Sonjas Rückkehr (2006)

Sonjas Rückkehr (2006)

Oder: "Wer isch jetzt da de Schlumpf?"

Sonjas Rückkehr

Och, draussen ist der Himmel ja genau so grau.

Nach sechs Jahren Haft wird Sonja (Melanie Winiger) aus dem Gefängnis entlassen. Der wichtigste Mensch, den die junge Frau jetzt sehen will, ist ihr mittlerweile achtjähriger Sohn Tim (Marlon Altenburger). Schwiegervater Armin (Urs Hefti) und seine Frau haben ihn bei sich aufgenommen. Doch als Sonja in ihrem Heimatort wieder aufkreuzt, ist sie nicht von allen gern gesehen. Tim denkt, seine Mutter sei tot, und Armin verbietet Sonja jeglichen Kontakt mit dem Jungen.

Sonjas Rückkehr

Wenn ich gross bin, tu ich sie heiraten.

Sonja versucht trotzdem ein geregeltes Leben aufzubauen. Nicht ganz einfach im ländlichen Dorf, wo sie alle nur als die Mörderin ihres Mannes und als uneheliches Töchterchen eines Alkoholikers mit einer Brasilianerin kennen. Den Job als Pöstlerin ist sie während der Probezeit schon wieder los. Aber sie hat so zumindest die Möglichkeit, den nichts ahnenden Tim heimlich zu treffen. Als Armin erreicht, dass seine Schwiegertochter wegen Verstoss gegen die Bewährungsauflagen in eine offene Wohngruppe muss, scheint Sonja auch die letzte Chance verspielt zu haben, mit ihrem Sohn wieder als eine Familie zu leben...


Kinofilm-Rating

Sonjas Rückkehr ist eine weitere TV-Filmproduktion für die Mundartschiene, die das SF am Sonntagabend publikumswirksam gelegt hat. Für so was interessiert sich OutNow.CH nur, wenn die Filme, wie Sternenberg oder Ferienfieber, auch im Kino laufen. Die Ausnahme für Sonjas Rückkehr muss aber sein. Denn so was Tolles lief auf dem Sendeplatz bisher noch nicht. Eine reife Leistung für die junge Produktionsfirma HesseGreutert Film, die es erst seit knapp zwei Jahren gibt.

Wolf und Kopfsalat sollte der Film ursprünglich mal heissen, ein Hinweis auf ein Rätsel, das der Junge im Film lösen sollte. Leider ist dieses Quiz nun nur noch so rudimentär vorhanden, dass im fertigen Film nicht mehr ganz klar wird, worum es dabei genau geht. Das wäre dann aber auch schon der einzige, verzeihliche Mangel in einem sehr bewegenden Film.

Der Fernsehfilm zeichnet das ländliche Milieu mit wunderbar wieder erkennbaren Facetten. Die Balkanimmigranten sind für einmal keine Drogendealer, aber deswegen auch nicht gleich Figuren aus dem Guet-Nacht-Gschichtli träumerischer Integrationsbeauftragter. Die Story, obwohl ähnlich dem Publikumshit Sternenberg, wenn man "den ältesten Primarschüler der Schweiz" mal aussen vor lässt, kann trotzdem für sich bestehen. Autor Dave Tucker sollte man sich merken, weil er neben dem dramatischen hier, mit dem Kurzfilm Floh! auch Talent für komische Drehbücher bewiesen hat.

Die Hauptattraktion ist aber Melanie Winiger. Ihr Besuch einer Schauspielschule hat sie Fortschritte machen lassen. Gewohnt schnippisch, aber auch verletzlich wie nie zuvor, liefert sie eine bemerkenswerte Leistung in einer äusserst coolen Rolle. Vielleicht war die Sonja schon das Angebot ihres Lebens. Aber wenn man der Ex-Miss Charaktere gibt, zu welchen sie Zugang dank eigenem Sohn Noël findet, kommt dabei sogar etwas Brauchbares heraus. Figuren wie Rekrutin Bluntschi gibt es dann im Herbst wieder, wenn sie in Breakout, dem neuen Film der Charlie-Macher, eine Brille aufgesetzt bekommt, und so als Anwältin durchgehen soll.

Doch zurück zum SF-Film. Wenn man zu den Leuten gehört, die nur einmal pro Jahr Schweizer Fernsehen gucken, wäre der Sonntag, 23. April um 20.30 Uhr ein exzellenter Zeitpunkt. Die Spiele der Schweizer Nati an der Fussball-WM 2006 werden sicher auch auf den deutschen Sendern gezeigt...

3.8 Sterne
3.8 Sterne (12 Bewertungen) | 7 Kommentare

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23.04.2006 / rm