Tuya's Marriage - Tuya de hun shi (2006)
Tuyas Hochzeit
Tuya's Marriage - Tuya de hun shi (2006) Tuyas Hochzeit
Oder: Die gute Hirtin und ein bellendes Kamel
Die Schafhirtin Tuya (Nan Yu) lebt mit ihrem gehbehinderten Ehemann Bater und zwei Kindern in einer verlassenen Gegend in der Inneren Mongolei. Mehr schlecht als recht bringt sie sich und ihre Familie über die Runden. Ihr Mann kann ihr wegen seiner Behinderung bei der harten Arbeit keine Hilfe bieten. Unterstützung erhält sie dabei einzig von Sen'ge, ihrem freundlichen, aber manchmal etwas übermütigen Nachbarn.
Als Tuya eines Tages zusammenbricht und der Arzt ihr schwere körperliche Anstrengungen verbietet, muss sie handeln. Sie beschliesst mit Bater, die Scheidung einzureichen, um einen neuen Ehemann finden zu können. Dieser soll aber nicht nur für sie, sondern gleichzeitig auch für Ex-Ehemann Bater sorgen. Die Suche nach einem Mann, der sich dazu bereit erklärt, gestaltet sich erwartungsgemäss schwierig...
Kinofilm-Rating
Der Film des chinesischen Regisseurs Wang Quan'an lebt vom Spiel seiner Hauptdarstellerin Nan Yu, welche mit ihrer beeindruckenden Leinwandpräsenz glaubhaft eine starke Frauenfigur verkörpert. Ihre Tuya ist selbstbewusst, nimmt ihr Leben selbst in die Hand und lässt dieses nicht von den Männern beeinflussen. Der Film darf daher durchaus als modern oder sogar feministisch betrachtet werden.
Tuya's Marriage wurde an der Berlinale 2007 im Wettbewerb uraufgeführt, wo unter anderem auch der Blockbuster The Good Shepherd zu sehen war. Wenn auch der Film bezüglich Komplexität der Story und Dramaturgie im Vergleich zur grossen Hollywoodkiste - sofern ein solcher bei derart verschiedenen Filmen überhaupt Sinn macht - den Kürzeren zieht: er braucht sich dahinter nicht zu verstecken. Und auch der Titel könnte gleich vom einen auf den anderen Film übertragen werden: Tuya ist tatsächlich eine Art "Good Shepherd".
Tuya's Marriage ist ein langsamer, ruhiger Film. Die Innere Mongolei, Schauplatz des Filmes, ist ein Fleck auf der Welt, den nur die wenigsten in unseren Breitengraden je betreten haben. Auch der OutNow.CH-Korrespondent macht da keine Ausnahme. Der Film schafft es, einen Einblick in diese unbekannte Welt zu geben. Allerdings geraten einige Stellen etwas gar langfädig, so beispielsweise diejenige, als Tuya ihren alten Schulfreund wiedertrifft, welcher ihr nachher den Heiratsantrag macht. Oder auch die Hochzeitszene am Ende des Filmes. In diesen Momenten verläuft die Geschichte - ansonsten nie langweilig - etwas schleppend. Zudem hätte man sich ein "richtiges" Ende gewünscht. Das jetzige Ende ist ein "Open End" - nichts grundsätzlich dagegen, doch dieses scheint zu beliebig, nicht wirklich zwingend.
Wie immer bei Festivals sind Filme wie Tuya's Marriage eine Chance, den filmischen Horizont über Hollywoodsche Grenzen zu erweitern. Das ist in diesem Fall ordentlich gelungen, aber kein Highlight, das nachhaltig in Erinnerung bleiben wird. Immerhin: wer schon immer mal neugierig war, welchen Laut eigentlich Kamele von sich geben, muss sich den Film anschauen. Denn ein Kamel spielt darin eine "tragende" (ha ha) Nebenrolle. Für die Ungeduldigen, die nicht bis zum Kinobesuch warten mögen sei's hier verraten: es ist eine Art Bellen.
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