Unser täglich Brot (2006)

Unser täglich Brot (2006)

Oder: Auf die Barrikaden, ihr Vegetarier!

Unser täglich Brot

Schnipp Schnapp

Das Schweinefleisch bruzzelt saftig in der Pfanne und das Poulebrüstchen für morgen ist auch schon im Kühlschrank. Zum Dessert ein paar Früchte, ach wie ist das Leben doch reichhaltig und schön. Doch was sich auf unseren Tellern befindet, stammt keineswegs immer von fröhlich gackernden, muhenden und grunzenden Viechern und natürlich gereiftem Obst. Da hilft der Mensch nach. Er verwurstet brutal, sprüht Mittel an unsere "sonnengereiften" Äpfel und mischt sich auch sonst rege in den Lauf der Natur ein.

Ohne Untersützung eines Kommentators, ohne musikalische Untermalung machen sich die Verantwortlichen von Unser täglich Brot auf die Reise durch das Land und berichten furchtbares. Legehennen in Tausendfacher Ausführung, kleine Küken werden wie Ware über die Laufbänder getrieben, Schweine zusammengepfercht und auseinandergenommen. Und was fühlen die Menschen, die täglich stundenlang Schweinsfüsse abzwacken?

Unser täglich Brot

Das moderne Gewächshaus

Zwischen Mensch und Maschine sind Tiere, Pflanzen und Getreide zum einfachen und gewinnbringenden Produkt geworden, das keinerlei Anrecht auf anständiges Leben hat. Denn im stetigen Fortschritt der Nahrungsindustrie ist für Herz und Gefühl kein Platz mehr. Und am Ende vom Tag kommt die Putztruppe mit dem Wasserschlauch und stellt sicher, dass am nächsten Morgen die Schlachterei wieder von vorn beginnen kann. Aber was kümmerts uns. Hauptsache das Rindsfilet schmeckt. Oder etwa doch nicht?


Kinofilm-Rating

Nikolaus Geyrhalter, der Macher von Unser täglich Brot durfte in seiner Karriere bereits einige verdiente Preise für seine Filme entgegennehmen. Bereits 2005 produzierte er einen Blick hinter die Kulissen der Nahrungsmittelindustrie, der ohne zusätzlichen Ton auskommt und den "normalen" Wahnsinn bei der Beschaffung von Nahrung aufdeckt. Unser täglich Brot spart dabei nicht mit der Aufzeichnung monotoner Arbeitsabläufe, brutalen Bildern und langen Sequenzen.

Der Zuschauer wird beim Sehen dieses Filmes auf eine doppelte Probe gestellt. Einmal sind es die nicht kommentierten Szenen, in denen Abläufe zu sehen sind, die vielen Leuten unbekannt sind. Fragen nach dem "Was", "Warum" und "Wo" werden ebenso wenig beantwortet, wie diejenigen nach den dort arbeitenden Menschen und ihrer Auffassung der Arbeit. Gibt's Gewissensbisse beim Kuhzerstückeln? Wo ist die Ekelgrenze? Hier wären kurze Kommentare aus dem Off oder auch mal Ansichten der Leute wünschenswert gewesen.

Der zweite Schrecken kommt ganz klar in den Schlachtszenen zum Vorschein. Kleine Schweinchen, die ohne Betäubung kastriert werden. Kühe, die nach dem Bolzenschuss noch sekundenlang zittern. Schweinen wird maschinell der Bauch aufgeschlitzt, so dass die Innereien rausquellen und kleine Bibeli von Schachtel zu Schachtel geschmissen, ohne Rücksicht auf Konsequenzen. Ist hart, gehört aber wohl zum Standard, wenn der Kunde nach Frischfleisch verlangt.

Neben diesen Bildern, die jedem Fleischesser ein schlechtes Gewissen machen, kommen dann leider auch die Sequenzen über die Pflanzen und Getreide ein wenig zu kurz, sprich sie dienen der "Erholung" des Zuschauers. Auch hier wären Kommentare, was eigentlich grad auf der Leinwand geschieht, sicherlich nicht verkehrt gewesen.

Fazit: Ob Unser täglich Brot grosse Scharen an Zuschauer anlocken wird, darf bezweifelt werden. Solche Blicke hinter die Kulissen der Tierverwertungsanlagen gab es auch schon im Fernsehen zu sehen. Allerdings, und da widerspreche ich mir grad selber, kommen diese Szenen nur mit dem Originalton der Maschine oder den Lauten der Tiere halt schon noch krasser rüber. Und diese Methodik wird konsequent angewendet, was den Film zu einem respektablen Werk macht.

4.1 Sterne
4.1 Sterne (8 Bewertungen) | 4 Kommentare

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22.03.2008 / muri