The Bourne Ultimatum (2007)

Das Bourne Ultimatum

The Bourne Ultimatum (2007) Das Bourne Ultimatum

The Bourne Ultimatum

Nachdem John Powell im Jahr 2006 mit Scores zu Ice Age 2, United 93, X-Men 3 und - das i-Tüpfchen - Happy Feet eine sehr beeindruckende Leistung hingelegt hat, eröffnet er seinen Beitrag zum Filmmusikjahr 2007 mit der Musik zum dritten Teil der Bourne-Agentenstory, The Bourne Ultimatum. Weiter soll er dieses Jahr voraussichtlich noch mit Filmmusiken zu Stop Loss und P.S., I Love You aufwarten.

Nun aber zu seiner neuesten Veröffentlichung: Wie der Film, so wurde auch der Score für das dritte Bourne-Abenteuer noch Action-geladener als seine beiden Vorgänger. Dies kommt der Musik aber nicht zugute. Auf den ersten Eindruck gestaltet sich das Album von Decca sehr erfreulich. Mit zehn Stücken beladen, wartet es mit gut 50 Minuten Score und mit verhältnismässig langen Tracks auf und verspricht eine geballte Ladung Power. Nach einem ersten Hördurchgang wird jedoch relativ schnell klar, dass das hier Gebotene wenig Neues mit sich bringt.

Ich halte gleich zu Beginn fest, dass die Musik zu The Bourne Ultimatum keinesfalls misslungen ist (und gegenüber der Musik zu The Bourne Identity sogar kontinuierlicher in der musikalischen Entwicklung verfährt), aber eben nicht über den zweiten Teil, The Bourne Supremacy, hinaus reicht. Zwar ist er mit ausgeklügelterer Action als beim Score zum zweiten Teil versehen, er macht aber weniger gelungen Gebrauch vom thematischen Material. Zudem ist das Streichermotiv, das in den Stücken "Faces without Names" und "Jason is Reborn" vorgetragen wird, zu hoch angespielt. Irgendwie passt es nicht in die übrige Musik der Bourne-Franchise.

Das Album eröffnet mit dem Stück "Six Weeks later". Melancholische, mysteriöse Streicher bauen auf und plötzlich bricht das ganze Orchester mit voller Wucht herein und stimmt ein Thema aus den Vorgänger-Scores an, das es mit viel Tempo vorantreibt. Entgegen dem Eröffnungstitel "Goa" aus The Bourne Supremacy ist dies ein zwar ebenfalls kraftvoller Auftakt, aber weniger eigenständig und neu. Zudem bricht dieser Einschub ebenso abrupt ab, wie er angestimmt wurde. Es folgt synthetisch basierter Suspens-Score, welchem wenig zu entnehmen ist. Das Stück "Tangiers" ist wohl das Highlight des Scores. Mit gut sieben Minuten ist es eine ununterbrochene Achterbahnfahrt: harte Action vermischt mit indischer Perkussion und Instrumentalisierung. Der fernöstliche Einfluss wirkt dabei nicht störend, sondern passt sehr gut zur entsprechenden Szene. Ein tolles Stück!

In "Thinking of Marie" erhalten wir eine Reprise des melancholischen Themas, welches in "Funeral Pyre" und "New Memories" in The Bourne Supremacy schon sehr schön und verletzlich präsentiert wurde. Auch hier ist es eine willkommene ruhige Passage nach dem aufkratzenden "Tangiers" und lässt einem den schmerzlichen Verlust Bournes nicht vergessen.

Mit "Assets und Targets" steht uns ein weiterer langer Action-Track bevor, welcher der Handlung und der Musik nach der Verschnaufpause wieder Feuer macht. Mit einem harten Schlag als Auftakt beginnen die Powell-typischen Streicher nervöse Figuren zu bilden. Das Bourne-Thema wird immer wieder angedeutet, doch bricht es in seiner Entwicklung immer wieder in pochenden Underscore ein. So verläuft es weiter, bis sich gegen Ende dissonante Streicher einschalten, die Unbehagen herauf beschwören. So wie das zehn Minuten lange Stück "Waterloo" kränkelt auch "Assets und Targets" an zuviel Underscore. Hier dürfte die Aufmerksamkeit des Hörers wohl eindeutig abschweifen. Vor dem "Waterloo" wird in "Faces without Names" das bereits erwähnte Streichermotiv präsentiert. Dieses ist sehr dunkel und auch effektiv, doch schmerzt einem die Höhe der Streicher manchmal fast ein wenig. Man wird mit dem Thema einfach nicht recht vertraut. Auch stellt sich, verglichen mit den anderen Themen, nicht wirklich ein Ohrwurmeffekt ein. Schade!

"Waterloo" eröffnet mit bekanntem Synth-Programming aus The Bourne Supremacy. In Anbetracht der üppigen Laufzeit dieses Stückes hätte man sich diese Passage ruhig schenken können. Interessanter wird es erst wieder ab der 5:33-Marke. Der zweite Teil des Tracks wird von erbarmungsloser Action dominiert. Mit "Coming Home" haben wir erneut ein ruhigeres Stück mit dem neuen Streicherthema (ab 2. Minute). Zusammen mit "Jason is Reborn" bildet es das Pendant zu "Faces without Names". Diese beiden Stücke steuern musikalisch nicht mehr viel Neues bei. Sie dürften aber als Ruheinsel in der tosenden Action dienen. "Man vs. Man" lässt nochmals die Action sprechen und wartet mit kräftigen Statements des Bourne-Themas auf. Das letzte Drittel des Stücks verfällt erneut der Suspens-Musik.

Der vielversprechende Titel "Jason is Reborn" hält nicht, was man sich nach der intensiven Reise mit Bourne über drei Filme hinweg gewünscht hätte. Natürlich wäre eine Jubelhymne wohl auch unpassend gewesen, doch verharrt die Musik einmal mehr in den ruhigeren und bedrückenderen Registern, als richtig auszubrechen. Hier hätte ich mir ein schönes, treibendes und kraftvolles Statement des Bourne-Themas gewünscht (à la "Bim Bam Smash" und "To the Roof" aus The Bourne Supremacy). Es bleibt aus und es folgt eine weitere Version des Moby-Hits "Extreme Ways", wie dies schon im Vorgänger-Score der Fall war. Dieser hört sich auch jetzt wieder schön an und wird mehr und mehr zu einem Bourne-Trademark, doch kann man nicht gerade von Originalität sprechen.

Fazit: John Powells Score zu The Bourne Ultimatum wurde gross angepriesen. Nachdem seine musikalische Kreation von The Bourne Identity zu The Bourne Supremacy enorm stärker wurde in der Präsentation (und auch unterhaltsamer), erhofften sich viele eine weitere Steigerung. Diese blieb aus, was in eine gewisse Enttäuschung zur Folge hat. So ist das vorliegende Album keines Falls schlecht und die Action ist geballt, doch hätte man sich einfach noch etwas mehr gewünscht (zum Beispiel ein neues, eigenständigeres Thema). Trotz vielen staken Momenten bleibt so ein schaler Nachgeschmack haften.

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13.08.2007 / bab

Sountrack-Infos

Komponisten
John Powell

Release
Label: Decca Classics
Laufzeit: 54 Minuten
EAN: 0602517410381

Tracks

Six Weeks Ago

Tangiers

Thinking of Marie

Assets and Targets

Faces Without Names

Waterloo

Coming Home

Man versus Man

Jason is Reborn

10 

Extreme Ways (Bourne's Ultimatum) - written, recorded and performed by Mobi