Shortbus (2006)

Shortbus (2006)

Oder: Was man sonst nicht zu sehen kriegt

Shortbus

Achtung! Dieser Film zeigt Körperöffnungen aller Art!

Man entführt uns ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten, genauer in New Yorks Subkulturen. Auf der Suche nach geistiger und vor allem sexueller Verwirklichung, gelangen wir, zusammen mit Sextherapeutin Sofia (Sook-Yin Lee), in einen Klub namens Shortbus. Und was man dort zu sehen bekommt, kennt man als Schweizer nicht einmal vom hören sagen: Verdorbene und jenseits abgefahrene Gestalten leben sich in verschiedenen Themenräumen aus - von Hemmungen und sozialer Kontrolle gänzlich befreit.

Sofia wird vom schwulen Pärchen Jamie (PJ Deboy) & James (Paul Dawson) in diese neuen Welten eingeführt und trifft bald auf die beziehungsgestörte Domina Severin (Lindsay Beamish). Dank dieser neuen Freundschaft hofft Sofia, ihre Orgasmusprobleme endlich in den Griff zu bekommen. Auch Jamie & James haben existenzielle Probleme in ihrer Beziehung und umgehen diese mit einer scheinbar harmonischen Dreierbeziehung.


DVD-Rating

Shortbus wird von allen Seiten hochgejubelt. Kritiker und ausgezeichnet. Unter anderem auch in Zürich, wo der Film 2006 mit dem goldenen Auge ausgezeichnet wurde. Der Film verbindet zügellosen Sex mit sympathischen Figuren und nur allzumenschlichen Problemen. Ein Film, den man also gesehen haben muss?

Der Normalzuschauer wird grad am Anfang ein bisschen erschreckt. Wann hat man zuletzt einen Schniedel in Grossaufnahme gesehen? Und dann wird noch dran rumgezogen! Um Himmels Willen! Jaja, Shortbus zeigts so wies ist. Keine schwarzen Balken, keine Zensurierungen. Wenn ein Lümmel gross wird, dann darf er das hier vor laufender Kamera tun. Und wenns zum Abschuss kommt, dann gehts auch schon mal ans Bild der Domina, das an der Wand hängt. Überhaupt, der Anfang ist irgendwie lustig. Einer versucht durch Verrenkungen, sein Glied selber oral zu berühren, ein Pärchen fickt sich buchstäblich die Seele aus dem Leib und die Domina sprüht nicht nur ihre Hilfsmittel mit Desinfektionsspray ein, sondern grad den Freier auch noch.

Die Tonart ist also vorgegeben, die Probleme werden gewälzt und die Bilder der Sexorgie im Club sind noch immer sehr freizügig. Man wähnt sich in teilweise in einem Schmuddelkino, wenn auf der Leinwand drei Männer im fröhlichen Bumms-Trio das "Star Spangled Banner" singen und der errigierte Penis dabei als Mikrophon gebraucht wird. Oder wenn sich die Dame mal kurz ferngesteuerte Liebeskugeln unten reinschiebt, die dann dummerweise durch fremde elektronische Einflüsse unerwartete Situationen heraufbeschwört.

Ja, Shortbus kommt mit sehr witzigen und sympathischen Szenen daher. Und warum sollte man nicht auch mal den Sex ein bisschen ausführlicher zeigen, als nur immer abgehackte Köpfe oder in Zeitlupe erschossene Gangster? Das ganze verlangt natürlich vom Zuschauer eine gewisse Flexibilität, denn sich gegenseitig abschleckende Männer gehören nun mal nicht zum erotischsten, das ich je auf dem TV-Schirm gesehen habe. Zusätzlich werden viele der Szenen durch ausführliche Gespräche und das Wälzen der Probleme zu sehr in die Länge gezogen. Dafür ist die Animation am Anfang und Ende des Filmes sehr gut gelungen.

Fazit: Shortbus ist freizügig, teils hart an der Porno-Grenze und zeigt uns das wahre Leben in New York. Dort, wo die Menschen hingehen um (wie uns ein ehemaliger Bürgermeister zu verstehen gibt) "richtig schön durchgenommen zu werden". Das mag Geschmacksache sein, aber viel mehr als die nackten und korpulierenden Menschen hat mich das ewige Geschwafel gestört, das jeglichen Anflug von Interesse an der Geschichte sofort wieder zunichte machte.

Die DVD-Extras beschränken sich auf ein paar wenige Features. Fast 30 Minuten lang sind die Extended und Deleted Scenes, in welchen es nochmals fröhlich zur Sache geht und die aus den scheinbar unvollständigen Sequenzen Ganze machen. Ein Blick hinter die Kulissen wird ebenfalls angeboten. Der jedoch entpuppt sich als B-Roll bei der Orgie und lässt ein bisschen die Stimmung am Set auf den Zuschauer überkommen. Der Trailer, mit Ansage des Regisseurs, gibts als Höhepunkt.

Das Bild hat nicht die Qualität eines Hochglanzfilmes, aber dadurch werden die Szenen noch realer, als sie eh schon sind. Der Ton hingegen kommt sauber und gut. Ausserdem sind fünf verschiedene Versionen in drei Sprachen abrufbar. Je nach Gusto und Heimkino.

4.5 Sterne 3.4 Sterne
4.5 Sterne (40 Bewertungen) | 0 Kommentare

3.53.5
25.04.2007 / dom (Inhalt), muri (Rating)


DVD-Infos

DVD erschienen am 19.04.2007

  • Bildformat: 1.66:1 (16:9)
  • Sprachen: Deutsch (DD 2.0, DD 5.1), Englisch (DD 2.0), Franzsösisch (DD 2.0, DD 5.1)
  • Untertitel: Deutsch, Französisch
  • Extras: Trailer, Deleted Scenes, Doku