Slumming (2006)
Slumming (2006)
Oder: Foahkohtn bidde!
Kahlmann (Paulus Manker) ist ein Säufer. Unrasiert, schmuddelig und meistens mit einem Gefäss voll starkem Alkohol zieht er durch die dreckigen Quartiere Wiens und belehrt dabei lautstark seine Umgebung. Betteln ist nicht seine Art, denn beim Betteln würde man sich ja seiner Kundschaft unterordnen. Nein, Kahlmann verkauft Gedichte oder auch mal Müll, um sich über Wasser zu halten. Und er ist gar nicht so schlecht dabei.
Alex (Michael Ostrowski) und Sebastian (August Diehl) treiben sich im gleichen Quartier herum, allerdings mit einem BMW. Sie bezirzen per Internet das weibliche Geschlecht, um die Damen dann in heruntergekommenen Bars zu treffen, sie unbemerkt zu fotografieren und sie dann aufs Internet zu stellen. Ihr Fachausdruck dafür: "Slumming".
Pia (Pia Hierzegger) ist Volkschullehrerin. Bei ihren Schützlingen ist sie beliebt, und sie scheint auch im Privatleben alles im Griff zu haben. Ausser dass sie sich dauernd übers Ohr gehauen fühlt, wie grad beim Kauf des "Pickerls", der österreichischen Autobahnmarke. Am Wochenende jobbt sie in einem Lokal als Gardarobiere. Soweit einmal die Ausgangslage.
Pias Freundin gabelt nun per Internet Sebastian auf, und "reicht" ihn gleich an Pia weiter, welche ihn dann auch trifft, und ihm unsterblich den Kopf verdreht. Sebastian begegnet mit Alex zusammen Kahlmann besoffen und bewusstlos auf einer Parkbank liegend, und kommt auf die Pfundsidee, diesen kurz nach Tschechien zu fahren, und dort ebenfalls auf einer Parkbank zu platzieren.
Kahlmann findet die Tatsache, ohne Geld nach einem Rausch in Tschechien aufzuwachen, nicht sehr prickelnd, und macht sich fluchend auf den Weg nach Wien zurück. Pia hat von Sebastians Trip nach Tschechien Wind bekommen, und fühlt sich nun verpflichtet, Kahlmann zu retten. "Wenn man wüsste was aus dem wird, was man tut, würde man es dann noch tun?"
Kinofilm-Rating
Slumming ist ein dreckiger Film. Es ist Winter, matschig und irgendwie ticken die Charaktere alle nicht richtig. Das macht allerdings nichts, im Gegenteil. Speziell aus Sebastian wird man nicht sehr schlau. Ein reicher Bengel, der aus Langeweile und auf Kosten Anderer die Tage totschlägt, gegen aussen ein typisches Arschloch verkörpert, aber offensichtlich doch eine sensible Ader in sich trägt.
Slumming ist ein Film über die Fremde und das sich darin zurecht finden, aber auch über die Gassen Wiens der sozial untersten Schicht. Regisseur und Autor Michael Glawogger schildert die Geschichte Kahlmanns, welche ihm vor Jahren ein Betrunkener in einer Bar erzählt hat. Ob dieser die Wahrheit sprach war völlig irrelevant, war es doch die Art der Erzählung, die Glawogger in den Bann zog.
Trotz dem etwas düsteren Plot ist Slumming irgendwie erfrischend lustig. Obwohl es die Figur Kahlmann garantiert in jeder Grossstadt gibt, ist sie so überzeichnet, dass es witzig und unterhaltend ist, Kahlmann beim Leute anquatschen bzw. anbrüllen zuzuschauen. Die drei Storylines sind übersichtlich und intelligent miteinander verbunden, und auch die restlichen Charaktere sind gekonnt in die Geschichte eingebettet. Was nicht weiter verwunderlich ist, schrieb doch Michael Glawogger das Drehbuch explizit auf die Schauspieler zu. Alles in allem also ein sehenswerter Film aus unserem Nachbarsland.
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4.6 Sterne (12 Bewertungen) | 1 Kommentar



