Dutti der Riese (2007)
Dutti der Riese (2007)
Oder: Wänns am Esel z'guet gaht, gaht er ufs Iis
Kaum einer hat die Entwicklung der Schweizer Konsumgesellschaft im letzten Jahrhundert so stark geprägt wie Gottlieb Duttweiler. Der am 15. August in Zürich Geborene zeigte schon früh ein Flair für Zahlen. Nach einer kaufmännischen Lehre beginnt er als Vertreter einer Engros-Handelsfirma, um mit 29 Jahren bereits Partner zu werden und die Firma zum Weltkonzern auszubauen. Seine Frau Adele Bertschi lernte er als 17 Jährige kennen, brauchte aber einige Jahre um sie zur Heirat zu bewegen.
Mit der Währungskrise 1920 kommt allerdings der Totalverlust - Duttweiler verliert sein Privatvermögen. Duttweiler kauft mit seiner Frau in Brasilien eine Kaffeeplantage mit 2400 Hektare. Doch er merkt bald, dass ihm das Bauernleben nicht besonders gefällt. Zurück in der Schweiz gründet er 1925 die Migros AG und beginnt mit fünf Lastwagen in der Stadt Zürich Zucker, Teigwaren, Kaffee, Reis, Seife und Fett zu verkaufen. Der Startstein zur heutigen Migros ist gelegt.
Der Rest ist beinahe schon Geschichte: Es folgen die ersten Verkaufsläden mit einem revolutionären Verkaufskonzept, das Duttweiler als erster aus der USA nach Europa exportiert - der Selbstbedienungsladen. Markenhersteller beginnen die Migros zu boykottieren, das wohl glücklichste Ereignis aus heutiger Sicht: Dutti, wie er liebevoll von seinen Anhängern genannt wird, beginnt kurzerhand Markenartikel zu kopieren. Kaffee Haag? Kaffe Zaun! Ovomaltine? Einmalzin! Vim? Päng!
1932 wagt Duttweiler den Schritt ins Ausland und hat bald 85 Verkaufsländen in Berlin. Mit der Machtergreifung Hitlers erkennt Dutti aber, dass er Berlin aufgeben muss. Auch in der Schweiz machen es ihm die Gegner schwer, bis 1946 ist ein "Filialverbot" von der Anti-Dutti-Lobby durchgesetzt worden. Mit der Gründung der Hotelplan Genossenschaft beginnt Dutti, sein Konzept des "Sozialen Kapitalismus" umzusetzen. Er wird Nationalrat, gründet eine eigene Partei, verschenkt die Migros ans Volk. Der Erfolg der Migros ist unaufhaltsam...
DVD-Rating
Wieder einmal stellen die Schweizer Filmemacher ihre Qualität unter Beweis, wenn es um Dokumentationen und Biographien von Menschen geht, die Grosses geleistet haben und an die man sich nun erinnern soll. Gottlieb Duttweiler, der Erfinder und Vater der "Migros" wird porträtiert, sein Leben betrachtet, sein Schaffen kommentiert und das alles mit herrlichen Bildern aus vergangenen Tagen angereichert. Gottlieb Duttweiler war nicht nur ein feiner Mensch und ein cleverer Geschäftsmann, sondern er war auch Dutti der Riese.
Der Film beginnt in der Jugend des Mannes, der schon damals ein paar gute Geschäftsideen hatte und bald auch erfolgreich in seine Lehrfirma einsteigen konnte. Der Schritt zum Geschäft, das Esswaren billiger anbietet als die Konkurrenz und dessen Waren mit den bekannten "Migros-Lastwagen" auch in die ländlichen Gegenden ausgefahren wurde, darf ebenso wenig fehlen, wie interessante Momente, als sich Hausfrauen praktisch durch menschliche Absprerrungen kämpfen mussten, um Migros-Produkte zu kaufen, da die lokalen Lädelchen Angst vor der Konkurrenz hatten.
Dutti der Riese arbeitet mit viel Archivmaterial, originalen Migros-Spots aus den Siebzigern und zeigt sogar Ausschnitte aus Propagandafilmen, die während der harten Kriegszeiten gezeigt wurden. Dazwischen bekommen wir langjährige Wegbegleiter von Gottlieb Duttweiler zu sehen und hören. Ehemalige Sekretäre, Pressechefs, Chauffeure, sie alle haben unterhaltsame Geschichte zu erzählen und fügen sich dadurch hervorragend in den interessanten und informativen Film ein.
Fazit: Klar, wer sich nicht dafür interessiert, wie die Migros ins Rollen kam und was der gute Mann alles zu leisten hatte, der wird sich ebenso wenig für Dutti der Riese begeistern können. Wer allerdings ein bisschen hinter die Cumulus-Karte schauen, flotte Sprüche aus vergangenen Tagen ("Äs Kotelette so gross wie än Schiissideckel") hören und sehr interessantes Filmmaterial beäugen will, der dürfte mit diesem Film hervorragend bedient sein.
Leider hat man ausser dem Trailer und dem Teaser zum Film keinerlei Extras auf die DVD gepackt. Ein bisschen zusätzliche Infos, vollständige Archivaufnahmen oder Filmchen wären nett gewesen. Beim Ton sind natürlich einige Abstriche zu machen, wenn die Originalaufnahmen von Anno dazumal über den Bildschirm flimmern. Mehrheitlich sind jedoch die Kommentare und Bemerkungen klar, deutlich und ohne Störungen hörbar. Ebenso wie beim Bild, das im Grossen und Ganzen einen sehr sauberen Eindruck macht. Die verwackelten Bilder aus den Kriegsjahren natürlich ausgenommen.
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4.7 Sterne (15 Bewertungen) | 0 Kommentare
DVD-Infos
DVD erschienen am 26.02.2008
- Bildformat: 16:9
- Sprachen: Deutsch, Mundart
- Untertitel: Deutsch (Partiel)
- Extras: Trailer, Teaser





