Shoppen (2006)

Shoppen (2006)

Oder: Wenn der Gin Tonic plötzlich mitreden will

Shoppen

Hoffentlich erkennt mich keiner...

18 Mitglieder des Münchner Clubs der einsamen Herzen treffen sich zum Dating auf die schnelle Art. Während der Mund werkt, scannen die Augen das Gegenüber im Fünfminutenintervall. Heute muss man reden können, um Sex zu haben. Speed-Dating nennt sich das Schäkern unter Aufsicht des Eieruhrenmannes. Singles in allen Ausführungen versuchen ihr Liebesglück: Die Scheue und der Stecher. Die Süsse und der Feinschmecker. Der Controller und die Quasselstrippe. Die Verklemmte und der Oberbayer. Der Autohasser und die Landpomeranze. Ist's peinlich? Vielleicht. Frustrierend? Immer wieder. Sprühende Funken halten die Waage mit zertretenen Fettnäpfchen. Wer heute allein nach Hause geht, ist selber Schuld. Doch nur wenn beide einander wiedersehen wollen, werden die Nummern getauscht. Der Allergiencheck kann da schon mal vergessen gehen.


Kinofilm-Rating

Abgeschminkt von Katja von Garnier machte den Anfang. Danach wurden Das merkwürdige Verhalten geschlechtsreifer Grossstädter epidemisch behandelt im deutschen Film. Die achso lustige Beziehungskomödie nudelte in den 90ern alle Arten von Paarbeziehungen durch. Shoppen von Ralf Westhoff ruft nun zum Revival. Der Film erweckt die kondensierten Klischees im Schnellverfahren. Das neurotische Personal von damals wird wiederbelebt und im Schnelldurchlauf vorgeführt.

München gilt als die Hauptstadt der Singles. Doch die Liebeleien in den Metropolen ähneln sich. Einsamkeit ist überall gleich. Zweisamkeitsstreben ebenso. Wortlastig wird's. Gewisse Zitate haben hohen Haltbarkeits-Wert. ("Mich gibt's nicht unanstrengend. Ich bin der Abenteuerurlaub, nicht die Pauschalreise.") Filmisch gibt's aber wenig her. Seltsame Bildausschnitte suggerieren Aktivität, wo Menschen einfach nur quatschen. Die Episodenhaftigkeit kommt dem Film aber zu Gute. Und Speeddating sei Dank, gibt es immer wieder neue Personalkonstellationen. Die frischen Gesichter der jüngsten Schauspielgeneration der Bundesrepublik und deutsch-sprechender Anreiner-Staaten (Oliver Bürgin hält die Fahne mit dem Schweizer Kreuz hoch.) sorgen für Spass und gute Laune. Bei der Frage, wessen Nummer der Zuschauer am liebsten bekommen hätte, steht er vor der Qual der Wahl. Ach wäre doch Swiss Date jeweils auch so lustig!

4.4 Sterne
4.4 Sterne (47 Bewertungen) | 10 Kommentare

55
14.06.2007 / rm