Disturbia (2007)
Disturbia (2007)
Oder: Lichter der Vorstadt
Irgendwo in Suburbia. Schüler Kale (Shia LaBeouf) hat es nicht einfach in seinem Leben. Zuerst verliert er seinen Vater, dann seine Freiheit. Denn wegen einer kleinen Überreaktion wird er von der Polizei dazu verdammt, seine gesamten Sommerferien zu Hause zu verbringen - gebunden an eine fiese Fussfessel, die ihm nicht mehr als dreissig Meter Auslauf gönnt. Als ihm zu allem Übel von seiner Mutter auch noch XBox und TV gekappt wird, bleibt ihm nur noch eins, um sein Leben halbwegs erträglich zu gestalten: Die Nachbarn ausspionieren.
Interessant wird dieses Spiel, als Ashley (Sarah Roemer), die schöne Tochter der neuen Nachbarn, die Bühne betritt. Denn schon bald tauscht diese ihren Platz vor - etwa schwimmend im Pool - gegen jenen hinter dem Fernrohr, direkt an der Seite des hechelnden Kale. Zusammen erforschen die beiden die Eigenarten der umliegenden Bewohner und machen dabei eine unheimliche Entdeckung. Sie glauben, dass ein landesweit gesuchter Serienmörder die trügerische Idylle ihres lieblichen Quartiers stört. Und während sich der Verdacht erhärtet, dass der nette Nachbar tatsächlich ein wahnsinniger Krimineller ist, beginnt sich Kales Mutter mit ebendiesem anzufreunden. So wird - um an dieser Stelle das Presseheft zu zitieren - aus einem harmlosen Spiel blutiger Ernst.
Kinofilm-Rating
Disturbia ist grundsolides Handwerk. Und die Rezeptur ist simpel: Man nehme ein paar ordentliche Schauspieler, orientiere sich an erfolgreichen Filmen und befolge pingelig jede Regel der Dramaturgie. Nur leider - und das ist das schöne am Kino - geht der Plan nicht immer auf. Nur inwiefern bleibt der Film derart hinter den, durch die immensen Werbekampagnen geschürten Erwartungen zurück?
Erstens und vor allem: Der Film ist mindestens so langweilig, wie das, an einen 30 Meter Radius gebundene Leben des Protagonisten. Zu geradlinig die Geschichte, zu einfach die Charaktere. Weiter werden Rätsel (ist er's wirklich?) und aufgebaute Spannungen (kriegt er sie?) viel zu früh gelöst. Und letzteres führt zum zweiten Kritikpunkt: Dem Film, insbesondere auch den Protagonisten, fehlt es an Logik und Glaubwürdigkeit. Weshalb etwa kommt der tollpatschige LaBeouf, der übrigens exakt die gleiche Rolle wie in Transformers spielt, schon wieder so gut bei einem bildhübschen Mädchen an? Ist es wegen seinen zahlreichen Stolperern? Oder weil er so süss stottert?
Zuletzt fehlt es dem Film schlicht an Originalität. Wie bei seinem ersten Film Taking Lives kupfert der Regisseur schamlos bei seinen offensichtlichen Vorbildern - etwa Rear Window oder Silence of the Lambs - ab und traut sich dabei keine Risiken zu. Unbedingt will er's so machen, wie man es ihm in der Filmschule beigebracht hat. Dadurch entsteht eine fade Collage, versinkend im Meer der Beliebigkeit und - nebenbei erwähnt - auch penetrant untermalt von allzu offensichtlichem Product Placement. Vor allem der malerische Anfang des Films lässt sich nur mit Mühe von einer Cola-Werbung unterscheiden.
Doch genug der Hetze. Entschuldigt seien an dieser Stelle zumindest die Schauspieler. Denn sie erfüllen ihre Aufgaben alle mehr als einwandfrei. Allen voran wuchsen mir LaBeouf und Roemer schnell ans Herz - von Anfang an macht es Spass ihrem Treiben zuzusehen. Und auch Moss und die anderen mehr oder minder hochkarätigen Nebendarsteller machen eigentlich richtig Spass. Zusammenfassend lässt sich schliesslich sagen: Der Film ist seine 13 Stutz nicht wert. Zwar tut es nicht besonders weh, sich ihn anzusehen. Doch ebenso wenig hätte es mich gestört, mittendrin das Kino verlassen zu müssen. Denn so oder so: In zwei oder drei Tagen werde ich das fade Vergnügen bereits vergessen haben.
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4.2 Sterne (90 Bewertungen) | 24 Kommentare



