Vier Minuten (2006)
Vier Minuten (2006)

Mit Vier Minuten hat es ein Film bei uns in die Kinos geschafft, der für Gesprächsstoff sorgt. Schauspielerisch überzeugend, ist Vier Minuten ein berührendes Drama mit einer vielfältigen musikalischen Untermahlung. Für letztere muss ein sehr experimentierfreudiges Team zusammengestellt worden sein. Den Effekt im Film kann man nicht leugnen, doch an dieser Stelle wird die CD abseits der Bilder kritisiert: Die auf dem Album vertretenen musikalischen Stilrichtungen sind ähnlich unterschiedlich und zusammengewürfelt wie die Zutaten eines Kebabs. Jeder Biss bzw. jedes Stück eröffnet etwas Neues und teilweise auch etwas lieber unentdeckt Gebliebenes. Im Kontext mit dem Film ist das musikalische Mosaik durchaus gerechtfertigt, als blosses Hörerlebnis auf CD jedoch verliert der Hörer (besonders ohne den Film vorher gesehen zu haben) schnell die Orientierung.
Wie schon auf dem Soundtrack zu Clint Eastwoods Film Flags of Our Fathers wird der Hörer auch hier von einer Stilrichtung in die nächste geschmissen, und das so abrupt, dass man sich teilweise schon etwas hinterfragt. Wäre es in diesem Fall zugunsten der Musikstile nicht besser gewesen, die Tracks thematisch anzuordnen statt chronologisch? Das hätte dem Gesamtwerk schon erheblich mehr Ruhe gegeben.
Eröffnet wird die CD mit einem Beitrag von Brahim Hnine (zwei weitere folgen). Dabei handelt es sich um eine fernöstliche Mischung aus Folklore und modernem Pop (allzu genau kann man es allerdings nicht kategorisieren... womit wir wieder bei den Kebab-Zutaten wären). Es folgen eine Sonate von Mozart und ein locker-leichter Popsong, gefolgt vom Stück "Christi Blut und Gerechtigkeit" aus dem Evangelischen Kirchgesangsbuch Nr. 273. Nein, das ist leider kein Witz!
Spätestens ab diesem Punkt wird es dem Hörer wohl zu viel des Guten. So spielt die CD während gut dreissig Minuten weiter ein Durcheinander vom Hindi-Pop über Black Hawk Down-ähnliche Gitarrenklänge bis hin zu Mozart. Die eigentlichen Score-Beiträge von Annette Focks können da auch nicht mehr viel ausrichten. Der Score-Beitrag der Komponistin beschränkt sich auf knapp fünf Minuten und ist irgendwo zwischen atmosphärischem Sound und The Prestige-Gedröhne anzusiedeln.
Fazit: Tutti-Frutti (Studentenfutter) ist einheitlicher, dafür dürfte diese CD für die meisten wohl schneller gegessen sein. Hartgesottene Fans des Films können der Scheibe allenfalls noch etwas abgewinnen. Allen anderen empfehle ich eher die neue Baschi-CD... und das soll etwas heissen! Eine letzte Chance kann man der CD noch geben, indem man sich auf dem Enhanced Part den Filmausschnitt mit dem Stück "Handschellenrock" als MPEG-Video anschaut. Womit dann weitere fünf Minuten verstrichen sind, die man nie mehr zurückbekommt.
Sountrack-Infos
Komponisten Release | Tracks
|

