soll die Volkswirtschaft der Kriegsgegner zum Kollaps gebracht werden. Herzog stellt ein qualifiziertes Team aus jüdischen KZ-Häftlingen zusammen, das unter Sorowitschs Leitung solche Fälschungen produzieren soll. Im Gegenzug ermöglicht er diesem Team menschlichere Haftbedingungen mit sauberen, weichen Betten und anständigem warmem Essen.
Sorowitsch macht mit - in der Hoffnung, auf diese Weise vielleicht die Haft überleben zu können. Dank der hochentwickelten Geräte vermag er mit seinem Team nahezu perfekte Fälschungen herzustellen. Allerdings entstehen unter den Schicksalskameraden zunehmend Gewissenskonflikte. Insbesondere der Drucker Adolf Burger (August Diehl) ist nicht mehr länger bereit, mit den Nazis zu kooperieren, um den eigenen Kopf aus der Schlinge zu ziehen. Er beginnt die Produktion zu sabotieren. Das sorgt für Unruhe unter den Fälschern. Die Lage spitzt sich zu, als Herzog ihnen ein Ultimatum stellt...
Kinofilm-Rating
"Nein, nicht schon wieder ein KZ-Film!", mag man ab obiger Inhaltsangabe stöhnen. Tatsächlich sind die Nazizeit, der zweite Weltkrieg und die Konzentrationslager wohl eines der mittlerweilen am besten dokumentierten und deshalb auch abgenutztesten Filmthemen. Dies ändert natürlich nichts an der Grausamkeit und der Unmenschlichkeit des Nazi-Regimes. Braucht es aber einen weiteren Film dazu? Insbesondere in Zeiten, in denen sich Filme wie Mein Führer auf ambivalentere Weise dem Thema nähern. Auf jeden Fall handelt es sich bei Die Fälscher um eine vergleichsweise konventionellere Annäherung. In dieser Hinsicht erfindet Stefan Ruzowitzkys Film, übrigens eine freie Adaption der wahren Erinnerungen von Adolf Burger, das Rad nicht neu.
Weshalb funktioniert Die Fälscher trotzdem? Weil der Film eine Geschichte erzählt, die auch losgelöst vom historischen Kontext bestehen kann. Es ist eine Geschichte, die sich um einen Gewissenskonflikt dreht: soll man sich, um zu überleben, mit dem Feind verbünden? Oder überspitzter: ist es legitim, das eigene Leben zu retten, auch wenn dies auf Kosten des Lebens Anderer geht? Diese Frage wird im Film anhand des Konfliktes zwischen Burger und Sorowitsch eindrücklich und schauspielerisch hervorragend dargestellt. Insbesondere Hauptdarsteller Karl Markovics verkörpert den zwiegespaltenen Sorowitsch hervorragend. Regisseur Stefan Ruzowitzky erklärte an der Pressekonferenz, dass sein Ziel war, sowohl der einen als auch der anderen Figur recht zu geben und nie Partei zu ergreifen. Dies gelingt vorzüglich.
Wer also noch nicht an akuter Übersättigung von Nazi-Themen im Kino leidet, erlebt mit Die Fälscher ein nachdenkliches, differenziertes und spannendes Stück deutsches Kino.
![]()
4.3 Sterne (20 Bewertungen) | 2 Kommentare



