La sconosciuta (2006)

Die Unbekannte

La sconosciuta (2006) Die Unbekannte

Oder: Geheimnisvolle Nanny

La Sconosciuta

"Geh nicht durch diese Tür!!"

Quasi aus dem Nichts taucht in einer italienischen Stadt eines Tages eine fremde Frau (Kseniya Rappoport) auf. Irena heisst sie, stammt aus der Ukraine und ist auf der Suche nach einem Job. Dank ihrer Beharrlichkeit überzeugt sie ihren Vermieter, sie als Putzkraft zu beschäftigen. Dabei lernt sie Gina (Piera Degli Esposti) kennen, die als Dienst- und Kindermädchen bei der reichen Juweliersfamilie Adacher arbeitet.

La Sconosciuta

"Wieso nehmen wir nicht den Bus?"

Als Gina kurz darauf eine Treppe runterstürzt und sich schwer verletzt, wittert Irena ihre Chance und stellt sich den Adachers als neues Dienstmädchen vor. Mit Erfolg: Dank Ginas Empfehlungen stellt das reiche Paar sie ein. Tochter Tea (Clara Dossena), die an einer seltenen Nervenkrankheit leidet, reagiert zunächst skeptisch auf die neue Nanny. Doch als ihr diese lehrt, sich gegen sie quälende Mitschüler zu wehren, fasst sie Vertrauen und will bald nicht mehr ohne Irena sein. Teas Eltern beobachten dies mit Genugtuung.

La Sconosciuta

Fernseher kaputt?

Doch Irena trägt ein dunkles Geheimnis in sich. Die Erinnerung an den brutalen und rücksichtslosen Zuhälter Muffa (Michele Placido), von dem sie einst aufs Äusserste gepeinigt wurde, quält sie noch immer. Irenas Vergangenheit belastet auch das Verhältnis zu Teas Eltern, da ihre Nervosität zu immer mehr Missgeschicken führt. Als Irena den totgeglaubten Muffa auf der Strasse erkennt, eskaliert die Situation...


Film-Rating

Mit Filmen wie Nuovo Cinema Paradiso oder La Leggenda del pianista sull'oceano hat Giuseppe Tornatore auch hierzulande die Herzen der Kinozuschauer erobert. Seine Filme zeichnen sich aus durch poetische Bilder, berührende Geschichten und die grossartige Musik des legendären Ennio Morricone, dem er in all seinen Filmen treu blieb. Sieben Jahre sind nun vergangen seit Tornatores letzten Film, Malèna, und die Erwartungen sind dementsprechend hoch. Das ist dem Film anzusehen. Er strotzt nämlich vor lauter Ambition. Aber der Reihe nach.

Im Vergleich zu Tornatores früheren Filmen ist La Sconosciuta weniger leichtfüssig und dementsprechend schwieriger zu verdauen. Allein schon das zentrale Filmthema "sexuelle Gewalt" deutet dies an. Es ist einer derjenigen Filme, die einem auch Stunden nach Verlassen des Kinosaals noch beschäftigen. Bereits die Introszene, einer Rückblende, in welcher junge Frauen wie Vieh auf dem Markt nackt einem "Kunden" präsentiert werden, stimmt den Zuschauer ein auf einen zweistündigen Filmbrocken, der vieles ist, aber garantiert nicht lustig.

Tornatore zieht den Film als Thriller auf, der in Rückblenden nur scheibchenweise Irenas schreckliche Vergangenheit enthüllt. Durchaus ein geschickter Zug, um den bei solch ernsten Themen stets drohenden Fall ins Betroffenheitskino zu vermeiden. Allerdings scheitert er letztendlich an der eigenen hochgesteckten Ambition. La Sconosciuta will nämlich alles sein: spannender Thriller, bewegendes Drama und engagierte Sozialkritik. Das kann auf Dauer nicht gut gehen. Exakt zwei Stunden dauert der Film. Und mit zunehmender Filmdauer franst er immer mehr aus. Das Ganze gipfelt schliesslich in einem Ende, das auch dem wohlgesonnensten Zuschauer kein anderes Urteil lässt als: superobermegakitschig.

Ein Wort noch zu Ennio Morricones Musik: Der Meister war schon besser. An seine grössten Werke kommt der Score zu La Sconosciuta niemals ran. Nichtsdestoweniger steckt der bald 80-Jährige noch so manchen kontemporären Filmkomponisten locker in die Tasche. Ähnliches gilt für vorliegenden Film: Das Werk eines ausgezeichneten Regisseurs, das dessen gewohntes Niveau aber nicht ganz erreicht.


OutNow.CH:

Bewertung: 4.04

 

03.06.2007 / ebe

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Bewertung: 4.4 (9 Bewertungen)

 

 

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