Ten Canoes (2006)

Ten Canoes (2006)

Oder: Märchenstunde im Busch

Ten Canoes

Bei der Vanillecreme gekleckert

Dayindi (Jamie Gulpilil) gehört zu den Ramingining. Im australischen Sumpf lebt er mit seinem Stamm und darf heuer zum ersten Mal mit auf die Jagd nach den Eiern von Gänsen, die ebenfalls in diesem Gebiet leben. Dayindi ist noch nicht verheiratet, begehrt aber die jüngste der drei Frauen seines älteren Bruders. Um ihm diese Flausen aus zu treiben, nützt ein Stammesältester den Jagdausflug, um dem noch unerfahrenen Krieger eine Geschichte zu erzählen.

Die Geschichte handelt von einem Volk, das vor langer, langer Zeit gelebt hat. Damals hatte ein Zauberer seine Macht demonstriert, in dem er einen Fremden zu einem Sumpf-Volk geschickt hat. Ebenfalls war da ein Krieger mit drei Frauen. Eine Weise, eine Eifersüchtige und eine Schöne. Und Letztere wurde gekidnappt. Natürlich fiel der Verdacht auf den Fremden und der Ehemann der Frauen machte sich auf, diesen Fremden für seine vermeintliche Tat zu bestrafen.

Ten Canoes

Marke Eigenbau

In dieser Erzählung einer fehlgeleitete Liebe, Hexerei und die Folgen von Rache, sieht der alte Mann Parallelen zum momentanen Problem von Dayindi. Und während die Stammesbrüder auf alte und traditionelle Art Kanus herstellen, um die Gänse zu jagen, bekommt unser Jüngling diese Geschichte zu hören und entdeckt nicht nur erstaunliche Gemeinsamkeiten mit seinem eigenen Leben, sondern versucht auch, aus daraus etwas zu lernen.


Kinofilm-Rating

Filme aus Australien sind keine Seltenheit. Wenn aber die Dialogsprache zu einem Dialekt der Aboriginies gehört, dann darf man aufhorchen. Denn so was gabs bisher noch nicht. Und wenn ausserdem die Geschichte durch einen spassigen Erzähler vorgetragen wird, dann ists grad doppelt interessant. Regisseur Rolf de Heer, der durch seine Filme schon diverse Auszeichnungen einheimsen konnte, geht dieses Mal den weiten Weg in den Norden Australiens und versucht, eine geheimnisvolle und mystische Geschichte in atemberaubende Landschaftsbilder einzuflechten.

"Once upon a Time, in a Land far far away"... So beginnt Ten Canoes. Und kurz darauf darf herzhaft gelacht werden, wenn der Erzähler selber in Gelächter ausbricht und der Zuschauer den Eindruck bekommt, als würde diese Stimme nur und ausschliesslich zu einem persönlich sprechen. Überhaupt, der Erzähler, David Gulpilil, vermittelt sehr gut die verschiedenen Stadien der Geschichte. Spannend, lustig, traurig und neugierig machend, lässt er uns an der Story um den jungen Krieger und seinem Dilemma teilhaben.

Die Geschichte an sich ist, wie uns der Erzähler mitteilt, eine derjenigen, die über Stunden, ja gar Tage erzählt werden können. Dementsprechend gespannt ist man als Zuhörer am Anfang noch bei der Sache und verliert sich aber leider mit der Dauer des Films ein bisschen darin. Die Figuren werden schön vorgestellt (jeder darf direkt in die Kamera grinsen und faxen machen) und selbst wenn die Story gegen Ende an Fahrt verliert, der Zuschauer will wissen, wie es denn jetzt ausgeht.

Gewöhnungsbedürftig sind allerdings die Wechsel zwischen Gegenwart (in Schwarz/Weiss) und Vergangenheit (Farbig). So verkommt leider die Geschichte im Jetzt ein bisschen zur Überbrückung für die bunt und schön gestaltete Story aus längst vergangenen Tagen.

Fazit: Ten Canoes ist für jeden Fan des "nicht-touristischen" Australien und Kenner der Aboriginies ein sehr guter, interessanter und schöner Film geworden. Wer sich für diese zwei Punkte interessiert, wird um einen Kinobesuch nicht herumkommen. Wer allerdings weder mit Dokumentationen über Völker, noch mit langsam erzählten Geschichtern etwas anfangen kann, wird sich wohl oder übel bald einmal tierisch langweilen.

3.4 Sterne
3.4 Sterne (4 Bewertungen) | 0 Kommentare

3.5 Sterne3.5 von 0.0-6.0
24.02.2007 / muri