La tourneuse de pages (2006)
La tourneuse de pages (2006)
Oder: Musikalischer Racheengel
Mit zehn Jahren ist Mélanie ein vielversprechendes Klaviertalent vor einer wichtigen Aufnahmeprüfung. Als die Vorsitzende der Expertenkommission während Melanies Etüde unhöflicherweise ein Autogramm schreibt, gerät die Kleine aber dermassen aus dem Takt, dass an ein ordentliches Weiterspielen nicht mehr zu denken ist. So wird es nichts mit dem Konservatorium, und aus Enttäuschung gibt Melanie die Musik gleich ganz auf.
Zehn Jahre später arbeitet Melanie (Déborah François) als Praktikantin in einer Pariser Anwaltskanzlei. Ihre Gewissenhaftigkeit findet beim Chef (Pascal Gregory) Anklang, so dass Melanie auch einen Job als Kindermädchen für seinen Sohn bekommt. Im Landhaus ausserhalb der Stadt stellt sich heraus, das es sich bei der Mutter um die Konzertpianistin Ariane Fouchécourt (Catherine Frot) handelt. Die Frau also die für den bitteren Karriereknick von Mélanie verantwortlich war. Nichts ahnend beginnt die Ältere der beiden ein Vertrauensverhältnis mit ihrer Angestellten, die so sogar zur Umblätterin erkoren wird, welche im Konzert die Notenseiten an den heiklen Stellen wenden darf. Mélanie hingegen scheint die lange zurückliegende Schmach nicht vergessen zu haben und sinnt nach Rache...
Kinofilm-Rating
Da der Begriff "Racheengel" immer mal wieder in deutschen Verleihtiteln zwiespätliger B-Movies auftaucht, fällt es schwer, ihn auf Deborah François in La Tourneuse de Pages umzumünzen. Zu packend spielt die Entdeckung aus L'Enfant ihre nur schwer durchschaubare Figur. Schön wie ein himlisches Wesen sieht diese Mélanie aus, aber was in ihr drin vorgeht bleibt ein Rätsel. Roboterhaft wie die Terminatrix scheint sie auf dem Rachepfad zu schreiten, und dennoch gibt es zwischen ihr und Catherine Frots Figur auch eine sexuelle Spannung. Die Suspense bleibt so immer enthalten. Und mit dem Wissen, dass ihr Vater Metzger ist, schwant einem Blutiges, wenn man ihr bei der Zubereitung eines Kaninchens zuschaut. Wird die zierliche Blondine zum Äussersten gehen?
Dabei wirkt in Denis Dercourts Film alles so schlicht: der lineare Aufbau des Plots, die fast starre Mimik aller Protagonisten, das unterkühlte Umfeld. Gerade die steife Bourgeoisie im Musikermilieu ist bestens eingefangen. Bis ins letzte Detail, wie Tristan, dem Sohnemännchen mit den steifen Armen, wirkt das alles sehr glaubhaft. Dercourt, der selber Bratsche spielt, scheint sich auszukennen. Das leicht verstaubte, sehr französische Setting täuscht aber nicht darüber hinweg, dass La Tourneuse de Pages ein richtig guter Thriller ist. Mit nur 85 Minuten gerade richtig in der Länge, damit man sich auch als Hollywoodianer mal wieder ins Arthouse wagen darf. Deborah François begeht vielleicht schon bald den umgekehrten Weg.
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4.7 Sterne (17 Bewertungen) | 1 Kommentar



