Take the Lead (2006)
Dance!
Take the Lead (2006) Dance!
Oder: Sister Act meets Dirty Dancing
Samstagnacht. Menschen aus verschiedenen Schichten machen sich ausgehfertig. Die einen wollen zu einer Hip-Hop-Party, die anderen zu einer gesetzten Tanzveranstaltung. Der Tanzlehrer Pierre Dulaine (Antonio Banderas) fährt nach einem langen Abend mit seinen Schülern auf seinem Fahrrad durch die Stadt. Plötzlich hört er Krach und beobachtet einen jungen Afroamerikaner dabei, wie dieser das Auto seiner Rektorin mit einem Golfschläger bearbeitet. Als Pierre mit ihm reden will, haut der junge Schwarze ab.
Am nächsten Tag steht Pierre im Büro der Schuldirektoren Ms. James (Alfre Woodard). Er bietet ihr an, ihren Schülern Standardtanz beizubringen. Ms. James hat täglich in ihrer Schule mit Drogen und Gewalt zu tun, daher verkneift sie sich höflicherweise ein sarkastisches Lachen. Diese Kids, so ist sie überzeugt, würden sich ganz sicher nicht für "Ballroom-Dancing" begeistern lassen. Dennoch überlässt sie Pierre einige Schüler, die nachsitzen müssen.
Die bunt gemischte Gruppe aus hispanischen, afroamerikanischen und weissen Jugendlichen sind natürlich nicht sonderlich begeistert von Pierres Idee. Sie tanzen lieber zu Hip-Hop und bekommen bei Pierres traditioneller Tanzmusik fast einen Herzkasper. Erst nachdem der Tanzlehrer eine seiner gutaussehenden Schülerinnen anschleppt und mit ihr einen heissen Tango vortanzt, können sich die Kids langsam für Standardtänze begeistern. Und als Pierre noch ein grosses Tanzturnier mit einem Preisgeld erwähnt, beginnen sie ernsthaft zu üben.
Doch bis zum grossen Turnier sind noch einige Hindernisse zu überwinden: intrigante Lehrer, alte Feindschaften und Preisgelder stehen unter anderem auf der Liste. Wird sich Pierres Überzeugung, dass Standardtänze den Jugendlichen etwas fürs Leben mitgeben kann, bewahrheiten?
Kinofilm-Rating
Auch wenn das Aufstöhnen eines anwesenden Journalisten nach dem Hinweis "nach einer wahren Geschichte" und die spöttische Bemerkung, dass das ja nie vielversprechend sei, angenervte Langeweile versprach, ist Take The Lead erstaunlicherweise gar nicht so schlecht. Es gibt jetzt sicher einige, die sich fragen, ob man sich einen Tanzfilm - ausgerechnet mit dem Vorzeige-Spanier Antonio Banderas - zu Gemüte ziehen muss und ob es da nicht sinnvollere Kinobesuche gäbe. Die gibt es, sicher!
Schon nur der Plot von Take The Lead liest sich als ob Horaz höchstpersönlich den Aufbau der Geschichte konstruiert hätte: der Held wird in eine fremde Welt gesetzt (Exposition), muss gegen Widerstände und Feinde bestehen (Komplikation) und geht am Ende siegreich daraus hervor (Katastrophe). Sonderlich einfallsreich ist diese Geschichte nicht, aber, wie eingangs erwähnt, aus dem wahren Leben gegriffen. Natürlich bastelten die Drehbuchautoren noch ein wenig am Leben des wahren Pierre Doulaine um die Geschichte, wie sie es nennen, leinwandgerechter zu gestalten. Der wahre Pierre Doulaine unterrichtet an Grundschulen Standardtanz, der filmische Pierre Doulaine unterrichtet an einer Highshool und lässt sich durch die Hip Hop Kultur der Jugendlichen inspirieren. Das tut dem Bestreben des wahren Doulaine, Kindern aus den sozial untersten Schichten den gleichen Zugang zu Kunst und Kultur zu bieten wie Kindern reicher Eltern, aber keinen Abruch.
Die Entscheidung, Liz Friedlander als Regisseurin zu verpflichten, hat sich meines Erachtens voll ausgezahlt. Nicht etwa weil die New Yorkerin schon einige Spielfilme vorweisen könnte (Take the Lead ist ihr erster Spielfilm), sondern weil sie sich in den letzten zehn Jahren einen guten Ruf im Bereich der Musikvideos erarbeitet hat. Gerade bei einem Film der hauptsächlich aus Tanzbewegungen und Musik besteht, steht und fällt das erfolgreiche "auf Film bannen" der Geschichte mit dem Verständnis, eine symbiotische Verknüpfung von Auge und Ohr herstellen zu können. Musik und Bilder fliessen in diesem Film ungehemmt ineinander und der Takt gibt nicht nur die Bewegungen auf der Tanzfläche vor, sondern bestimmt auch den Rhythmus der Schnitte.
Daneben entlockt einem die humoristisch und charmant wirkende Darstellung Pierre Doulaines immer wieder kleine Schmunzler. Etwa wenn Antonio Banderas als Pierre Doulaine vor einer Klasse schnoddriger Jugendlicher darüber referiert, wieviele Sprachen er spricht und wieviele davon mit spanischen Akzent (nämlich alle). Oder aber wenn einem sechzehnjährigen Jungen beigebracht wird, dass es zum guten Ton gehört einer Frau die Tür aufzuhalten, auch wenn sie beide Hände frei hat. Die Aussicht auf ein Lächeln dieser Frau sei nämlich mehr wert als ihre Telefonnummer. Da wünscht man sich fast, auch als emanzipierte Frau, dass es mehr Männer dieser Sorte gäbe.
Langer Rede kurzer Sinn: Take the Lead ist ein Tanzfilm der in einer realistisch wirkenden Umgebung spielt. Er entlockt einem einige Schmunzler und unterhält mit packender Musik und einer guten Choreographie. Ein absolutes Muss? Nein! Aber um ein verregnetes, langweiliges Wochenende etwas aufzupeppen gerade gut genug.
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