Diary of the Dead (2007)

Diary of the Dead (2007)

Oder: Blair Witch 2.0

Diary of the Dead

Ooch immer diese Zombies...

Der junge Filmstudent Jason Creed (Joshua Close) dreht mit seinen Freunden in den Wäldern von Pennsylvania einen Horrorfilm. Doch der Horror bleibt keine Fiktion: Im Radio hören die Studenten Meldungen über das Auftauchen von Zombies. Mangels Alternativen begeben sie sich mit ihrem Wohnmobil auf den Heimweg, holen vorher aber noch Jasons Freundin Debra (Michelle Morgan) ab. Jason sieht das Aufkommen der Untoten als Möglichkeit, die Geschehnisse mit seiner Kamera aufzuzeichnen, um diese für die Nachwelt festzuhalten. Allerdings sind nicht alle Mitglieder der Gruppe mit seinem Vorhaben einverstanden. Gerade Debra hat grösste Mühe mit Jasons Vorhaben, alles zu dokumentieren.

Diary of the Dead

Einmal extra knusprig

Als sie wegen eines Autounfalls zum Anhalten gezwungen werden, greifen mehrere Zombies die Jugendlichen an. Mary, die Fahrerin des Wohnmobils, sieht in diesem Moment keine andere Möglichkeit, als die Angreifer zu überfahren. Da sie im Glauben ist, sie habe lebende Menschen getötet, macht sie sich schwere Vorwürfe, weshalb sie sich bei einem Zwischenstopp mit einem Kopfschuss selbst umbringen will. Allerdings überlebt sie den Selbstmordversuch, ist aber schwer verletzt. In Eile suchen die Filmstudenten das nächste Krankenhaus auf, was sich als merklich schlechte Idee herausstellt: Patienten, Schwestern und Ärzte haben sich alle bereits in Untote verwandelt.


Kinofilm-Rating

George A. Romero ist zurück und nimmt sich ein weiteres Mal dem Film-Genre an, welches er mitbegründet hat: dem Zombiefilm. Nach Night of the Living Dead, Dawn of the Dead, Day of the Dead und Land of the Dead ist es bereits der fünfte Film, in dem Untote um die Wette schlurfen. Und schlurfen ist das richtige Wort, denn wie in jedem Romero sind die Zombies in Diary of the Dead richtig langsam und haben wenig mit den pfeilschnellen Menschenfressern aus aktuellen Werken wie etwa 28 Days Later gemein - vom Appetit auf menschliche Gehirne und Innereien einmal abgesehen.

Der Titel des Films ist Programm, es handelt sich um eine Art Tagebuch aus Sicht von Filmstudenten. Ganz im Stil von Blair Witch Project und dem jüngeren Cloverfield sieht man das Geschehen aus der Perspektive der Hauptfiguren, die inmitten der Zombiekatastrophe landen und ihren Weg durch die Untoten dokumentieren - Kamerawackeln und Unschärfen inklusive. Wer allerdings selbst schon mal eine Kamera bedient hat, wird sich fragen, wie die Figuren auch weit entfernte Gespräche ohne zusätzliche Mirkofone aufnehmen konnten. Aber über solche Logiklöcher muss man hinwegsehen. Schauspielerisch darf man vom neuen Romero-Werk natürlich nicht allzu viel erwarten, gerade da die Protagonisten mehr oder weniger den üblichen Klischees im Horrorfilm entsprechen. Im Grossen und Ganzen liefern die Jungschauspieler aber eine ordentliche Arbeit ab und machen das Beste aus ihren Vorgaben.

Die grosse Stärke des Films liegt eindeutig in den Gore-Szenen. Wie kaum ein Anderer beherrscht es Romero, die Zombies und deren Ableben real aussehen zu lassen, insofern man in diesem Genre von Realität sprechen kann. Da spritzt das Blut gleich literweise, Augen springen aus dem Kopf und Gedärme und Innereien landen auf dem Fussboden. Da dürfen sich andere Zombie-Schocker gerne noch eine Scheibe abschneiden. Wie üblich bei Romero fehlt auch das sozialkritische Element nicht. Nach dem Konsumverhalten in Dawn of the Dead und der aktuellen USA-Politik in Land of the Dead werden diesmal die Medien aufgegriffen. Diese sozialkritische Komponente erschliesst sich zum Einen aus dem pseudodokumentarischen Stil, in dem der Film gehalten ist, und zum Anderen durch Szeneneinschübe und Kommentare der Figuren. Die kritisierte Geilheit der heutigen Gesellschaft am Leid von Anderen kommt weniger subtil rüber als etwa in den früheren Filmen, was der Wirkung aber keinen Abbruch tut.

Genau wie in Cloverfield verursacht der Filmstil leider auch den grössten Logikfehler: Wer lässt schon die Kamera weiterlaufen, wenn er selbst oder ein Freund in Lebensgefahr schwebt? Auch wenn es sich bei der Hauptfigur um einen Filmstudenten handelt, der unbedingt die ganze Situation und die Erlebnisse für die Nachwelt aufzeichnen will, spätestens, wenn das eigene Leben in Gefahr ist, würde wohl Jedermann die Kamera liegen lassen und das Weite suchen.

Fazit: Obwohl das neuste Werk von Zombie-Altmeister Romero hinter seinen bisherigen Werken zurückbleibt, hat er auch hiermit wieder einen Film geschaffen, der unterhält und gleichzeitig mit einer Portion Sozialkritik daherkommt. Wer über die angesprochenen Mängel hinwegsehen kann und mal wieder ordentliche Splattereffekte sehen will, wird an Diary of the Dead sicher seine Freude haben. Zudem könnte man nach dem relativ offenen Ende vermuten, dass erstmals ein echtes Sequel zu einem Zombiefilm von Goerge Romero kommen könnte. Allerdings war der finanzielle Erfolg in den USA ja eher bescheiden.

3.1 Sterne
3.1 Sterne (30 Bewertungen) | 4 Kommentare

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03.07.2008 / yle