42plus (2007)

42plus (2007)

Oder: Probleme mit dem Ablaufdatum

42plus

Ein Seitensprung zum Mitnehmen bitte.

Die Ehe der ehrgeizigen Karrierefrau Christine (Claudia Michelsen) ist schon lange symbolisch geworden, wie der Ring, den sie am Finger trägt. Christine hält diese nur noch aufrecht, um ihrer Tochter Sonja (Vanessa Krueger) ein solides Heim zu bieten und weil sie sich schon lange mit einem Liebhaber arrangiert hat. Jetzt ist Christine mit ihrer Familie auf dem Weg in die Ferien, um nach langer Zeit harter Arbeit endlich mal wieder auszuspannen. Während die Tochter beschliesst, nicht nur mit den neuen Stöckelschuhen gehen zu lernen, sondern auch endlich das umzusetzen, was sie im beim Dr. Sommer Team gelesen hat, herrscht zwischen ihren Eltern Eiszeit.

Diese Eiszeit wird selbst mit einer Geburtstagsüberraschung und dem Eintreffen eines befreundeten Paares nicht gebrochen und die Tochter bemerkt immer mehr, dass etwas nicht ganz stimmt. Das eher lustlose Dasein endet für Christine abrupt, als sie den mysteriösen Tamaz (Jacob Matschenz) kennen lernt, der sie sofort fasziniert. Während Tochter Sonja ihre erste Liebe geniesst, bemerkt Christine, dass sie auch mit 42 Jahren noch lange nicht abgeschrieben ist. Sie gibt sich ungehemmter Lust hin und setzt dabei alles aufs Spiel.


Kinofilm-Rating

Filme wie 42plus, die sich um Midlifecrisis und Seitensprünge drehen, folgen meistens einem gewissen Muster, aus dem auch 42plus nicht ausbricht. Das Älter werden, die vertrocknete Ehe und ein Zweierbett, in dem soviel läuft, wie bei einem geschlossenen Kiosk kommen hier auch zum Zug. Dennoch geht 42plus doch unverbraucht an die Sache heran, kombiniert das Aufblühen der Frau mit der pubertären Phase ihrer Tochter und kommentiert dies mit viel Ironie.

Der Anfang von 42plus fällt sehr erfrischend und zynisch aus. Frisch von der Leber weg wird aus dem Leben der Familie zitiert. Während sich die Tochter vornimmt, in diesen Ferien das erste Mal mit einem Jungen zu schlafen, werden zwischen den Eltern primär zynische Kommentare ausgetauscht. Dies führt dann auch zu Dialogen, die einfach köstlich sind. Vor allem, weil der Zuschauer einiges mehr über die "Nebenaktivitäten" der Beteiligten weiss, ist es einfach amüsant zuzusehen, wie sie über Seitensprünge und Ähnliches diskutieren. Wenn dann noch der junge Verführer Tamaz ins Spiel kommt und das ganze aufmischt, sind einige Grinser garantiert.

Dies klingt jetzt enorm positiv. Ja, es ist auch eine recht gelungene Komödie, doch kann dies nicht während des ganzen Films aufrechterhalten werden. Je länger die lineare und meistens sehr voraussehbare Handlung voranschreitet, desto mehr leiert sich das "Judihui kreuz und quer ist doch cool" aus, und während die ersten Begegnungen mit dem jungen Verführer noch amüsant waren, langweilt es mit der Zeit mehr und mehr. Viel Neues wird nicht mehr gesagt. Da kann auch das importierte Kollegenpaar nicht mehr helfen, da dort genau die gleiche Situation herrscht, wie bei den Hauptdarstellern. Letztendlich driften die verschiedenen Handlungsstränge immer mehr auseinander, und während die Tochter noch frischen Wind in die Sache bringt, drehen sich die anderen im Kreis.

Ein grosses Finale bleibt aus, nach einem grossen Streit werden die Handlungsbögen abgeschlossen und es kommt noch zu einem, meiner Meinung nach, viel zu positiven Schluss. Dennoch wird man sich nach diesem Film nicht gleich scheiden lassen, wie Hauptdarstellerin Claudia Michelsen im Spass während dem Interview empfohlen hat, sondern sicher mit einem positiven Gefühl aus dem Kino laufen. Und damit hat Regisseurin Sabine Derflinger ihr Ziel erreicht.

Fazit: 42plus gehört zu den Filmen, welche die Midlifecrisis aufarbeiten und dabei geschickt einige erfrischend amüsante Szenen mit diversen Seitensprüngen und köstlich zynischen und ironischen Dialogen kombiniert. Leider kann 42plus dies nicht während der ganzen Spielzeit aufrecht erhalten und dreht sich mehr und mehr im Kreis. Dennoch bleibt ein positiver Eindruck zurück, und man schaut den sehr gut ausgewählten Schauspielern auch gerne zu. Aber letztendlich wird der Film wohl Zuschauer ab 42plus am ehesten ansprechen.

4.0 Sterne
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02.10.2007 / db