Charlie Wilson's War (2007)
Der Krieg des Charlie Wilson
Charlie Wilson's War (2007) Der Krieg des Charlie Wilson
Oder: Jetzt treten wir den Sowjets in den Ar***
Charlie Wilson (Tom Hanks) macht seinem unkonventionellen Verhalten als US-Kongressabgeordneter mit einem Whirlpool-Aufenthalt mit zwei Stripperinnen, einem Zuhälter und einer Playboy-Cover-Schnitte bereits zu Beginn alle Ehre. Als die aufreizenden Damen um Charlies Aufmerksamkeit buhlen, wird sein Interesse von einer News-Reportage aus dem vom kommunistischen Russland attackierten Afghanistan komplett in Anspruch genommen. Während den frühen 1980er Jahren wurde Afghanistan von Russland und somit vom Kommunismus aggressiv besetzt.
Ein Journalist und Bekannter von Wilson macht über die Situation Afghanistans unter der Fuchtel des Kommunismus aufmerksam. Die Botschaft ist klar: mehr Geld und Waffen für Afghanistan und diese können den Kommunismus aus ihrem Land zurück drängen und somit der Sowjetunion einen Rückschlag geben. Wilson lässt darauf hin die finanziellen Unterstützungen für die Mujahideen, die Afghanischen Freiheitskämpfer, unter Ausschluss der Öffentlichkeit von fünf auf zehn Millionen Dollar verdoppeln. Ein paar Personen bekommen trotzdem Wind davon. Darunter auch der cholerische Spion und CIA-Agent Gust Avrakotos (Philip Seymour Hoffman) und die steinreiche und antikommunistisch ausgerichtete Teilzeitgeliebte Wilsons, Joanne Herring (Julia Roberts). Zusammen schaffen sie es, eine unglaubliche Allianz unter Pakistan, Ägypten, Israel und weiteren Parteien zu formen.
Während der gesamten neun Jahre der Belagerung Afghanistans durch die Sowjets geht aus dieser Allianz eine steigende Kriegsfinanzierung Afghanistans gegen die Sowjets von über einer Milliarde Dollar hervor. Mit dieser Aktion leistete sich die USA nicht nur die bis dahin teuerste Versorgung einer fremdländischen Armee mit Waffen und Geld unter Geheimhaltung vor der Öffentlichkeit, sonder rüstete gleichzeitig ihre zukünftigen Feinde auf.
Kinofilm-Rating
Meisterregisseur Mike Nichols, welcher schon mit Filmen wie Regarding Henry und Closer internationale Erfolge verbuchen konnte, begeistert auch mit seinem neuesten Streich. Charlie Wilson's War erzählt eine wahre, surreale, tragisch-witzige Geschichte und stützt sich auf den Bestseller von "CBS News"-Journalist und Autor George Crile. Auch in seinem neuesten Werk tummeln sich wieder etliche gemachte, wie emporkommende Stars: neben den prominent und passend besetzten Hauptrollen, mimen Jungstars wie Amy Adams (kürzlich als verträumte, Kleider nähende Märchenprinzessin in Enchanted zu sehen) die treue Assistentin von Charlie; Ned Betty (u.a. Deliverance) den Doc Long und die immer schöne Emily Blunt aus The Devil Wears Prada eine von Charlies Sekretärinen.
Innert gut 100 Minuten erzählt Mike Nichols die unglaubliche Geschichte des US-Kongressabgeordneten Charlie Wilson mit bissigem Humor und etlichen Seitenhieben auf die amerikanische Aussenpolitik. Der an sich bedenkliche Stoff wird dabei nicht auf eine reine Komödie reduziert. Viel mehr kriegt der Zuschauer gepfefferte und äusserst schnelle, geistreiche Dialoge voll gepackt mit Details zu Waffenhandel sowie diplomatischen und politischen Manövern. Diese Wortwechsel werden von der Besetzung, besonders zwischen Tom Hanks und Philip Seymour Hoffman, gelungen und witzig präsentiert. Doch auch Julia Roberts ist, wie im letzten Nichols Film Closer, nicht auf den Mund gefallen. Sie palavert über Waffen und kriegerische Vorkommnisse wie ein Maschinengewehr, zieht sich dabei nach einem Schäferstündchen mit Charlie im Badezimmer den Liedstrich nach und hat dazwischen auch noch bissige Retourkutschen auf Charlies dazwischen geworfenen Sticheleien parat. Dabei muss der Zuschauer während der gesamten Filmlänge die Ohren massiv gespitzt halten und mit den Augen in einem zügigen Tempo entlang der weissen Untertitel wandern. Dies kann besonders am Anfang des Filmes, wo der gesamte Kontext noch etwas fehlt bzw. erst eingeführt wird, ermüdend sein. Durchhalten lohnt sich jedoch.
Tom Hanks zuzusehen, wie er den "nicht üblichen" Kongressabgeordneten mimt, der sich ständig Alkoholisches "on the Rocks" hinter die Binde giesst und als grosser Frauenmacker mit einer, zu beginn, beängstigenden Ahnungslosigkeit durch die Politwelt rauscht, macht grossen Spass und lässt, besonders im Zusammenspiel mit Philip Seymour Hoffman, kein Auge trocken.
Dass aufgrund der Komik ein paar politische Zusammenhänge und geschichtliche Details vernachlässigt wurden, fällt für diesen Streifen nicht weiter ins Gewicht, denn Infos werden einem hier schon reichlich geboten. Jeder Satz mehr, hätte die Politsatire schleppend werden lassen.
Fazit: Charlie Wilson's War ist ein sehr amüsantes bis verstörendes Spiel auf dem Schachbrett der Weltpolitik geworden, welches den Zuschauer mit Tempo und Detailreichtum zwar fordern wird, dies der Unterhaltung aber keinen Abbruch tut. Unbedingt ins nächste Kino sausen!
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