Evening (2007)

Spuren eines Lebens

Evening (2007) Spuren eines Lebens

Oder: Frauengeschichten

Evening

Wer zuerst blinzelt, hat verloren

Ann Lord (Vanessa Redgrave) ist alt geworden und liegt auf dem Sterbebett. Ihr Krebsleiden ist im letzten Stadium und ihre beiden Töchter, Nina (Toni Collette) und Constance (Natasha Richardson), sind an ihr Bett geeilt und bekommen mit flüsternder Stimme ein grosses Geheimnis erzählt.

Als Ann Lord noch Ann Grant (Claire Danes) war, reiste sie von New York an die Hochzeit ihrer Freundin Lila (wird als Erwachsene dann im Verlauf des Films von Meryl Streep gespielt), an der sie Brautjungfer war. Ausgerechnet an diesem Fest lernt die junge Ann den attraktiven Harris (Patrick Wilson) kennen. Der Beau verdreht allen anwesenden Damen (der Braut inklusive) den Kopf und ausgerechnet mit Ann lässt er sich ein. Aber diese "Liebe ihres Lebens" hatte Ann ihren Töchtern stets verschwiegen.

Evening

Gleich plumpst sie rein

Doch wer ist dieser Harris überhaupt? Wie steht er heute zu ihrer Mutter? Warum haben die beiden damals vor einer halben Ewigkeit nicht geheiratet? Nina und Constance (und der Zuschauer) werden von Ann zurück in eine wunderbare Zeit geführt, in der es ein bestimmtes Wochenende gegeben und sich vieles in der Familie verändert hat. Und genau das wollen Anns Töchter nun endlich herausfinden.

Während sie also versuchen die Puzzlesteine zum einem Ganzen zusammen zu setzen und dabei gegenseitig neue Erkenntnisse über sich und ihre Schwesternschaft ziehen, schwelgt oben im Zimmer ihre Mutter in alten Gefühlen und hat Visionen von ihrer Jugend.


Kinofilm-Rating

Eine Dame namens Susan Minot hat die Vorlage geschrieben, der Drehbuchautor von The Hours seine Finger im Spiel und der Cast besteht fast ausschliesslich aus Frauen, die für einmal die Herren der Schöpfung in die zweite Reihe drängen. Ja fühlt man sich denn als Freund des lauten Kinos, der Actionszenen und der Machosprüche vollkommen verloren, wenn man(n) sich Evening ansieht?

Diese Frage zu beantworten, würde einer Schubladisierung solcher "Frauenfilme" gleich kommen und dem Film unrecht tun. Denn Evening mag an der Oberfläche wie eine Episode aus der Feder von Rosamunde Pilcher anmuten, verbirgt allerdings darunter ein hervorragend gespieltes Drama, eine Liebesgeschichte und ist überhaupt sehr sympathisch. Das alles gepaart mit überzeugenden Darstellerinnen macht aus Evening einen Film, den es sich lohnt, anzuschauen. Auch wenn "nur", um der Freundin/Frau einen Gefallen zu tun.

Was beim imposanten Cast auffällt, ist die Tatsache, dass die Grössen Meryl Streep und Glenn Close hier einen ihrer seltenen, gemeinsamen Auftritt haben. Überraschenderweise haben sie allerdings keine Szenen zusammen, sondern ihre Figuren spielen in verschiedenen Zeitepochen. Zu diesen zwei Superstars gesellen sich überzeugende Damen wie Claire Danes (Stardust), Ton Collette (Little Miss Sunshine) oder auch Natasha Richardson. Natürlich werden sie aber überstrahlt von Vanessa Redgrave, die zwar meist im Bett liegen muss, aber auch in dieser Stellung hervorragende Arbeit abliefert.

Männer findet man, ausser Patrick Wilson (Little Children), nur in Nebenrollen und das ist für einmal gut so. Denn wenn die Geschichte anfängt zu wirken, die Zeitsprünge Sinn machen und die Figuren zugeordnet werden können, bietet Evening eine schöne, sehr liebevoll und herzensgut erzählte und interessante Geschichte.

Fazit: Ja, Evening wird vorwiegend Damen ansprechen, die auch in ihrer Freizeit gern mal einen Liebesroman zur Hand nehmen. Trotzdem hat der Film mehr am Knochen, als bloss Herz-Schmerz und vermag sogar solche zu beeindrucken, die sonst mit so "Kitschzeugs" nichts am Hut haben. Nur Mut Männer. Es gibt ein Leben ausserhalb von Schiesserien, Macho-Sprüchen und Alien-Invasionen.

3.7 Sterne
3.7 Sterne (18 Bewertungen) | 0 Kommentare

4.0 Sterne4 von 0.0-6.0
14.11.2007 / muri