Enchanted (2007)
Verwünscht
Enchanted (2007) Verwünscht
Oder: ...and they lived happily...
Es war einmal eine gar kitschige, zuckersüsse Zeichentrickwelt, in der eine Märchenprinzessin namens Giselle (Amy Adams) lebte. Sie träumte von einem Kuss voll wahrer Liebe, sang herrliche Lieder in ihrem Häuschen, war ein Freund der Tiere und träumte von ihrem Prinzen. Eines Tages hörte Prinz Edward (James Marsden) diese wundervolle Stimme, rettete die schöne Maid vor einem Troll und das Paar beschloss, am nächsten Tag Hochzeit zu feiern. Sehr zum Missfallen von Edwards böser Stiefmutter (Susan Sarandon), die, als alte Frau verkleidet, die schöne junge Frau in einen Brunnen schubste. In der Hoffnung, dass sie nie wieder zurückkehren würde.
Doch dieser Brunnen führte die Frau in eine Gegend voller Chaos, unfreundlichen Menschen, regnerischem Wetter und schlechter Luft. Direkt an den realen Times Square im noch realeren New York. Giselle, natürlich in märchenhaftem Hochzeitskleid, machte einen verlorenen Eindruck, wurde herum geschubst, angeschnauzt und sah sich ohne ihren Traumprinzen am Ende alles Guten. Da tauchte ein Scheidungsanwalt namens Robert (Patrick Dempsey) auf und nahm sich der verstörten Frau an.
Zusammen verbrachten sie einige turbulente Tage, welche ihren Höhepunkt darin fanden, dass (Ex-Zeichentrick- und Nun-Normal-) Prinz Edward (mit Eichhörnchen im Schlepptau) auftauchte, seinen Braut zurück forderte und sogar die böse Stiefmutter sich auf den Weg nach New York machte, um das verhasste Gör mittels vergiftetem Apfel zu beseitigen.
Wird Gisell ihren Traumprinzen geplant märchenhaft heiraten können? Oder wird sie erst einmal ein paar Mal "daten", bevor sie sich ihrer Gefühle sicher ist? Wird sie denjenigen finden, der ihr Liebeslied beendet? Und welche Rolle spielt eigentlich der beste Freund von Edward, der komische Nathaniel (Timothy Spall), der von der bösen Königin an der Nase herumgeführt wird?
Kinofilm-Rating
Wenns draussen kalt und dunkel wird, darf in den Kinos ein herzerwärmender, romantischer und herziger Märchenfilm nicht fehlen. Dieses Jahr ist das Enchanted, der eine schöne Geschichte über die Liebe erzählt und das ganz im traditionellen Märchenstil der alten Disney-Filme. Eine Art "Best-Of" solcher Produktionen und angereichert mit Unmengen von Querverweisen, Hints und versteckten Hinweisen auf klassische Disney-Filme. Aufmerksamkeit ist gefordert, will man alles erkennen und schlussendlich auch noch erraten, wo man denn das schon mal gesehen hat. Im Presseheft von Enchanted ist die "Haben Sie es bemerkt"-Kategorie einige Seiten lang.....
Die ersten knapp zehn Minuten von Enchanted kommen als kariesfördernder, weil zuckersüsser, Zeichentrickfilm. Das Wetter ist sonnig, die Gegend wunderschön, das Schloss ein Traum, die holde Maid singt mit ihren tierischen Freunden im eigenen Häuschen und putzt dabei, während der schöne Prinz einen Troll jagt. Kitschig, aber herzig, lernen sich die beiden Personen kennen und wollen heiraten, wogegen die (natürlich böse und auch entsprechend aufgemachte) Schwiegermutter was hat.
Die Film verlagert sich aus dem Zeichentrickreich ins New York von heut. Superman returns-Plakate am Times Square, die Busfahrerin hat eine Micky-Maus-Frisu und unsere Märchenfiguren sind ob der harschen Realität hemmungslos überfordert. Das ergibt herrliche Szenen, wie zum Beispiel als die Prinzessin einen kleingewachsenen Menschen trifft und ihn sofort "Grumpy" nennt. Natürlich darf aber der "Prinz" in der realen Welt auch nicht fehlen. Diese Rolle hat Patrick Dempsey (Greys Anatomy, Freedom Writers) dankend übernommen und dürfte sich so noch weiter in die Herzen der verschiedenen Damen spielen.
So richtig witzig wirds aber erst, als X-Men-Cyclops James Marsden als herrlich naiver Prinz auftaucht und sich in seinem königlichen Gewand auf die Suche nach seiner Prinzessin macht. Er wird unterstützt von einem gut animierten Eichhörnchen, das überraschenderweise gar nicht gross nervt. Im Gegenteil. Seine Szenen sind absolut lustig.
Die böse Seite wird durch Susan Sarandon und (mit Abstrichen) Timothy Spall vertreten. Vor allem Erstere ist als böse Hexe eine Augenweide und man hätte sie ruhig vermehrt einsetzen können. Erinnerungen an alte Märchenfilme werden wach, wenn sie als alte Frau einen rot glänzenden Apfel versucht an den Mann (respektive die Prinzessin) zu bringen oder sich im grossen Finale spektakulär verwandelt.
Über allen grossen und kleinen Namen steht natürlich Amy Adams (Talladega Nights). Sie macht als Prinzessin mit ungebrochenem Sinn für Romantik eine herrliche Figur und verliert auch in der argsten Not ihren Optimismus und ihre Liebenswürdigkeit nicht. Das hat, zugegeben, schon was kitschiges und übertriebenes an sich, aber wir gucken ja hier schliesslich auch ein Märchen und kein Sozialdrama.
Fazit: Enchanted ist ein überraschend unterhaltsamer Märchenfilm, der sein Genre teilweise recht heftig selber aufs Korn nimmt, schlussendlich aber doch nicht ohne Singsang, Getanze auf den Strassen und viel Romantik auskommt. Das gehört nun mal in eine solchen Film und wird auch für Sing-Muffel in einem akzeptablen Rahmen zelebriert. Die Witze sind lustig, die Anspielungen zahlreich und für den Zuschauer sehr hart, diese zu Erkennen. Trotzdem machts Spass, sich einmal fallen zu lassen, den Film einfach zu geniessen und Freude daran zu haben, wenn auf der Leinwand die (Liebes-)Post abgeht. Enchanted ist ein gelungenes "Best-Of" der klassischen Disneyfilme und Märchen geworden. Gut gemacht.
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