The Brave One (2007)

Die Fremde in dir

The Brave One (2007) Die Fremde in dir

Oder: Die Macht der Knarre

The Brave One

One Ring to rule them all

Erica Bain (Jodie Foster) moderiert eine Show am Radio und ist darum am Puls der Stadt New York. Mit Mikro bewaffnet fängt sie Geräusche ein, entdeckt immer neue Ecken, trifft interessante Menschen und teilt ihre Gefühle und Gedanken via Äther ihren Hörern mit. Privat ist sie total glücklich mit ihrem Freund David (Naveen Andrews), mit dem sie verlobt ist und eine kleine Wohnung bewohnt.

Eines Abends, die beiden sind mit ihrem Hund im Central Park unterwegs, wird Ericas heile Welt erschüttert. In einem kleinen Tunnel werden sie von ein paar Schlägern aufgemischt, die ihre Tat per Kamera filmen. Erica und David werden grauenvoll verprügelt und während Erica später, nach drei Wochen, im Spital wieder zu sich kommt, erliegt David seinen Verletzungen und stirbt.

The Brave One

Lueged ned ume, de Fuchs gaht ume

Ericas Welt bekommt Risse. Sie traut sich kaum mehr aus dem Appartment raus, geschweige denn in die dunklen Ecken der Stadt. Es muss etwas her, das ihr Beruhigung und Sicherheit gibt. Aber so eine Pistole kriegt man nur mit Lizenz und nach 30-tägiger Wartefrist. Oder man hat, wie Erica, "Glück" und kann sich ein Schiesseisen auf der Strasse erwerben.

Da ist sie nun. Die Radiomoderatorin, die nun eine Pistole mit sich trägt und diese auch brauchen muss. Denn als ein Laden überfallen wird, in dem Erica sich gerade was kaufen will, zückt sie die Waffe und erschiesst den Täter. Aber warum zittern ihre Hände danach nicht? Warum hat sie niemand gestoppt? Was ist das für ein Gefühl der Macht und Befriedigung? Erica beginnt sich zu ändern.

The Brave One

Wie komm ich da bloss wieder raus?

Gleichzeitig ist Cop Mercer (Terrence Howard) in eine Untersuchung verwickelt, die ihm persönlich ans Herz geht. Da kommen ihm diese Vorfälle von scheinbarer Selbstjustiz (ja, es sind inzwischen drei Aktionen passiert) gerade richtig. Ausserdem lernt er eine nette Radiomoderatorin kennen, die ihn interviewen will und zu der sich eine ungewöhnliche Freundschaft anbahnt. Aber irgendetwas stimmt nicht mit dieser Frau. Sie taucht an Tatorten auf, an denen sie nichts zu suchen hat und benimmt sich auch sonst komisch. Hat das nur damit zu tun, dass sie ihren Freund verloren hat? Oder steckt mehr hinter dieser Erica?


Kinofilm-Rating

Filme, in denen Selbstjustiz ein Thema ist, gibt es einige. Vielfach nehmen "normale" Menschen das Gesetz in die eigenen Hände und haben das Gefühl, sie würden der Gerchtigkeit dienen, indem sie (überwiegend nachts) auf der Strasse für Ruhe und Ordnung sorgen. Von Death Wish über Walking Tall bis hin zu Comicverfilmungen (The Punisher) werden diese privaten Racheengel porträtiert. Nun kommt Jodie Foster (Flightplan, Inside Man) ebenfalls mit so einem Film in unsere Kinos.

Und The Brave One unterscheidet sich in vielen Dingen von der Filmmasse zu diesem Thema. Denn die Figuren sind aus dem Leben gegriffen, es wird nicht primär auf Action gesetzt und die Hauptfigur hat unsere Sympathie, auch wenn sie die Pistole zieht und scheinbar harmlose Jugendliche in der U-Bahn über den Haufen knallt. Mit der Miteinbeziehung des Cops kommt dann zusätzlich Spannung auf, die gegen Ende in einem überraschenden Twist ihren Höhepunkt erreicht.

Jodie Foster ist eine der ganz Grossen des Films. Sie mag nicht jedes Jahr im Kino präsent sein, hat aber noch ganz selten einen Flop abgeliefert. Ihre Rollen sind stets interessant, "as real as it gets", verständlich und vor allem sehr überzeugend gespielt. Dazu gehört seit nun also auch diejenige der Radiomoderatorin Erica, die sich eine Knarre beschafft (die einzige, ein bisschen gar einfache, Szene) und mit Kapuze und Wut im Bauch auf den Strassen aufräumt. Toll gespielt, mit sexy Szenen und sehr glaubhaft dargestellt.

Die Nebenrollen werden auf die Schultern von zwei Männern verteilt, von denen Naveen Andrews (Lost, Planet Terror) nur am Anfang ein paar Auftritte hat und dann nur noch per Erwähnung Beachtung findet. Terrence Howard (Oscar-Nomination für seine Rolle in Hustle and Flow) steigert sich von anfänglichen, mühsamen Auftreten zu einem ebenbürtigen Partner von Jodie Foster und überzeugt in seiner Rolle.

Wer einen Action-Thriller erwartet, dürfte von The Brave One ernüchtert werden. Der Fokus liegt nicht auf den Schiessereien oder irgendwelchen Verfolgungen und Explosionen, sondern auf dem Charakter der Frau, die ungeahnte Macht erhält und diese, zu ihrem eigenen Entsetzen, gar nicht mal so schlecht findet. Daraus ergibt sich ein Drama, das gegen Ende an Spannung zunimmt und den Zuschauer mit erstauntem Gesichtsausdruck im Kinosaal zurück lässt. Dazu ist The Brave One hervorragend gespielt, wird durch passende Musik optimal unterlegt und zeigt auf, was in einem Menschen passieren kann, der keinen Ausweg aus seiner Misere finden kann und sich somit nach Alternativen umschaut.

Fazit: The Brave One - empfehlenswert für alle diejenigen, die eintauchen wollen in die Psyche eines Menschen und sich gleichzeitig die Frage stellen, ob man selber wohl genau so handeln würde, wie es Radiomoderatorin Erica im Film tut. Was ist richtig? Was falsch? Gibt es überhaupt einen Unterschied?

4.6 Sterne
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28.09.2007 / muri