The Wicker Man (2006)
Wicker Man - Ritual des Bösen
The Wicker Man (2006) Wicker Man - Ritual des Bösen
Angelo Badalamentis Name erscheint eher selten in den Zeilen der Film-Credits von grossen Produktionen. Nachdem er mit Musik zu Filmen wie Cabine Fever eher enttäuschte, tauchte sein Name wieder etwas prominenter auf mit der Musik zum Horror/Triller Dark Water mit Jennifer Connelly. Das Remake war jedoch nicht sonderlich erfolgreich und so blieb auch Badalamentis Musik eher unbeachtet.
Auch mit seinem neuesten Projekt, The Wicker Man, suchte sich der Komponist einen Horrorfilm zur Vertonung aus, und auch dieser scheiterte kläglich an den Kinokassen. Schade, denn die Musik von Badalamenti vermag mit einigen Passagen durchaus positiv zu überraschen und sich damit aus dem durchschnittlichen Horror-Filmmusik-Geplänkel hervorzuheben.
Mit gut 44 Minuten Spielzeit ist das relativ kurze Album allerdings leider immer noch zu lange geraten. Zu oft werden die interessanten und beängstigend spannenden musikalischen Momente von belanglosem Underscore gebrochen und unnötig in die Länge gezogen.
Badalamenti arbeitet mit Chor und Orchester. Dabei liegt eine Stärke der Komposition besonders darin, wie er die stetige Steigerung der Musik hin zu einem Höhepunkt mit vollorchestralen Präsentationen des thematischen Materials schafft. Besonders schön anzuhören sind diesbezüglich die Stücke "The Barn" und die beiden abschliessenden Titel "The Confrontation" und "The Burning".
Ein feines Stilelement hat Badalamenti mit den Bewegungen in den Streichern geschaffen. Die zyklische Anordnung der auf- und absteigenden Streicherbewegungen haben eine sehr gekonnte Wirkung und kommen besonders im Stück "Cycling into a Nightmare" sehr symbolisch zum Zuge. Die Musik bewegt sich dabei, wie es der Titel verlauten lässt, regelrecht hinunter in den abgründigen und von Horror dominierten Plot des Films.
Eine weitere, sehr interessante Idee kommt im Stück "Trapped in Water" zum Zuge. Badalamenti lässt dabei das Orchester ein Plätschern interpretieren, welches das Wasser schön in die Komposition miteinbezieht (ähnliche solche sehr gelungene Effekte haben wir dieses Jahr schon mit James Newton Howards Komposition zu Lady in the Water erhalten).
Während der ganzen Laufzeit baut Angelo Badalamenti weniger auf gezielt situierte Schockeffekte mit schrillen Streichern und schreiendem Chor, als viel mehr auf eine sich stetig verdichtende Atmosphäre. Damit erfindet Badalamenti das Horror-Filmmusik-Genre zwar nicht neu, aber er umgeht ärgerlich gewordene Stereotypen.
Fazit: Mit The Wicker Man präsentiert uns Angelo Badalamenti eine gelungene Horror-Musik, welche sich sehr schön von der Durchschnittskost abhebt. Leider leidet das Album an Überlänge, weshalb ich empfehle, die Stücke 1, 2, 5, 11, 13 und 14 zu programmieren und sich so eine hervorragende und nervenzerreissende 22-minütige Suite zusammenzustellen. Anschliessend machen Sie es sich in der dunklen Stube bequem und hören sich die Musik an - paranoide Geräusche und flackernde Licht- und Schattenerscheinungen sind garantiert. Viel Spass!
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