Stranger than Fiction (2006)
Schräger als Fiktion
Stranger than Fiction (2006) Schräger als Fiktion
Oder: Stimmengewirr im Kopf
Nach zehn Jahren mühsamer Arbeit nähert sich die Romanautorin Karen Eiffel (Emma Thompson) langsam den letzten Seiten ihres neusten und wahrscheinlich besten Werkes. Ihr bleibt nur noch die letzte Hürde zu nehmen und herauszufinden, wie sie ihre literarisch umgesetzte Hauptfigur - Harold Crick - sterben lassen könnte.
"Little does she know", dass es Harold Crick (Will Ferrell) unerklärlicherweise tatsächlich im echten Leben gibt, und dass er plötzlich die Stimme der Erzählerin und Autorin Karen Eiffel hört. Fiktion und Wirklichkeit prallen schliesslich aufeinander, als der fassunglose und gleichzeitig unglaublich widerstandsfähige Harold hört, was sie mit ihm zu tun gedenkt. Für ihn bedeutet dies, dass er unbedingt einen Weg finden muss, den Roman und somit sein Leben anders enden zu lassen.
DVD-Rating
Marc Forster, geboren in Ulm, aufgewachsen in der Schweiz und Regisseur des Nachfolgers von Casino Royale, mausert sich je länger je mehr zum Hotshot in Hollywood. Nach einem Drama (Monsters Ball), einer Fantasiegeschichte (Finding Neverland) und einem etwas verkorksten Thriller (Stay) nimmt er sich nun das Genre der Komödie vor und präsentiert mit Stranger than Fiction einen lustigen, aber auch tragisch-dramatischen Film über einen Mann, dessen Leben von einer Schriftstellerin beeinflusst wird und der erst als Erwachsener beginnt, sein eigenes Leben zu leben. So langer er noch kann.
Will Ferrell, allseits bekannt durch Komödien wie Talladega Nights oder der erst grad im Kino gelaufenen Blades of Glory gibt Harold, einen Steuerbehördler. Wer jetzt denkt, der gute Mann würde auch durch diese Geschichte hampeln, der wird verwundert die Augen reiben. Nein, der (fast) Zweimeter-Mann kann auch anders. Er zeigt einmal mehr dieses positive, weil so untypische Gesicht und überzeugt als Mann, dessen Leben total aus den Fugen gerät, als er erfährt, dass er sterben soll. Er beginnt zu leben, fängt endlich an Gitarre zu spielen und verliebt sich. Und zwar in die erfrischende Maggie Gyllenhaal, die herrlich laut und unnachgiebig ihre Rolle spielt und somit praktisch zum Gegenstück der Hauptfigur wird. Sehr sympathisch.
In weiteren Rollen sehen wir (nach langer Zeit mal wieder) Emma Thompson (grad erst im Kino in Harry Potter and the Order of the Phoenix aus dem Zauberschloss gejagt), die als gestresste Schreiberin eine überzeugende Performance abgibt. Auch Dustin Hoffman, nach Finding Neverland wieder in einem Marc Forster-Film, scheint sich in seinen, inzwischen mehrheitlich kurrlig angelegten, Rollen immer wohler zu fühlen. Man sieht ihm den Spass regelrecht an. Queen Latifah rundet das Starensemble ab, hat aber im Vergleich zu ihren Kollegen eine glücklicherweise relativ kleine Rolle.
Stranger than Fiction ist auf dem Papier eine Komödie, kommt aber nicht dem Presslufthammer daher, sondern versucht die Witze auf sanfte Art aus der Story zu pressen. Die lustigen Situationen ergeben sich automatisch, man schmunzelt und lacht vereinzelt laut auf. Ob das allerdings genügt, um einen Film als Komödie zu betiteln, darf bezweifelt werden. Denn neben diesen guten Phasen hat der Film auch eine Menge an Drama oder Tragödie zu bieten. Das wird vor allem gegen Ende sichtbar, wenn die Geschichte doch einen ernsteren Ton einschlägt und die Leichtigkeit der ersten Filmhälfte leider verpufft.
Fazit: Stranger than Fiction ist nicht Marc Forsters bester Film. Aber gegen die US-Komödien, die unsere Kinos und DVD-Läden überschwemmen, ist diese schöne Geschichte eine kleine Wohltat, bei welcher der Zuschauer auch mal den Kopf einschalten muss und nicht auf den nächsten furzenden Darsteller wartet. Trotzdem zieht sich der Film ein bisschen in die Länge und vermag vor allem am Ende nicht mehr so zu überzeugen, wie er es in einem grossen Teil der Geschichte geschafft hat. Dennoch, gute (gehobene) Unterhaltung.
Die Extras, welche auf die DVD gepresst wurden, bestehen vor allem aus Dokumentationen über die Machart des Films. Man sucht nach Drehorten, versucht an der Story rum zu feilen oder kriegt Bilder vom Set zu sehen. Dazu gibt es ein paar Werbe-Interviews ohne tieferen Inhalt und den Trailer des Films. Nett, aber halt nichts, mit dem man angeben könnte.
Technisch hingegen macht Stranger than Fiction einen sauberen Eindruck, auch wenn der klare und störungsfreie Sound die heimischen Boxen keinesfalls überanstrengt.
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4.6 Sterne (112 Bewertungen) | 1 Kommentar
DVD-Infos
DVD erschienen am 10.07.2007
- Bildformat: 1:1.85 (16:9)
- Sprachen: Deutsch (DD 5.1), Englisch (DD 5.1)
- Untertitel: Deutsch
- Extras: Making-Of, Storysuche, Teambildung, Locationsuche, Drehbuch, Am Set, Interviews, Trailer



