The Condemned (2007)

Die Todeskandidaten

The Condemned (2007) Die Todeskandidaten

Oder: Let me show you MY reality

The Condemned

Extrem-Fasanen-Hunting

Wenn der Superbowl 40 Millionen Zuschauer anlockt, dann wird ja wohl ein Internetstream über eine Gruppe Todeskandidaten auf einer einsamen Insel ebenfalls Kohle einfahren. Diese Gedanken lassen einen millionenschweren TV-Produzenten auf eine gnadenlose Idee kommen. Er "organisiert" sich zehn Verbrecher, die auf die Todesstrafe warten, lässt sie auf einer Insel frei und teilt ihnen mit, dass derjenige, der nach 30 Stunden als Einziger überlebt, seine Freiheit wieder kriegt. Vorausgesetzt, er bietet eine gute Show, die Konkurrezt wird abgemurkst und die Quoten stimmen. Sonst explodiert das kleine Gerät am Bein und fertig lustig.

Unter den zehn Verurteilten, die es nun auf diese Insel verschlägt, ist auch Jack Conrad ("Stone Cold" Steve Austin). Dieser Mann, scheinbar ohne irgendwelche Vergangenheit, wird auf der Webseite der Show als Kindermörder und Rassist angepriesen, damit auch ja viele User den Typen hassen. Zusätzlich gibts einen Japaner, ein Pärchen, einen Schwarzen, "il Numero Uno di Palermo" und viele mehr. Auch Ewan McStarley (Vinnie Jones) muss auf die Insel. Und er hat ganz eigene Pläne, wie er sich die Freiheit sichern will.

The Condemned

Neulich am Knabenschiessen

Die Show startet, die ersten Prügeleien werden übertragen und die Quote steigt. Klar, dass das den Verantwortlichen nicht reicht und die nun anfangen, Päcklein über der Insel abzuwerfen. In diesen Taschen sind nicht nur Wasser und Essen, sondern (vor allem) Waffen. Wer also jeweils zuerst bei diesen Lieferungen ist, darf sich daraus bedienen und die "Geschenke" einsetzen, um sich Vorteile zu schaffen.

Zehn Menschen auf einer einsamen Insel. Gefilmt von Kameras und schlecht drauf. Da gehts um Leben und Tod. Und das nicht nur für die Teilnehmer. Denn Jack Conrad hat sich bereits seiner Beinbombe entledigt und macht sich auf den Weg ins Produktionszentrum, das (natürlich) ebenfalls auf dieser Insel stationiert ist. Denn Jack Conrad ist kein Abschaum. Er hat weit mehr zu bieten. Doch um das zu beweisen, muss er dieses tödliche Spiel gewinnen.


DVD-Rating

Schon seit längerem versucht sich die Wrestlingorganisation WWE auch als Filmproduzent zu etablieren. Mit See no Evil und Kane konnten sie zwar einen gelungenen Schocker abliefern, doch mit John Cena und The Marine lieferten sie wieder nur durchschnittliche Massenware ab. Deshalb waren die Erwartungen an The Condemned eher bedeckt. Da konnte auch Wresting-Mega-Star "Stone Cold" Steve Austin nichts ändern. Diese Befürchtungen erwiesen sich jedoch als unbegründet, denn The Condemned liefert nicht nur ein solides Szenario, sondern auch nette Action mit einem überzeugenden Hauptdarsteller ab.

Das verwendete Szenario von The Condemned ist ein altbewährtes und wurde schon in Battle Royale, Running Man, House of 9 oder Untraceable verwendet. Aussichtslose Situationen, Zeitlimiten, das Sterben von Freunden, eine blutgeile Gesellschaft und eine Belohnung, die jeden Skrupel vergessen lässt, bieten immer wieder die Möglichkeit, brutale Gewalt im Gewand eines Psychothrillers auf die Leinwand zu bringen. Nur wenige können jedoch das Potential dieser kranken Spiele überhaupt ausnützen. The Condemned kreuzt das Battle Royale-Konzept - in dem sich die Teilnehmer in einer Zeitlimite gegenseitig umbringen müssen - mit der Live-Übertragungs-Show von Running Man und liefert dabei einen soliden Streifen ab, der zwar keine kreativen Höhenflüge macht, jedoch durchaus gut mit seinen Möglichkeiten arbeitet. Dabei werden nicht nur die Kandidaten durch den Fleischwolf gedreht, es werden auch zusätzliche Storylines eingewebt, in denen das FBI nach der Insel sucht und Angehörige um die Kandidaten fürchten. Das gibt der Handlung mehr Tiefe und fügt zusätzliche Emotionen bei. Gegen Ende werden sie jedoch schlampig. Die Elemente der Live-Übertragung und der Gameshow werden immer mehr vernachlässigt und zum Teil schlichtweg vergessen. Weshalb auch die Übersicht verloren und das eigentliche Finale der Live-Übertragung komplett unter geht.

Nach einer kurzen Einführung sind wir schon nach rund zehn Minuten auf der Insel. Jetzt geht es nur noch darum, dass sich die zehn Häftlinge gegenseitig umbringen und gleichzeitig zu dokumentieren, wie die Liveübertragung im Regieraum zusammengeschnitten wird. Dabei wird vom Produzenten Ian Breckel (Robert Mammone) alles getan, um möglichst hohe Zuschauerzahlen zu erreichen. Jede Vergewaltigung, jeder Mord und jede Schlägerei wird bis zum Exzess ausgekostet und die Zuschauer schalten in Millionen zu. Wer jetzt jedoch besonders hässliche Bilder oder intensiver Psychoterror erwartet, wird enttäuscht sein: The Condemned kocht auf recht kleinem Feuer und obwohl die gut gecasteten Häftlinge recht deftig gegeneinander kämpfen, wird hier der Spass grösser geschrieben, als mit wüsten Bildern zu schocken. Deshalb bleibt auch viel Intensität auf der Strecke und Psychoelemente werden eher am Rande abgewickelt. Dafür wird viel Action und mit Steve Austin einen charismatischen Hauptdarsteller geboten, der von Anfang an einen guten Anker bildet und mit Vinnie Jones einen genau so bösartigen wie genial spielenden Gegenspieler hat.

Fazit: The Condemned überzeugt mit einem bewährten Szenario und linearer Action, die sich immer mehr hochschaukelt und auch einige amüsante, wie intensive Momente bietet. Der Film ist solide produziert und kann dank gut ausgewählten Schauspielern unter den Todeskandidaten wie auch hinter dem Regiepult überzeugen und stellt das Ganze auch gekonnt in Frage. Er erreicht jedoch nicht die Emotionen eines Running Man oder die Qualität eines Battle Royale, kann sich aber gut neben ihnen behaupten, denn in den hundert Minuten wird es nie langweilig und dank gut platzierten trockenen Sprüchen wird man auch sehr gut unterhalten und auch nachdenklich gestimmt. Durchaus einen Blick wert.

Die DVD präsentiert den Film in der High-Defintion Überschärfe bei der jedes Detail erkennbar ist und ein satter und gut abgemischter Ton rundet das Paket ab. Das Bonusmaterial enthält unter anderem ein langes und umfassendes Making Of, bei dem alle Schauspieler zu Wort kommen und auch gut dokumentiert wird, wie der Film entstanden ist. Als Zusatz gibt es noch eine Schnipsel von alten Stone Cold Auftritten und Autogrammstunden.

3.2 Sterne 4.0 Sterne
3.2 Sterne (23 Bewertungen) | 1 Kommentar

3.53.5
19.05.2008 / muri (Inhalt), db (Rating)


DVD-Infos

DVD erschienen am 08.05.2008

  • Bildformat: Widescreen 1.85:1 (Anamorphisch)
  • Sprachen: Deutsch: Dolby Digital 5.1, English: Dolby Digital 5.1
  • Untertitel: Deutsch, Englisch, Türkisch
  • Extras: Audiokommentare: Regisseur Scott Wiper, Stone Cold Steve Austin, Filmdokumentationen: Making of, Capital Carnage 1998, Stone Cold im Movie World Australien, Storyboard-Vergleiche, Trailer