300 (2007)
300 (2007)
300 gab ja schon einiges zu Reden. Dass der Film visuell gesehen die schiere Wucht ist und dabei die Story, sollte man überhaupt von einer solchen sprechen können, komplett auf der Strecke bleibt, wurde ebenfalls schon etliche Male gesagt. Trotz diesen Kritiken hat sich der Film beim Publikum gut verkaufen lassen. Aber wie sieht es nun aus mit dem Soundtrack? So, wie 300 bei jeder zweiten Szene an seine Genrevorgänger erinnert, so ist auch die Musik zum Film mit Zitaten aus früheren Kompositionen zu Epen-Filmen zugepflastert. Auf dem CD-Cover wird Tyler Bates als Komponist "gefeiert", aber wo bleiben Namen wie Hans Zimmer, Gabriel Yared, James Horner und vor allem Elliot Goldenthal?
Der Soundtrack zu 300 wird wohl am ehesten Schule machen können als perfektes Beispiel dafür, wie sehr ein Temp-Track in eine Komposition einfliessen kann. Das Album zu 300 ist eigentlich nichts anderes als ein Zusammenschnitt der Filmmusiken von Troy, Black Hawk Down, Gladiator und insbesondere Titus. Ein Plagiat in dieser Intensität ist eine Frechheit, nicht nur gegenüber den oben erwähnten eigentlichen Komponisten der hier zitierten Filmmusiken, sondern auch gegenüber dem Käufer!
Das Album eröffnet mit einem aggressiven Stück, das den Grundton der folgenden knapp sechzig Minuten Schlachtensound gleich festlegt. Schon hier sind Parallelen zu Black Hawk Down (bezüglich dem Einsatz der Elektronik) und zu Troy (bezüglich dem fernöstlichen Gesang, welcher im zweiten Stück "The Agoge" noch viel klarer zitiert wird) hörbar. Der Grundton der Komposition ist durch und durch dunkel ausgefallen, was sich aufgrund der Thematik und des Visuellen des Filmes ja auch klar ergibt. Den ersten äusserst peinlichen und ärgerlichen Fehltritt begeht Bates mit "Returns A King". Dieses Stück wiederspiegelt die Komposition "Victoris Titus" von Elliot Goldenthal (aus dem Soundtrack zu Titus) eins zu eins und auch mit dem Stück "Remember Us" merkt man den Temp-Track-Einfluss von Titus' "Final" sehr deutlich.
Diese Tatsache macht die Stücke auf dem 300-Soundtrack nicht minder eindrücklich. Die Kompositionen sind mit kräftigem Chor und aggressivem Schlagwerk sehr stimmig für den Film, aber die Tatsache, dass hier so offensichtlich und schamlos Plagiatur betrieben wurde, bleibt sehr ärgerlich. So zieht sich der musikalische Kraftakt während den ganzen geschlagenen sechzig Minuten her und lässt dabei kein passendes Zitat aus. Etwas ruhigere Passagen sind rar und erinnern im Fall von "Cursed by Beauty" entfernt an Kompositionen aus Alexander von Vangelis. Mit dem Stück "Godbye my Love" kommen bezüglich der Akkordprogression schliesslich auch noch Erinnerungen an Gladiator hoch.
Fazit: Der Score von Tyler Bates passt perfekt zur Schlachtplatte, welche 300 ist, und wird wohl nach dem Kinoerlebnis den Weg in die eine oder andere heimische Stube finden. Für die weniger Filmmusikinteressierten werden die oben erwähnten Zitate wahrscheinlich kein schwerwiegendes Problem darstellen. All diejenigen jedoch, denen das bei Weitem bessere musikalische Schaffen der oben genannten Komponisten geläufig ist und welche insbesondere Elliot Goldenthals beeindruckende Komposition zu Titus kennen, werden über diesen Soundtrack hauptsächlich verärgert sein.
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