The Aerial - La Antena (2007)
The Aerial - La Antena (2007)
Oder: Schwarz-weiss und ohne Stimme
In der Stadt von Mister TV (Rafael Ferro) ist es sehr still. Alle Bewohner haben ihre Stimme verloren - im übertragenen als auch im eigentlichen Sinne. Die Kontrolle über jegliche Geräusche, das Fernsehen und die Lebensmittel hat einzig der Alleinherrscher. Sporadisch lässt er die letzte übrig gebliebene Frauenstimme, la Voz, auftreten, um das Volk zu unterhalten und noch mehr Werbung für seine Guetsli zu machen.
Was Mister TV nicht weiss, ist dass der augenlose Sohn der Sängerin auch sprechen kann. Er könnte deshalb zur Gefahr werden für das nächste finstere Projekt vom Mister TV. Der Diktator und seine Schergen wollen den Leuten neben den Stimmen auch noch den Wortschatz klauen. Ein Erfinder (Alejandro Urdapilleta), der beim Fernsehen vor kurzem entlassen wurde, kreuzt aber ihre Pläne.
Kinofilm-Rating
La Antena des Argentiniers Esteban Sapir ist ein besonderes Bijoux von einem Film. Die märchenhafte Hommage an die Stummfilme von Fritz Lang und Georges Méliès wiederspiegelt das Medium Film in seiner ursprünglichsten Form: Das Bild (er)zählt mehr als jedes Wort. Sogar die Zwischentitel werden in diesem Film Teil des Bildes. Sie sind grösser, wenn jemand laut spricht, sie verlassen mit der sprechenden Person den Raum oder sie werden kurz versteckt, wenn geheimnisvoll geflüstert wird. Sapir arbeitete nach den Dreharbeiten noch ein weiteres Jahr, um solche Details perfekt hinzukriegen. Die allesamt unbekannten Schauspieler sind bei der detailverliebten Dekorschau Nebensache und verstecken sich hinter grotesken Hornbrillen, blütenweissen Krankenschwesternschürzen oder grossen Schneidezähnen und einem Kartoffelsack.
Neben seiner formalen Besonderheit, beinhaltet der Film auch eine politische Botschaft. Zugegebenermassen ist der Orwell'scher Albtraum nicht gerade das neueste im Angebot. Trotzdem ist der antifaschistische Appell gegen Medienkonzentration und einfältige Konsumgier zu begrüssen. Da wird der irreale Touch des Films zum nebensächlichen Stilelement und der Film ist trotz Retro-Look auch sehr "futuro", wenn nicht brennend aktuell.
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4.5 Sterne (3 Bewertungen) | 0 Kommentare


