Extraordinary Rendition (2007)

Extraordinary Rendition (2007)

Oder: Das Verursacherprinzip

Extraordinary Rendition

"Wo hani dänn mini Schlüssel anägleit?"

Zaafir (Omar Berdouni) ist ein moderner Anhänger des Islams. Seine Frau (Ania Sowinski) ist Engländerin und in seinem Beruf als Lehrer versucht er, seinen Schülern "political awareness" beizubringen. Er ist weit davon entfernt irgendwelche terroristischen Ideen zu hegen. Trotzdem gerät er durch eine Reihe von Missverständnissen und absichtlichen Falschinterpretationen ins Visier der CIA und wird auf offener Strasse entführt. Was folgt sind Monate voller Qual, Schreck, Ungewissheit und Verhören. Obwohl ihm niemand etwas nachweisen kann, wird er schliesslich dazu gezwungen ein Dokument zu unterschreiben, dass ihn für die Amerikaner als Terrorist ausweist. Auf einem verlassenen Gebiet nahe eines Flughafens wird er wie ein Stück Dreck wieder ausgesetzt und muss fortan mit seinem psychischen Trauma und der Eingliederung in sein altes Leben zurechtkommen.


Kinofilm-Rating

Man merkt schon ganz genau, dass der Ex-Mann von Kate Winslet Ex-Mann mehr Filmerfahrung aufweist, als andere Festivalregisseure. Auch stand ihm ein deutlich höheres Budget zur Verfügung, was man anhand der Qualität der Aufnahmen sofort erkennt. An der Machart des Films gibt es deshalb rein gar nichts zu motzen; Musikwahl, Zitatwahl, Einstellungen und Perspektiven sind genau richtig so wie sie sind. Super eingesetzt ist auch das Spiel mit den Farben. Währenddem die Szenen aus Zaafirs glücklicher Zeit bunt und farbkräftig daher kommen, sind die Szenen aus seinem späteren Leben alle blass und farblos. Die Entführungsszenen unterscheiden sich zusätzlich, indem sie schwarz weiss, verschwommen, in Sepia oder solarisiert gehalten werden. Die schnellen Schnitte erfordern zwar eine hohe Konzentration, untermalen aber hervorragend das Tempo und die unaufhaltsam fortschreitende Misshandlung von Zaafir.

Allgemein erfordert der Film mit seinen ständigen Flashbacks und Wechseln von Zeitebene zu Zeitebene eine enorme Aufmerksamkeit. Es gibt grundsätzlich drei Zeitebenen - vor, während und nach der Entführung - die sich aber ständig untereinander mischen und durchbrechen. Die ersten 30 Minuten sind Zaafirs (scheinbar) glücklichem Leben vor der Entführung gewidmet, der Rest konzentriert sich auf seine Schwierigkeiten sich wieder ins normale Leben einzugliedern. Trotzdem kommen diese Eingliederungsschwierigkeiten einen Tick zu wenig zum Zug, da sie neben den vielen und überlangen Flashbacks der Folterszenen in den Hintergrund rücken. Zwar sind die Folter- und Gefangenschaftsszenen gute Mittel, die Zuschauer aufzurütteln, trotzdem wäre etwas weniger mehr gewesen, denn auch dem begriffsstutzigsten Zuschauer kann ein Mindestmass an Intelligenz abverlangt werden. Schade, dass hier der Fokus nicht ein bisschen anders gesetzt wurde.

Ebenfalls schade ist es, dass die arabischen Gebete und Dialoge des Films nicht übersetzt werden, da sie sicher noch einmal einen anderen Blickwinkel offenbart hätten. Der Höhepunkt und das Ende des Films sind dann beinahe Identisch und lassen den Kinobesucher in einer offenen und fraglichen Situation zurück. In Zaafirs Leben hat sich nichts wieder eingeordnet und er bleibt als gestörte Persönlichkeit zurück, die möglicherweise von den "Guten" in die Arme der "Bösen" getrieben wurde.

3.7 Sterne
3.7 Sterne (2 Bewertungen) | 0 Kommentare

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09.08.2007 / kat

Extraordinary Rendition (2007)
Bewertung: 3.7 (2 Bewertungen)
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