Wo ist Fred? (2006)

Wo ist Fred? (2006)

Oder: Auf der Behindertentribüne, dänk!

Wo ist Fred?

Du kleiner Hosenscheisser!

Bauarbeiter Fred (Til Schweiger) ist ziemlich scharf auf Mara (Anja Kling) und möchte sich mit der eleganten Alleinerziehenden auch verloben. Wenn da nicht ihr Dauerquängler von Sohnemann Linus wäre. Der dicke Saugoof hat dank der bedingungslosen Liebe seiner Mamma bei ihrer Männerwahl ein Wörtchen mitzureden, und wird sein Placet erst geben, wenn im Fred einen signierten Basketball des Starspielers von Alba Berlin besorgt hat. Und zwar keinen aus dem Fanshop, sondern den echten Spielball, wie er jeweils nach den Partien in Richtung Behindertentribüne geworfen wird.

Wo ist Fred?

Das wird ein Hit bei YouTube!

Der einzige Weg, den Fred zu einem der Bälle führen könnte, ist folglich selber den Behinderten zu spielen. Auf diese beknackte Idee kommt sein Baustellenkumpan Axel (Jürgen Vogel), der auch gleich beherzt bei der Travestie mit anpackt und als Freds Pfleger fungiert. Die beiden ahnen jedoch nicht, dass der Marketingleiter des Basketballvereins (Pasquale Aleardi) gleichzeitig einen karitativen Industriefilm zu drehen gedenkt, bei dem die Stammgäste auf den Behindertenplätzen die Hauptrolle spielen sollen. Denise (Alexandra Maria Lara) und Vicky (Tanja Wenzel), die als sexy Kamerateam mit dem Imagefilm beauftragt wurden, wollen denn auch genau Fred ein bisschen länger begleiten, nachdem er sich den Ball tatsächlich geschnappt hat. Am Ball und einer grösseren Rolle im Film ist aber auch der der wirklich behinderte Ronnie (Christof Maria Herbst) interessiert, seines Zeichens der grösste Alba-Fan aller Zeiten.


Film-Rating

Der kreative Output der deutschen Produktionsfirma "Hofmann & Voges Entertainment" schwankt zwischen pubertären Blödeleien wie Erkan und Stefan und Fernsehpreiswürdigem wie der ARD-Serie Türkisch für Anfänger. Die Kinokomödie Wo ist Fred? liegt dabei irgendwo im Mittelfeld. Dank der Traumbesetzung (Til Schweiger für die Mädels und Alexandra Maria Lara für die Jungs) schafft es der neue Film von Anno Saul (Kebab Connection) sogar in die Kinos, obwohl er wohl im Fernsehen besser aufgehoben wäre. SevenPictures, der Filmarm des Senders ProSieben, hatte denn auch seine Hände im Spiel. Wie macht sich der Film nun aber ohne Werbeunterbrechungen?

Es entbehrt zwar nicht einer kleinen Ironie, dass Schweiger den geistig Behinderten spielt, mehr als das Mucki-Schnuckelchen ist von ihm aber hier nicht verlangt. Gleiches gilt für Lara, die auch lecker aussieht und statt Muckis ständig Geschenkschlaufen und ähnlich dünne Bänder als Halstücher zur Schau trägt, aber im Endeffekt an ihrer etwas gar dümmlichen Figur scheitert. Mit Ex-No-Angel Vanessa Petruo und Soap-Aktrice Tanja Wenzel stehen auch noch andere Schönheiten im Bild, aber die Show stehlen die Männer. Jürgen Vogel beweist wie auch schon in Ein Freund von mir, dass es für den gut meinenden Kumpeltyp in Deutschland keinen besseren gibt als ihn. Und Christoph Maria Herbst schnaubt mit fettigem Haar wie ein Walross, dass er den Stromberg vergessen macht. Leider ist Kurt Krömers Cameo in etwa ähnlich unspektakulär wie der von Pocher in Hui Buh - Das Schlossgespenst. Aus Schweizer Sicht erwähnenswert ist "Co-Pilot" Pasquale Aleardi, der den windigen Schleimbeutel mimen darf.

Ganz ohne Lacher komm geht die Chose sicher nicht über die Leinwand. Doch die screwballmässigen Verwechslungsgags zünden gegen Ende immer weniger. Wenn sich eine Figur im Schrank versteckt hält, fehlt das Timing gar komplett und die obligaten Verwechslungsszenen wirken, je länger sie andauern, nur noch absurd statt witzig. Nur die Behinderten kommen alle gut weg. Wie bei den Filmen der Farrelly-Brüder, die bei der Konzeption des Streifens unzweifelhaft Pate standen, lacht man nicht über sie, sondern mit ihnen über die anderen Deppen im Film.

Regisseur Anno Saul hat es auch wieder geschafft, wie in Kebab Connection klitzekleine Augenzwinkereien für Filmbuffs einzubauen. Zwischen all den Alba-Aufnähern auf Ronnies Jeansweste versteckt sich auch ein kleiner From Dusk Till Dawn-Button, und bei Fred zuhause hängt das Poster zu The Big Lebowski quasi als Hinweis, warum die Loser im Film alle bowlen. Dass man solche Kleinigkeiten aber schon beim ersten Mal Gucken entdeckt, zeigt aber auch wie lahm die eigentliche Story des Films ist. Wären Verbraucherinfos dazwischen geschalten gewesen, hätte man weitergezappt.


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03.11.2006 / rm

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