A Scanner Darkly (2006)
A Scanner Darkly: Der dunkle Schirm
A Scanner Darkly (2006) A Scanner Darkly: Der dunkle Schirm
Oder: Über Scanner und Gescannte
Im Amerika der Zukunft ist ein grosser Teil der Bevölkerung einer neuen Superdroge verfallen. Obwohl die Polizei ein rigoroses Überwachungssystem aufgebaut hat, welches ihnen erlaubt, alles und jeden zu beobachten, nimmt die Zahl der Süchtigen zu. Deshalb gibt es Undercover-Cops, welche sich in den Untergrund mischen, um von da aus die grossen Drogenbarone abzuschiessen. Diese Cops müssen ihre wahre Identität mit allen Mitteln schützen und wissen nicht einmal, mit wem sie zusammen arbeiten.
Zu diesen Cops gehört auch Fred (Keanu Reeves), der zum einen als Polizist unterwegs ist, aber auch als Bob Actor, dem ein verfallenes Haus gehört, das er mit zwei Kollegen und zum Teil mit seiner Freundin bewohnt. Für lange Zeit läuft alles gut, doch langsam zeigt der stetige Gebrauch der Droge seine Wirkung, und Fred und Bob spalten sich immer mehr. Als dann Fred von der Polizei den Auftrag erhält, dass er Bob (sich selber) überwachen und darüber Bericht erstatten soll, wirds schwierig.
Was als ganz normaler Undercover-Einsatz begann, gerät völlig aus dem Ruder. Bob verkracht sich mit seiner Freundin, und die Droge beginnt seine letzten noch intakten Hirnzellen anzugreifen. Wird es Fred noch schaffen seinen Einsatz zu beenden, bevor er völlig in den Drogensumpf gerät?
DVD-Rating
Wer sich etwas mit Sci-Fi Kino beschäftigt, ist sicher schon mal über den Namen Philip K. Dick gestolpert. Der Erfolgsautor lieferte unter anderem die Romanvorlagen für Blade Runner, Total Recall und eben auch A Scanner Darkly. Im Gegensatz zu Klassikern wie Blade Runner ist A Scanner Darkly jedoch in der nahen Zukunft angesiedelt. So sucht man verfallene Grossstädte oder Kriegswüsten vergebens. Dafür haben sie es geschafft, mit nur wenigen futuristischen Elementen eine glaubhafte Vision der Zukunft zu erschaffen. .
Wie schon in Filmen wie Sin City oder Renaissance wurde A Scanner Darkly zuerst mit den echten Darstellern gedreht und anschliessend mit einer speziellen Software so verfremdet, dass der ganze Film gezeichnet aussieht. Dies hat seine Vorteile, nur so kann zum Beispiel der Schutzanzug der Undercoveragenten glaubhaft dargestellt werden, der ständig Form und Aussehen ändert. Nachteile liegen darin, dass die Gesichter der Figuren oft überscharf und aufgesetzt erscheinen, während der Rest in Unschärfe versinkt. Dies erhöht die Gewöhnungsphase im Gegensatz zu Renaissance erheblich und kann auch einfach als Bildstörung für Kopfschmerzen sorgen.
A Scanner Darkly an sich ist kein einfacher und auch eher ein eher ruhiger Film, wer also einen packenden Thriller erwartet, wird enttäuscht sein. Er ist primär dialoglastig und je länger der Film geht, desto schwerer ist es, Realität und Fiktion auseinander zu halten. Vieles bleibt unerklärt oder wird nur nebenbei erwähnt, was dem Zuschauer hohe Aufmerksamkeit abverlangt, denn wer abdriftet oder einen Link verpasst, wird den Anschluss verlieren. So muss man sich zwangsläufig mit den endlosen Diskussionen über eine offene Tür abgeben und mit einem Undercoverpolizist, der selber nicht mehr weiss, wer er wirklich ist.
Ist A Scanner Darkly also ein schlechter Film? Nein bei weitem nicht. Obwohl die Handlung mehr und mehr verworren wird, haben sie sich wirklich bemüht, eine glaubhafte Welt zu kreieren, wo gekonnt Zukunftselemente mit realen Elementen vereint werden. Auch wenn A Scanner Darkly streckenweise wohl eher für Verwirrung als für Begeisterung sorgen wird, erhält man dafür einen Schluss, den man kaum erwarten kann der und auch einen positiven Eindruck hinterlässt.
Fazit: A Scanner Darkly fügt sich in die Reihe der Filme ein, die absichtlich einen Comiclook verpasst bekamen, ist aber im Vergleich zu den anderen kaum für ein breites Publikum geeignet. Zu speziell ist der Aufbau und zu konstruiert ist die Story. Wer sich jedoch darauf einlässt, bekommt einen interessanten Film mit witzigen Dialogen und einem gelungenen, unerwarteten Ende. Gleichzeitig gibt es aber auch einige Trockenstrecken und einen verwirrenden Handlungsaufbau.
Die DVD bietet den Film in einer hohen Qualität und schmälert den Filmgenuss kaum mit irgendwelchem Schnee oder anderen Bildstörungen. Für den Ton gilt das gleiche. Scharf und klar kommt er aus den Boxen, dass es nur so eine Freude ist. Das Bonusmaterial beschränkt sich auf den obligatorischen Audiokommentar und zwei Dokumentationen. Die eine gibt Eindrücke von den Dreharbeiten und Interviews mit den Schauspielern und Informationen wie es zu dieser Adaption gekommen ist. Die zweite beschäftigt sich mit der Post Produktion. Recht informativ aber auch recht oberflächlich.
![]()
4.5 Sterne (43 Bewertungen) | 13 Kommentare
DVD-Infos
DVD erschienen am 11.05.2007
- Bildformat: 1.85:1 (Anamorphic Widescreen)
- Sprachen: Deutsch: Dolby Digital 5.1, Englisch: Dolby Digital 5.1
- Untertitel: Deutsch, Englisch, Deutsch für Hörgeschädigte, Englisch für Hörgeschädigte
- Extras: Audiokommentar von Drehbuchautor/Regisseur Richard Linklater; Keanu Reeves; Isa Dick Hacket (Tochter von Philip K. Dick); dem Produzenten Tommy Pallotta; sowie dem Historiker Jonathan Lethem, Featurette: One Summer in Austin: Die Entstehung von 'A Scanner Darkly' (26 Min.), The Weight of The Line: Die Animation (21 Min)



