Beowulf (2007)
Die Legende von Beowulf
Beowulf (2007) Die Legende von Beowulf
Mit Beowulf meldet sich Regisseur Robert Zemeckis mit seiner Digitalanimations-Technik zurück, die er 2004 in The Polar Express ausgeklügelt hatte und seither merklich weiter entwickelt hat. Die Legende von Beowulf ist geprägt von Triebhandlungen auf allen Ebenen, im Sexuellen wie im Zerstörerischen. Das Resultat ist ein tricktechnisch imposantes Werk randvoll mit Erotik und Action.
Wenn der Name Robert Zemeckis über die Leinwand flimmert, kann Alan Silvestri nicht allzu weit entfernt sein. Auch für Beowulf schwingt Silvestri wieder seinen Taktstock und führt ein grosses Orchester mit Chor in eine einmal mehr epische musikalische Schlacht. Der Unterhaltungswert ist unbestritten, doch stumpft Silvestris musikalische Klinge zunehmend etwas ab.
Alan Silvestri scheint mit wenigen Ausnahmen im Monster-Legenden-Genre gefangen zu sein: Seine auffälligsten Werke in den letzen Jahren entstanden zu Mumien- und Grufti-Filmen. Mit The Mummy Returns lieferte er einen Powerhouse-Score ab, welcher mit mitreissenden Themen und anhaltender Energie überzeugen konnte. In Van Helsing fügte er den üblichen musikalischen Ingredienzien ein originelles und aggressives Gitarrenspiel zu. Gegenüber The Mummy Returns krankte die orchestrale Tour-de-Force von Van Helsing allerdings bereits an einer gewissen Zusammenhangslosigkeit. So wurden zum Beispiel Stücke aneinander gereiht, welche dramaturgisch nur schwer zu verknüpfen waren.
Auch Beowulf leidet meines Erachtens an einer Überdosis Actiongetöse und verliert dabei den musikalischen Faden immer wieder. Man wünschte sich einen dramaturgisch nachvollziehbareren Aufbau, wie dies bei Soundtrack-Alben von James Horner, Howard Shore und John Williams der Fall ist. Der Beowulf-Score enthält viele Actioneindrücke mit durchaus überzeugenden und mitreissenden Momenten, doch vermisst man dazwischen "Bindeglieder".
Das Album eröffnet mit dem "Beowulf Main Title" und verschiesst damit den ersten Ball. Das Main Title kommt ohne Kontext daher und wird dem Hörer einfach "vor den Latz" geknallt. Das Resultat ist ein sehr synthesize-lastiger 50-sekündiger Eröffnungstrack. Dieser ist weder repräsentativ für das folgende Musikmaterial noch nachvollziehbar.
Das zweite Stück "First Grendel Attack" setzt dann den Actionton und fesselt viel mehr. Kaum ist der Hörer allerdings in Beowulfs Welt eingetaucht, folgt mit "Gently as She Goes" ein gesungenes Lied mit Volklorecharakter - im Film notwendig, auf dem Album eher für Komplettisten. Das sechste Stück enthält ein erstes sehr kraftvolles Statement des Beowulf-Kampfthemas (ab 1:14), doch leider bricht es viel zu schnell wider ab. Mehr Kontinuum entwickelt das Album nach dem Stück "A Hero Comes Home", interpretiert von Robin Wright-Penn. Der Score wirkt ab Stück acht ausgerichteter und gezielter.
Nach dem eher durchzogenen Eindruck der ersten zwei Drittel des Albums folgt ein überzeugender und packender Abschluss mit "Full of Fine Promises", "Beowulf Slays the Beast" (hier prescht das Kampfthema aus Stück sechs "I Did not Win the Race" in voller Pracht hervor), "He Was the Best of Us" (das Pendant zu "Reunited" aus Van Helsing) und "The Final Seduction". Hier hätte das Album enden können, doch der Hörer erhält noch eine Pop/Rock-Version des Songs "A Hero Comes Home" präsentiert, gesungen von Idina Menzel. Dies ist zwar kein Missgriff, der Song verleiht dem Album aber auch keine neuen Facetten.
Fazit: Alan Silvestris bombastische Musik zu Beowulf weisst einmal mehr einen durchaus hohen Unterhaltungswert auf. Es schwingen aber einfach zu viele Ideen und Ähnlichkeiten aus Silvestris vorgängigen Werken mit, als dass man die Musik als originell bezeichnen könnte. Ich wünsche mir, dass Silvestri wieder einmal ein Drama vom Format Forrest Gump vertonen darf. Da käme wieder frischer Wind rein!
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