Atonement (2007)

Abbitte

Atonement (2007) Abbitte

Atonement

Regisseur Joe Wright und Komponist Dario Marianelli spannen nach Pride & Prejudice zum zweiten mal zusammen und liefern nicht nur eine der wohl gelungensten Literaturadaptionen und einen der besten Filme 2007 sondern auch noch gleich ein Filmmusik-Highlight ab.

Marianellis Komposition ist intelligent und berührend, und die Klavier-Soli von Jean-Yves Thibaudet sind passend und stimmungsvoll. Eine Filmmusik, die sich nicht nur wie ein Handschuh an den Film anpasst, sondern auch als reines Höralbum abseits der Bilder unterhält. Was will man mehr?

Das Album eröffnet in "Briony" mit dem Thema von Briony. Es ist ein dynamisches, mit leicht kühlem Unterton gespieltes Thema, dominiert von Klavier und dem Geräusch einer Tastaturmaschine. Diese soundtechnische Dreingabe empfand ich als originell und sie störte meinen Hörgenuss nicht im Geringsten.

Der Score kommt überwiegend in warmer Orchestrierung daher. Die Spannung und Dynamik, sowie die im ersten Teil der Komposition wiederspiegelte Intrige wird mit schnellen, sich wiederholenden Streicherfiguren und mit Klavier dargestellt. Dazu kommt immer wieder das (zum Teil nervöse) Geräusch der Schreibmaschine. Die Bewegungen in den Streichern und dem Klavier erinnern vom Einsatz her an Philip Glass' Arbeit für Notes on a Scandal sowie stellenweise auch an James Newton Howards Signs.

Im zweiten Stück wird ein Thema vorgestellt, welches als das Liebesthema zwischen Cee und Robby bezeichnet werden kann. Es wird besonders im zweiten Teil des Scores vermehrt und dramatischer Wiederholt (da sich die Liebesbeziehung zwischen den beiden auf ganz andere Ebenen begibt).

In "The Half Killed" hat es eine schöne, äusserst hoch gespielte Violine, die eine starke Verunsicherung reflektiert. Plötzlich kommt das Klavier zur Komposition dazu und wiederholt eine eingängige Figur mehrmals. Dabei werden stetig mehr Streicherschichten hinzuaddiert, was den dramatischen "Knoten" in diesem Stück effektvoll schnürt. Das Stück endet abrupt. "Elegy for Dunkirk" unterstreicht wohl eine der genialsten Kamerafahrten im Kinojahr 2007: eine nicht enden wollende Kamerafahrt über ein Kriegsfeld. Der Charakter von McAvoy läuft dabei immer wieder ins Bild und verschwindet wieder. Während den elegischen Streichern, die hier das Thema aus dem zweiten Stück wiederholen, mischt sich immer deutlicher werdender ein Soldatenchor in die Komposition. Im Film ist dies absolut verständlich, da sich die Kamera einem solchen Chor nähert. Ohne den Film mag dieser Einfall etwas verloren im Raum stehen, doch mischt sich der Chor sehr schön mit den Streichern. Beide Elemente halten strickt an ihrem Melodieverlauf fest, "beissen" sich aber trotzdem nicht.

Im Stück "Come Back" kommt eine weitere kompositorische Kuriosität hinzu. Das Stück wird plötzlich von Orgelmusik zerrissen. Auch hier bezieht sich dieses Statement wieder auf das Geschehen auf der Leinwand, ohne das der Orgeleinsatz wohl etwas kontextlos erscheinen wird. Mit "Atonement" erhält der Hörer dann eine gelungen abschliessende Suite, bevor das Album mit einer Version aus "Claire de Lune" endet. Dieser abschliessende Sourcetrack fügt sich stimmig in die ebenfalls überwiegend von Klavier dominierte Komposition ein und stört nicht.

Fazit: Dario Marianelli hat mit Atonement eine schöne und themenreiche Filmmusik komponiert, welche mit und ohne Film zu unterhalten weiss. Für mich ein klares Filmmusik-Highlight 2007. Wärmstens empfohlen!

5.0 Sterne5 von 0.0-6.0
09.12.2007 / bab

Sountrack-Infos

Komponisten
Dario Marianelli
(Composer) Jean-Yves Thibaudet

Release
Label: Decca Classics
Laufzeit: 50 Minuten
EAN: 0002894766195

Tracks

Briony

Robbie's Note

Two Figures by a Fountain

Cee, You and Tea

With My Own Eyes

Farewell

Love Letters

The Half Killed

Rescue Me

10 

Elegy for Dunkirk

11 

Come Back

12 

Denoument

13 

The Cottage on the Beach

14 

Atonement

15 

Debussy: Clair de Lune