Tristan & Isolde (2006)

Tristan & Isolde (2006)

Oder: Altbekanntes im neuen Gewand

Tristan & Isolde

Beim Versteckis

Tristan (Thomas Sangster als junger Tristan) wächst in einem kleinen Dorf auf. Doch die Idylle ist trügerisch. Die untereinander zerstrittenen englischen Stämme werden während einer Versammlung von den irischen Truppen überrascht und niedergemetzelt. Nur wenige überleben, darunter auch Tristan. Die dramatische Konfrontation mit der harten Realität und dem Verlust seiner Eltern prägt Tristan sehr und weckt in ihm einen ungebrochenen Kampfgeist. Doch in einer seiner unzähligen Schlachten wird er schwer verletzt und für tot erklärt. Seinen Körper überlassen sie, in ein Boot gebettet, dem Meer.

Tage später wird er von Isolde (Sophia Myles) an einem irischen Strand entdeckt und gesund gepflegt. Es dauert nicht lange und die beiden verlieben sich ineinander. Doch Tristan (James Franco) wird gezwungen, Irland und somit auch Isolde, wieder zu verlassen, da der irische König (David Patrick O'Hara), Isoldes Vater, von seiner Präsenz vernommen hat und nach ihm suchen lässt.

Tristan & Isolde

"Lass mich dein Kinn nubbeln"

Zurück in England wird Tristan als auferstandener Held gefeiert, doch er ist nicht mehr derselbe und trauert seiner irischen Liebe nach. Als er spitz kriegt, dass der irische König den englischen Stämmen als Friedenszeichen ein Geschenk machen will, reist er, zusammen mit anderen Stammesmitgliedern, zurück nach Irland. Aus einer Reihe von Einzelkämpfen tritt er als Sieger hervor und gewinnt Isolde als Gemahlin für seinen Stiefvater Lord Marke (Rufus Sewell). Zurück in England ist ihre Liebe aus gesellschaftlichen Gründen dazu verdammt im Geheimen gelebt zu werden.


Kinofilm-Rating

Kevin Reynolds' neue Verfilmung vom Tristan-und-Isolde-Stoff kommt aufwändig und üppig ausgestattet daher. Gedreht wurde teils vor Ort, also in Irland, und teils in der Tschechischen Republik. Das Produktionsdesign ist auf gelungenem Hollywood-Niveau. So kommen die Kulissen grösstenteils wirklich unverschönt dunkel, ruinenhaft (für Irland) nach keltischen Einflüssen und erhaben, eindrücklich (für England) nach römischen Einflüssen daher. Die Natur und ihre Stimmungen werden sehr schön in Weitwinkelaufnahmen eingefangen und dienen nicht selten auch als Seelenlandschaft. Besonders der in England spielenden Handlung dient die natürliche Umwelt, auf der Gefühlsebene, oft als eine Art Spiegel. Die von den Schauspielern mehr oder weniger überzeugend gespielten Gefühle werden verstärkt durch die gelungene Filmmusik von Neuling Anne Dudley, welcher sich mit seiner Komposition auf einem zum Film passenden, intimeren Level mit vielen leisen und verträumten Klavierpassagen hält.

Bis auf ein paar Kleinigkeiten haben sich die Macher konsequent an die literarische Vorlage gehalten. So muss in der hiesigen Version kein "Zaubertrunk" helfen, die Liebesfunken zwischen Tristan und Isolde zu einem prasselnden Feuer zu entfachen und auch das dramatische Ende der Legende wird dem Zuschauer erspart. Der Legende nach stirbt am Schluss Isolde vor Kummer am Totenbett von Tristan. Was die einen wahrscheinlich etwas enttäuschen wird, ist, dass sich die Macher auch bezüglich dem zeitlichen Rahmen, in dem die Geschichte spielt, nicht auf Neuland begeben haben (wie dies etwa in der populären Romeo und Julia-Verfilmung von Baz Luhrmann erfolgreich gemacht wurde).

In der Tatsache, dass sich die Macher so konsequent an die Vorlage gehalten haben, liegt gleichzeitig auch die eigentliche Schwäche des Films: man vermisst Originalität und kann dabei unzählige Parallelen ziehen zu ähnlichen Genre-Vorgängern. Ob dies nun daran liegt, dass sich die Macher von Tristan and Isolde die einen oder anderen Tricks und Effekte bei den Vorgängern abgeguckt haben, oder ob die Vorgänger sich vom literarischen All-Rounder zu ihren jeweiligen Werken haben inspirieren lassen, ist indes nicht klar ersichtlich. Wahrscheinlich macht es wie immer der Mix!

Wie im vorherigen Abschnitt angesprochen, trifft der mehr oder weniger passionierte Kinogänger während des gesamten Films immer wieder auf Selbstzitate des Regisseurs aus früheren eigenen Werken, namentlich Robin Hood: Prince of Thieves, oder aber auch auf Altbekanntes aus Filmen wie Braveheart und Gladiator (was nicht allzu stark überrascht, da Ridley und sein Bruder, Tony Scott, dem Film als ausführende Produzenten zur Seite standen). Besonders die etlichen im Wald spielenden Szenen erinnern stark an Reynolds' äusserst erfolgreiche Robin Hood-Spektakel. Parallelen zu Braveheart drängen sich allein schon wegen der gemeinsamen Szenerien von Irland und England auf. Dass die beiden Filme in einem ähnlichen Zeitfenster spielen; es auch bei Braveheart, wenn auch nur in einer Nebenhandlung, zwischen zwei Parteien funkt, deren Liebe ebenfalls nicht öffentlich gelebt werden kann; und beide Filme einen ähnlichen dramaturgischen Storyaufbau vorweisen (beginn in der Kindszeit des "Helden", dramatisches Ereignis durch Verlust der Eltern, etc.) verstärken die Parallelen zusätzlich. Dieses Suchen und Finden von Anleihen an vorangegangene Werke des Genres mögen für den einen interessant sein und einen zusätzlichen Unterhaltungswert dem Kinobesuch hinzufügen, für den anderen kann es jedoch auch eine kleine Enttäuschung oder gar ein Ärgernis sein.

Fazit: Tristan and Isolde ist solide gemachtes, stimmiges und atmosphärisch stellenweise packendes Unterhaltungskino für einen kurzweiligen Abend (zu zweit). Für wahre Cineasten jedoch wird der Film wahrscheinlich mit der nächsten Flut in den unendlichen Meeren des Genres als Durchschnittsware versinken. Denn zu mehr fehlt dem Film ganz einfach das gewisse Etwas, welches seine berühmteren Vorgänger mitbrachten.

4.3 Sterne
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09.05.2006 / bab