You, the Living - Du Levande (2007)
Das jüngste Gewitter
You, the Living - Du Levande (2007) Das jüngste Gewitter
Oder: Tuba or not Tuba
Ein unsympathischer Zeitgenosse telefoniert in einem Restaurant lautstark mit seinem Mobiltelefon. Ein Gast am Nebentisch klaut ihm währenddessen die Brieftasche. Mit dem Gewinn des Diebstahls finanziert sich dieser einen luxuriösen Sarg. Ein Teeniemädchen ist verliebt in den Leadsanger einer Rockband, der poetische Texte textet und wie ein Gott Gitarre spielt. Während einer Geschäftsleitungssitzung in einer grösseren Firma kippt der Vorsitzende urplötzlich tot vom Stuhl. Und sich mit einem kühlen Bier zuprostende Richter verurteilen einen Handwerker, der ein zweihundertjähriges Tischgedeck auf dem Gewissen hat, zum Tode auf dem elektrischen Stuhl. Dessen Anwalt weint derweilen bitterlich.
Diese und viele weitere merkwürdige Begebenheiten ereignen sich in einer schwedischen Stadt. Immer wieder erscheint dabei eine riesige Tuba. Und ein unerwartetes Ereignis hoch oben in den Lüften zieht alle Bewohner der Stadt magisch in ihren Bann.
Kinofilm-Rating
You, The Living besteht aus rund 50 teils kurzen, teils längeren Einzelepisoden. "Lebende Gemälde" nennt diese der Pressetext des Festival du Film Fantastique (NIFFF) 2007 in Neuenburg, wo der Film im internationalen Wettbewerb gezeigt wurde. Der Gemäldeeffekt wird dadurch erzeugt, dass praktisch alle Szenen mit statischer Kamera gefilmt wurden, währenddessen die Darsteller entweder völlig reglos im Raum verharren oder sich nur langsam bewegen. Gesprochen wird dabei wenig.
Die Szenen selbst sind häufig witzig, manchmal grotesk, zuweilen tragikomisch und in Einzelfällen etwas langweilig. Trotzdem gelingt Regisseur Roy Andersson eine schöne "Farce über die Conditio humana", wie er sein Werk selbst nennt. Etwas irritierend ist die unterschiedliche Tiefe der Einzelepisoden: Die einen Episoden erzählen kleine Geschichten, wie diejenige mit dem Teeniegirl und dem Rockstar (ersteres spielt neben der Tuba eine Art "Hauptrolle" - sofern in diesem Film überhaupt von einer solchen gesprochen werden kann). Bei den anderen handelt es sich um isolierte Einzelszenen mit Figuren, die so schnell wieder aus dem Film verschwinden, wie sie eingeführt wurden. Einige Szenen sind banal, bei anderen handelt es sich um Alltagsbeobachtungen, die man in ähnlicher Weise schon selbst erlebt hat. Und dann gibt es auch noch diejenigen Szenen, die just dann enden, wenn es begonnen hat, amüsant zu werden.
Homogenität darf von You, The Living nicht erwartet werden. Aber genau dieser Mix macht handkehrum auch den Reiz des Filmes als Gesamtes aus. Er funktioniert als eine Art Spiegelung des Lebens in seiner ganzen sinnlosen Pracht. Und nach Ende weiss man nicht recht, ob man nun einem bewegenden Drama oder einer umwerfenden Komödie beigewohnt hat. Dies dürfte den meisten Lebenden nicht ganz unbekannt vorkommen.
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4.1 Sterne (18 Bewertungen) | 3 Kommentare


