Caramel (2007)

Caramel (2007)

Oder: habibti, meine Liebe

Caramel

Disturbia war gestern!

Der Beauty-Salon "Si (B)elle" in Beirut (das B hängt bedrohlich schief) und fünf Frauen, eine jede mit ihren eigenen Sorgen. Das sind die Zutaten zu Caramel. Die Besitzerin des Salons, Layale (Nadine Labaki), ist Christin, wohnt noch bei den Eltern, trifft sich heimlich mit einem verheirateten Mann und übersieht dabei einen glühenden Verehrer. Ihre Angestellte Nisrine ist Muslimin und steht kurz vor der Heirat, verheimlicht ihrem Zukünftigen aber, dass sie nicht mehr Jungfrau ist. Und Rima, die Haar-Wäscherin, verliebt sich in eine geheimnisvolle Schöne mit langem schwarzem Samthaar. Stammkundin Jamale hat zwei Kinder gross gezogen und will Schauspielerin werden. Um jung und begehrlich zu scheinen, greift sie tief in die Trickkiste. Und dann ist da noch Rose, die Schneiderin, die sich um ihre ältere etwas verrückte Schwester Lili kümmern muss und darum mit Gewissensbissen kämpft, als sie sich verliebt.


Kinofilm-Rating

In warmen Farben und goldenem Licht gewährt Regisseurin und Hauptdarstellerin Nadine Labaki mit dieser Momentaufnahme Einblick ins tägliche Leben von fünf Frauen in Beirut. Sie spricht Themen an, welche die Frauen in ihrem Land beschäftigen, und die für gesellschaftliche Achtung oder Ächtung entscheidend sein können: aussereheliche Beziehungen, Jungfräulichkeit vor der Ehe, Homosexualität und romantische Gefühle älterer Frauen. Es sind universelle Themen sowohl in der christlichen als auch in der muslimischen Tradition, die im Libanon so nah neben- und miteinander existieren. Überhaupt zeigt sich dieses Nebeneinander von Gegensätzen, die im besten Fall verschmelzen, in manchen Aspekten: das Äussere der Protagonistinnen, Jamales Castings für Deo-Werbung neben Roses altmodischer Schneiderei, Nisrines sexy Kleidung neben dem Kopftuch ihrer Mutter, die Besitzerin eines eigenen Coiffeur-Salons, die kein Hotelzimmer für zwei mieten kann, weil sie nicht verheiratet ist... Untermalt wird das Ganze von einem Score des Musikers Khaled Mouzanar der orientalische und okzidentale Klänge gekonnt verbindet.

Labaki ist Schauspielerin und hat zahlreiche Werbefilme und preisgekrönte Musikclips gedreht. Sie nimmt das Publikum mit ihrem Spiel und einem betörenden Augenaufschlag ein. Sie gesteht aber auch ihren Nebenfiguren den gebührenden Platz zu. Und bedenkt man, dass es sich beim restlichen Cast ausschliesslich um Laiendarstellerinnen und -darsteller handelt, darf man von der schauspielerischen Leistung grösstenteils beeindruckt sein. Die Personen wirken authentisch. Es sind Frauen von nebenan, die unsere Nachbarinnen sein könnten. Vor allem die Hausfrau Siham Haddad als Rose überzeugt, wie auch Aziza Semaan als Lili, die ihre etwas skurrile Rolle einfach köstlich interpretiert, und die Labaki auf der Strasse entdeckt hat.

Caramel, übrigens, heisst die Masse aus Zucker, Zitrone und Wasser, die in orientalischen Ländern zur Epilation - und im Film gelegentlich auch als Naschwerk - genutzt wird Der Titel ist bei diesem Film Programm. Caramel ist süss, manchmal auch bittersüss und sinnlich, ein bisschen Seifenoper, ein bisschen romantische Komödie und Frauenfilm. Ein Feelgood-Movie für einen kalten grauen Wintertag mit Freundinnen.

4.4 Sterne
4.4 Sterne (17 Bewertungen) | 1 Kommentar

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16.01.2008 / ema