Beowulf (2007)

Die Legende von Beowulf

Beowulf (2007) Die Legende von Beowulf

Oder: animierte Sixpacks vs. schleimige Mutter(monster)söhnchen

Beowulf

"Hui, das ist aber scharf!"

Es ist was faul im Staate Dänemark. König Hrothgar (Anthony Hopkins) ist nach zahlreichen Heldentaten träge geworden und sehnt sich mehr nach frischen Met (Honigwein; in nordischen Sagen das Getränk der Götter), als sich um seine vergangenen Handlungen zu kümmern. So kommt es, dass bei der Einweihung der neuen Trinkhalle das Menschen verschlingende Monster Grendel (Crispin Glover) durch den Jubel und Gesang aufgescheucht wird und die Bevölkerung massakriert. Um die Kreatur für immer loszuwerden, verspricht der König dem Mann, der Grendel erschlägt, einen grossen Teil seines Schatzes.

Beowulf (Ray Winstone) und vierzehn seiner Lehensmänner kommen über das Meer zur Hilfe geeilt. Der Krieger begeistert das Volk durch seine Heldengeschichten, in denen er unzählige Kämpfe mit Ungeheuern ausgefochten hat.

Beowulf

"Wie findest du meine neuen Kontaktlinsen?"

Deshalb wird nach langer Zeit die Trinkhalle wieder geöffnet und auf das baldige Ende von Grendel angestossen. Das Monster wird durch den Lärm erneut angelockt, worauf Beowulf mit wortwörtlich nackten Händen den Kampf aufnimmt und dem missgebildeten Riesen den Arm abreisst. Grendel flieht in eine Höhle ins Moor zu seiner Mutter (Angelina Jolie) und stirbt an der Verletzung. Währenddessen wird Beowulf als Retter gefeiert, und ihm wird das goldene Trinkhorn des Königs als Dank überreicht.

Beowulf

Die drei ???

Bevor es zurück in die Heimat geht, soll nochmals der Met fliessen. Nach dem Fest wird Beowulf in der Nacht von Träumen verfolgt, in denen Wealthow (Robin Wright Penn), die junge Königin, ihre Liebe zu Beowulf gesteht, bevor sie sich in einen Dämon verwandelt. Der Krieger wacht auf und findet seine Gefolgsleute aufgehängt vor. König Hrothgar vermutet hinter dieser feigen Tat Grendels Mutter. Beowulf wird erneut ausgeschickt, um dem Unheil ein für alle Mal ein Ende zu bereiten. Er kehrt mit dem Kopf von Grendel zurück und berichtet davon, wie er des Monsters Mutter erschlagen habe. Doch dem König kommen Zweifel...


Kinofilm-Rating

Robert Zemeckis Beowulf ist bereits die dritte Verfilmung dieses altenglischen Heldenepos in den letzten acht Jahren. 1999 spielte Highlander Christopher Lambert in einer apokalyptischen Version (!) den Helden, was beim Publikum nicht besonders ankam (man vergleiche das bedauerlich-tiefe Rating auf imdb). Auch die 2005er-Version Beowulf & Grendel mit 300-Kampfrecke Gerald Butler muss man nicht gesehen haben.

Doch woher dieser Boom? Beowulf erzählt die epische Geschichte von Gut und Böse, von der Beziehung von Held und Monster. Es ist ein Epos, angereichert mit Fantasy-Elementen in einer uns fernen Welt. Perfekt also für das vorweihnachtliche Kinoprogramm, speziell, wenn kein Potter oder Bond, keine Mittelerde und kein Narnia anstehen.

Was diese Version speziell und von Interesse macht, ist das Performance Capture Verfahren, welches erstmals bei The Polar Express verwendet wurde. Dabei werden unzählige digitale Sensoren auf dem Körper, aber vor allem auf dem Gesicht der Schauspieler befestigt, was deren Mimik in den Computer transferiert und ein digitaler Klon ermöglicht. Was bei Polar Express im Ansatz schon toll ausgesehen hat, wurde hier zur Perfektion weiterentwickelt. Selten wirkten Animationen von Menschen derart real. Jedes Barthaar, jede Pore in Beowulfs Gesicht scheint greifbar. Dies erlaubt es dem Zuschauer in bisher nicht vorhandener Weise die Gesten der animierten Akteure wahrzunehmen. Schauspielerisch stechen dabei besonders Ray Winstone und Anthony Hopkins heraus, während die Frauenriege etwas mehr Mühe hat. Besonders Angelina Jolie als Grendels Mutter kann in den wenigen Szenen ihr Spiel nicht entfalten. Ihre Figur wirkt aufgesetzt (nicht nur "dank" Absätzen an den Füssen...) und überzeichnet.

Ein Problem des mittelalterlichen Stoffes liegt in der scheinbaren Zusammenhangslosigkeit der zwei Teile des Epos. Die Drehbuchautoren überbrücken diese dramaturgische Brücke, indem sie den Fokus auf die psychologische Seite von Beowulf richten und ihn als stolzen, aber fehlerhaften Menschen darstellen - und nicht als Superhelden. So sind es vor allem sein Streben nach Macht und Ruhm, welchen ihn zu seinen Taten verleitet, ihn schliesslich aber auch zum gebrochenen Helden macht. Sowieso ist Beowulf für einen Animationsfilm sehr stark an den Auswirkungen des persönlichen Handelns und an den zwischenmenschlichen Beziehungen interessiert.

Dies kommt dem Film aber nur bedingt zu Gute. Die Geschichte kommt nur schleppend in Fahrt und stockt bei den Angriffen von Grendel gewaltig. Hier wäre weniger mehr gewesen. Erst im zweiten Teil gewinnt der Film an Tempo. Die psychologischen Hintergründe und Auswirkungen von Beowulfs Handeln werden ersichtlich, der Grundton wird pessimistischer und der Held ambivalenter. Die Action wird dabei nicht vernachlässigt und dem Zuschauer wird einen musikalisch schön unterlegter Showdown geboten. Der Schluss ist darum ganz gut gelungen und wirft einige interessante Fragen auf.

3.4 Sterne
3.4 Sterne (74 Bewertungen) | 31 Kommentare

4.0 Sterne4 von 0.0-6.0
12.11.2007 / hut