Californication (2007)

Californication (2007)

Oder: Let's write about sex, baby

Californication

"Bist du kitzlig?"

Hank Moody (David Duchovny) hat's nicht leicht: Er hat zwar ein erfolgreiches Buch geschrieben, das soeben verfilmt wurde, aber dies hat ihn nur noch mehr aus der Bahn geworfen. In der noblen Gegend von Santa Monica und Venice führt er ein drogenreiches und sexuell sehr offenherziges Leben, tritt immer wieder in die verschiedensten Fettnäpfchen und hat zu all dem Übel auch noch eine Schreibblockade. Neuestes Beispiel für sein Chaotenleben ist die junge Mia (Madeline Zima), die ihm während eines Schäferstündchens ein blaues Auge verpasst.

Californication

Kunst am Objekt

Nur seine Ex-Partnerin Karen (Natascha McElhone) und die gemeinsame Teenie-Tochter Becca (Madeleine Martin) holen Hank nach seinen Eskapaden wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. In all dem Glitzer und Glamour von Los Angeles sind die beiden Frauen die einzigen Menschen, für die Hank an seinem abgewrackten Ego arbeiten will. Es wird auch langsam Zeit, denn Karen will ihren neuen Freund Bill (Damian Young) heiraten. Dieser stellt sich zudem als Herausgeber des Magazins heraus, für das Hank zukünftig schreiben soll. Und zu Hanks Entsetzen ist Bill auch noch Mias Vater...


DVD-Rating

Der US-Sender Showtime hat seine Affinität zu speziellen TV-Shows bereits wenige Jahre nach der Jahrtausendwende mit The L Word, Weeds oder Dead Like Me bewiesen. Nebst dem preisgekrönten Serienkiller-Epos Dexter steht seit 2007 mit Californication ein erneuter Anwärter für massenweise Awards auf der Bühne - von denen die Serie im 2008 unter anderem zwei Golden Globes für die beste Komödie und den besten Hauptdarsteller in einer Komödie erhalten hat. Diesen Herbst steht bereits die dritte Staffel an, die für (noch) mehr Sex, Drugs and Rock'n'Roll sorgen soll.

Produzent und Drehbuchautor Tom Kapinos hatte nach Dawson's Creek genug von Teenie-Problemen und schrieb 2006 den Pilot mit einem seltsamen, kantigen Hauptcharakter. Dieser hatte seine Pubertät längst hinter sich gelassen, raste trotzdem von einem Schlamassel zum anderen. Er schimpfte sich Schriftsteller, selbsternanntes One-Hit-Wonder und verbrachte die Nächte von Los Angeles lieber damit, seine Libido spielen zu lassen anstatt in die Tasten zu hauen. Selbst der Titel des Pilots klang seltsam: Californication. Ein Wortspiel aus California und Fornication (Unzucht). Leider Gottes hatte das berühmteste Album der Red Hot Chili Peppers den selben Namen, und Frontmann Anthony Kiedis war nach dem Erfolg der Serie überhaupt nicht glücklich, dass er den Namen Californication nicht rechtlich als Marke hatte schützen lassen.

Californication ist alles, was Männer zum Lachen bringt. Die Serie ist nicht unbedingt ein Pendant zu Sex And The City, aber sie richtet sich stark an ein männliches Publikum. Hanks Frauenverzehr, seine frivole Attitüde und das ganze Drumherum wirken so überspitzt und ins Lächerliche gezogen, dass man(n) den Typen einfach sympathisch finden muss. Genau so oberflächlich, wie das Business in Hollywood beschrieben wird, startet die Serie in die erste Staffel: Haufenweise nackte Brüste, Sexszenen, vulgäres Geschwafel, Scotch um Scotch liegen an der Tagesordnung. Wurden bei Desperate Housewives Teri Hatchers Nippel von ABC digital retuschiert, ziehen die Frauen hier freiwillig ihre Shirts aus. Der krasse Gegensatz sind die family values - die Basis von Hanks Leben. Sofort wird klar, dass dieser Überdruss an Sex und Drogen eben nur einen Schein darstellt. Hank leidet unter der Trennung von seiner Partnerin, und auch wenn seine Beziehung zur gemeinsamen Tochter Becca offen und keinesfalls Besorgnis erregend ist, vermutet man hier zurecht das "wirkliche" Problem in Hanks Leben. Eigentlich klingt alles sehr klischeehaft, doch genau diese Befürchtung macht den Genuss der Serie umso stärker. Unerwartete Spielereien treffen immer wieder ein, und das Klischee an sich wird gekonnt mit Lebenswahrheiten ummantelt.

David Duchovny, das Gesicht von The X-Files, spielt die Rolle des abgedroschenen Schriftstellers göttlich. Er soll laut eigenen Aussagen ebenfalls an Sexsucht gelitten haben. Perfekt, denn unter diesen Umständen weiss er genau, wie Hank sich fühlen muss. Californication wurde demnach ganz klar auf Hank zugeschnitten. Er führt den Zuschauer und lässt ihn lachen oder über Lebenswahrheiten nachdenken. Eine bezaubernde Natascha McElhone unterstützt Hank, streitet sich mit ihm und kann in den innigsten Momenten ihre Gefühle doch nicht ganz verstecken. Madeline Zima (wer erinnert sich an die Kleine aus The Nanny?) spielt die Verführerin, Madeleine Martin die gekonnt zickige und rebellische Teenagerin. Als Hanks Manager glänzt Glatzkopf Evan Handler (Lost), ein Mann, der Hank während der Schreibblockade wieder auf den "richtigen" Weg führen will.

Fazit: Man könnte hier jetzt unzählige Anekdoten aus Californication aufzählen, um zu betonen, wie sehenswert die kleine aber feine Dramedy tatsächlich ist. Der Cast, die Story, der Soundtrack, der Humor, die Wahrheiten, die perfekt geschriebenen Scripts... Es ist Grund genug, den rational denkenden Verstand einfach mal auszuschalten und sich die erste Folge der Serie anzusehen. Das dramaturgische und produktionstechnische hohe Niveau wird dafür sorgen, dass es nicht bei der ersten Folge bleibt. Es lohnt sich, Californication in der Originalfassung anzusehen, denn einige Worte und Ausdrücke wurden bei der deutschen Synchronisation doch arg auseinander genommen.


OutNow.CH:

Bewertung: 6.06

 

23.09.2009 / woc

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