Control (2007)
Control (2007)
Oder: Love has torn him apart
Ian Curtis (Sam Riley) wächst so auf, wie es viele Kids im England der 70er taten: Gelangweilt. Sein Dörfchen bietet nichts, was ihn so richtig begeistern könnte. Also holt er sich die damaligen Stars ins Zimmer. Bowie und T-Rex, sprich Glamrock, führt er sich kettenauchend ab Vinyl zu Gemüte. Es ist 1973, Ian gerade mal 17 Jahre alt.
Bald schon gibt es eine weitere Alltagsbeschäftigung, die das Teenagerleben erträglich machen lässt. Sie heisst Deborah (Samantha Morton) und ist wenig später schon seine angetraute Frau. Zusammen beziehen sie eine Wohnung, bekommen ein Kind. Ian arbeitet auf dem Arbeitsamt. Doch Ians Affinität zur Musik hat in nichts eingebüsst, und als einige seiner Freunde noch einen Sänger für ihre neue Band suchen, meldet er sich. Joy Division ist geboren - die erste Postpunkband, eine Gruppe, die die Musik weitaus tiefgründiger gestaltet als die bereits verflossene 3-Akkord-Bewegung. Ian wiederum fügt mit seinem am apathischen Abgrund hangelnden Gesang das kongeniale letzte Stück hinzu. Bald schon werden Joy Division die Local Heros, bekommen einen Fernsehauftritt bei Tony Wilson und scheinen bereit für grössere Taten.
Doch mit dem aufkeimenden Ruhm seiner Band fangen die Probleme für Ian erst an. Als er die verführerische Belgierin Annik (Alexandra Maria Lara) kennen lernt, geht er eine überstürzte Affäre mit ihr ein. Unfähig, sich zwischen ihr und der Familie zu entscheiden, leidet Ian unter einer psychischen Zerrissenheit, die durch seine Epilepsie noch verstärkt wird. Auch musikalisch entlebt er sich immer mehr von seiner Band. Als die erste Tournee in den Staaten vor der Tür steht, kommt es zur Katastrophe. Nach einem Streit mit Deborah und einem weiteren epileptischen Anfall erhängt sich Ian in seiner Wohnung.
DVD-Rating
Ian Curtis war 23 Jahre alt, als er starb. Wieso es so viele Filmminuten braucht, um solch ein kurzes Leben auf solch trockene Art und Weise zu präsentieren, ist absolut unerklärlich.
Minutenlange Einstellungen, in denen nichts passiert, sind Regisseur Anton Corbijns liebste Erzählform: Curtis liegt auf dem Bett und raucht; zwei englische Jungs stochern in ihrem Essen rum. Ab und zu wird die Langeweile mit einem Song unterbrochen, doch auch diese werden immer nach dem gleichen Muster gezeigt: Curtis ist verschwitzt, singt, hampelt ein wenig, Song vorbei. Später im Film kriegt er dann mehrmals während des Singens einen epileptischen Anfall, doch auch das berührt nicht wirklich.
Offensichtlich war es die Absicht des Regisseurs, die aussichtslosen Verhältnisse der Manchester-Jugend in den 70er Jahren zu porträtieren, ihre Nonchalance, ihre Kein-Bock-Attitüde. Dabei hat er offenbar vergessen oder verdrängt, dass sich absolute Langeweile nicht gut mit dem Medium Film verträgt. Man geht nicht in einen Film, oder kauft ihn sich auf DVD, um beim Betrachten zu spüren, wie man älter wird. Es kann auch nicht sein, dass nur Fans von Joy Division den Film letztendlich werden mögen können. Der Anspruch Corbijns hätte sicherlich sein müssen, auch einem Nichtkenner der Band einen Zugang zu ihrer Geschichte und Curtis‘ Leben zu eröffnen.
Corbijn zeigt Curtis zunächst als ernsten, leicht überheblichen, jungen Mann, der sich seines Talentes so sicher ist, dass sich der Erfolg tatsächlich einstellt. Später nimmt er diese Interpretation plötzlich zurück. Ian sagt: "Das war alles nicht so geplant". Corbijn hat nicht rechtzeitig gemerkt, dass er keine wirkliche Geschichte hat, und das, obwohl Deborah Curtis (Ians Witwe) am Drehbuch mitgearbeitet hat.
Noch erstaunlicher ist, dass Sam Riley und Samantha Mortons Schauspiel exquisit ist. Wenn sie das Glück haben, eine echte Szene spielen zu dürfen, sind sie elektrisierend, magnetisch, glaubwürdig. Es ist mir schleierhaft wieso trotz solcher Schauspieler der Finger an der Fernbedienung gern den Vorspulknopf drückt.
Um dem Elend noch eins draufzusetzen, wurde der Film von einem Kameramann und einem Beleuchter gedreht, die offensichtlich keine Ahnung hatten, wie man Schwarz/Weiss fotografiert und belichtet. Herausgekommen sind triste, kontrastlose Bilder, wenig Tiefenschärfe, in einem einheitlichen Grauton verschwimmend. Schon bei der ersten Szene fällt dieser fatale Fehler auf und hält sich beharrlich auch im Rest des Filmes.
Die DVD macht dem schlechtem Inhalt und der grauenvollen Umsetzung alle Ehre. Noch vor dem Menü wird man von einem Trailer angefallen; Extras gibt es keine bis auf einen Audiokommentar von Anton Corbijn und den Kinotrailer zu Control und "weitere Filmtipps", die nur weitere Werbung für drei völlig unbekannte Filme sind.
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4.7 Sterne (20 Bewertungen) | 3 Kommentare
DVD-Infos
DVD erschienen am 17.06.2008
- Bildformat: 2.35:1
- Sprachen: Deutsch (DTS 5.1, DD 5.1); Englisch (DD 5.1)
- Untertitel: Deutsch
- Extras: Audiokommentar von Anton Corbijn; Trailer



