Capitaine Achab (2007)
Capitaine Achab (2007)
Oder: *tock*, *tock*, da steckt der (Holz-)Wurm drin...
Man schreibt das Jahr 1840, im Nordosten der USA. Noch ahnt niemand, dass aus dem 10-jährigen Ahab (Virgil Leclaire) einst der wohl berühmteste Captain und Waljäger der - literarischen - Welt werden würden. Der Junge wächst, nachdem sein Vater (Jean-François Stévenin) bei einem Zweikampf ums Leben kommt, bei seiner gottesfürchtigen Tante Rose (Mona Heftre) und deren strengen, eitlen Ehemann Henry (Philippe Katerine) auf. Doch als er genug von dessen Züchtigungen mit Stock hat, inszeniert er seinen Tod und zieht alleine in die Welt hinaus.
Während der Reise wird seine grosse Liebe zum Meer entfacht. Nach einem kurzen Zwischenstopp bei einem Pfarrer (Jean-Paul Bonnaire) beschliesst Ahab, in die Seemannsschule einzutreten. Für ihn gibt es nur noch eines im Leben, den Ozean. Als der erwachsene Captain Ahab (Denis Lavant) bei der Jagd nach dem grossen weissen Wal Mobi Dick beinahe getötet wird, lassen ihn Rachegedanken nicht mehr los. Bevor er jedoch wieder mit neuem Schiff und neuer Mannschaft in See stechen kann, muss er sich von seinem Beinverlust erholen.
Kinofilm-Rating
Capitaine Achab ist die von Philippe Ramos zu Vierfünfteln frei erfundene, mögliche Geschichte wie Ahab seine Liebe zum Meer entdeckte und letztlich zu Mobi Dicks Erzfeind wurde. In fünf Kapiteln berichten ebensoviele Figuren aus der Kindheit, den Jugend- und Erwachsenenjahre des Captain. Interessant ist, dass diese Figuren es offenbar sind, die für diejenigen Aspekte stehen, welche der Charakter Ahab nicht aufweist. Zum Beispiel steht seine Geliebte Anna für jene Wärme, die der Captain schon seit geraumer Zeit nicht mehr in sich trägt.
Mit Annas fünftem und letzten Kapitel beginnt zwar die poetische, aber leider auch schwache Endrunde. Bis zu ihr wartet der Film in jedem Kapitel mit wunderbaren Landschaftsbildern auf. Die pitoresken Drehorte hatte der Regisseur jeweils im Vorfeld selber besucht und davon Zeichnungen - ähnlich einem kleinen Storyboard - gemacht. Er kreierte mit seinem Auge für die Schönheit der Landschaft und dem gezielten Einsatz der Kamera Aufnahmen, die teilweise wie gemalt aussehen. Ramos' Liebe zum bild'schen Detail und die Akzentuierung des menschlichen Körpers, der Wälder, Felder und des Meeres kommen während des Films sehr schön und auf enorm angenehme Weise zum Ausdruck.
Auch die Verwendung verschiedenster musikalischer Stile - jedes Kapitel fügt etwas Neues hinzu - gefällt gut und verleiht dem Film, obwohl er im 19. Jahrhundert spielt, einen recht modernen Touch.
Einzig Denis Lavant, der im letzten Kapitel den erwachsenen Ahab spielt, überzeugte mich nicht. Zwar sieht er dem "echten" Ahab, wie man ihn aus Mobi Dick kennt, sehr ähnlich. Aber es fehlt ihm das letzte Bisschen Glaubhaftigkeit. Er wirkt nicht so, als habe er mit dem weissen Wal gekämpft. Wohl sieht man die Narben und seine verbitterte Visage, doch das zentrale "Etwas" fehlt. Und offen bleibt die Frage, wie aus einem so schnuckligen kleinen Jungen (Virgil Leclaire) ein etwas weniger ansehnlicher Herr werden konnte... Aber alles ist nicht negativ, denn der übrige Cast spielt auf höchstem Niveau. Die tollen Kostüme unterstreichen deren Leistungen zusätzlich.
Eine fazit'sche Mischrechnung muss her: Die ersten vier Kapiteln von Capitaine Achab verdienen als Paket fünf Sterne. Der letzte Abschnitt jedoch, mit mageren, stark gewichteten zwei Sternen für zu langweilige, einseitige Sequenzen, zu wenig Authentizität und - ach ja - zu abstruse Spezialeffekte, verpasst dem Streifen einen Platz unter den "ferner liefen", mit 3.5 Sternen bewerteten, Festivalfilmen. Schade, irgendwie.
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3.7 Sterne (2 Bewertungen) | 0 Kommentare



