TV Junkie (2006)

TV Junkie (2006)

Oder: Nichts als die Wahrheit

Mit 14 Jahren bekommt Rick Kirkham seine erste Videokamera und seit diesem Zeitpunkt zeichnet er sein Leben auf Video auf. Zuerst ziellos dann als so genannte Video Diaries inklusive Datumsansabe zu Beginn. Sein grosses Vorbild war seine Tante, eine Reporterin beim Lokalfernsehen. Auch Rick schafft es ins Fernsehen: Vom Sonderkorrespondenten für Kriminalfälle in Las Vegas bis zu den Weihen des "national television". Er machte sich bei der Sendung "Inside Edition" einen Namen mit "participatory journalism", einer Form der Berichterstattung zwischen Information und Sensationsgier, die bei uns Stefan Raab betreibt. Ihr wisst schon: Promi-Autorennen, Promi-Boxen und sich aus einer Kanone schiessen lassen etc. So ist der Mann ständig auf Achse. Immer dabei: die betriebsbereite Handycam.

Etwas ruhiger nimmt Rick es erst, als er heiratet und Kinder zeugt. Und wenn er vorher alles filmte, dann jetzt erst recht: Nabelschnur trennen, die erste Schritte des Sohnes und Liebeserklärungen an die Ehefrau. Was er aber nie in den Griff bekommt ist seine Drogensucht. Trotz mehrer Entzugsversuchen tauchen auf den Videobändern immer auch wieder intime Beichten des komplett verladenen Kirkham auf, der sich nach vollzogenem Crack-Konsum eine Runde schämt. Und so was bleibt natürlich auch der Ehefrau nicht verborgen...


Film-Rating

TV Junkie handelt nicht von jemanden, der süchtig nach Fernsehen ist, sondern von einem richtigen Drogenabhängigen, der sich ständig selber filmt: Rick Kirkham, ein draufgängerisches Arschloch von Berufsnarzist mit der prägnanten Stimme eines News-Anchormans. Seltsamerweise hat er sich die 3000 Stunden Videomaterial, die sich in über 20 Jahren angesammelt haben, selber gar nie angeschaut, sondern diese Aufgaben den zwei armen Regisseuren überlassen, die daraus ein Antidrogen-Video schnipseln mussten, das ausschliesslich aus Amateuraufnahmen besteht. Noch realer als Reality-TV inklusiver ausgeleierter Bänder und Bildstörungen en Masse.

Obwohl der Film auf den ersten Blick nur für Kirkhams Psychiater von Belang sein sollte, übt er trotz seines depperten Hauptdarstellers und dem Veronika Ferres-look-alike von Ehefrau eine gewisse Faszination aus. Ob aus primitiver Schaulust oder Sorge um das Wohl der Kids, es kann sich jeder selber eine Ausrede ausdenken. Das Happy End ist gewiss. Es ist ja ein Antidrogen-Film, und dazu noch einer aus den US of A. Wäre ja gelacht, wenn es im Land der unbegrenzten Möglichkeiten nicht auch die grössten Loser am Ende schaffen würden.


OutNow.CH:

Bewertung: 4.54.5

 

05.08.2006 / rm

Community:

Bewertung: 4.2 (3 Bewertungen)

 

 

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