I'm a Cyborg but that's ok - Saibogujiman kwenchana (2006)

I'm a Cyborg but that's ok - Saibogujiman kwenchana (2006)

Oder: S'Bärner Oberland isch schön!

I'm a Cyborg but that's ok - Saibogujiman kwenchana

Gesucht: Gesprächsthema

Seit ihrer Kindheit lebt die zierliche Young-goon (Lim Soo-jung) mit einer Gewissheit: "Ich bin ein Cyborg!" - also ein menschlicher Roboter. Aufgewachsen ist sie bei ihrer Grossmutter (Sohn Young-soon), die sich selbst für eine Maus hielt und sich ausschliesslich von eingelegtem Rettich ernährte und deren Hinterlassenschaft ein Gebiss ist.

Nachdem sie versucht hat, sich die Pulsadern aufzuschneiden, fristet Young-goon ein trostloses Dasein in einer Nervenheilanstalt, wo sich allerlei weitere seltsame Gestalten tummeln. Zum Beispiel Il-sun (Rain), ein asozialer junger Mann, der sein Gesicht hinter einer Maske versteckt, alle möglichen und unmöglichen Dinge stiehlt und glaubt, auch die Gedanken anderer Leute stehlen zu können.

I'm a Cyborg but that's ok - Saibogujiman kwenchana

Lauschangriff der Killerroboterin

Young-soon isst nichts. Essen ist Gift für Roboter. Ihre Ernährung besteht aus Batterien, die sie an die Zunge hält, um so ihren Akku aufzuladen. Und sie ist verzweifelt: Jede Maschine hat eine Funktion. Was aber ist die ihre? Die Grossmutter scheint es zu wissen und erscheint in ihren Träumen (oder ist es Realität?). Aber irgendwie kann sie nie verstehen, was ihr diese die sagen will. Young-goon jedenfalls ist überzeugt, dass sie die "Weissen" - das gesamte Krankenhauspersonal - töten muss, um zur Grossmutter zu finden. Zu diesem Zweck bittet sie Il-sun, ihr Mitleid zu stehlen, welches sie daran hindert. Dieser willigt ein - in der Hoffnung, die immer zerbrechlicher werdende Young-goon wieder zum Essen zu bringen...


Kinofilm-Rating

Gestiegen? Nein? Halb so schlimm. Dem Zuschauer im Kinosessel ergeht's nicht besser. I'm a Cyborg, but that's ok beginnt als "Irrenhaus-Film", der seine Lacher vor allem aus dem sonderbaren Verhalten dessen Bewohner bezieht. Je länger je mehr entwickelt er dann aber zu einer abgedrehten Bildorgie, die sich um logische Zusammenhänge foutiert. In einer besonders kuriosen Sequenz tanzen die Protagonisten auf einer Schweizer Alpenwiese und singen den Gassenhauer "S'Oberland, ja s'Oberland, ds Bärner Oberland isch schön!". Diese Szene sorgte in Berlin, wo der Film 2007 im Wettbewerb lief, nicht nur unter den anwesenden Schweizern für grosse Lacher.

Regisseur Park Chan-wook ist seit seiner "Rache-Trilogie", darunter der Gewinner der Silbernen Palme in Cannes, Oldboy, auch einem breiteren europäischen Publikum bekannt. I'm a Cyborg, but that's ok wirkt, als hätte David Lynch Einer flog übers Kuckucksnest als romantische Komödie inszeniert. Und das Ganze auf Koreanisch. Genau wie bei Lynch scheint es nicht Parks vordergründiges Ziel zu sein, dem Zuschauer einer logische und greifbare Story zu bieten. Stattdessen reiht er Szenen willkürlich aneinander, was real ist und nicht, wird mehr und mehr verwässert und am Ende ist nichts mehr sicher. Ist Young-goon nun doch ein Roboter? Das schöne an solchen Filmen ist die undendliche Interpretationsvielfalt einiger einzelner Filmteile. Einige Beispiele dafür: Das Gebiss der Grossmutter, der Rettich, die Berner-Oberland-Sequenzen oder die Massakerszene.

Gerade letztere mag einigen Zuschauern recht sauer aufstossen. Auch wenn das Ganze, wie im Nachhinein klar wird, nur eine Traumsequenz war (oder doch nicht? Sicher ist nichts in diesem Film) und auch in diesem Kontext zu sehen ist, weckt die Szene doch unangenehme Assoziazionen an Littleton oder Erfurt und passt mit ihrer Brutalität nicht recht zum sonst leichten, luftigen Rest des Films. Es ist aber genau diejenige Szene, die Regisseur Park Chan-wook zum Film inspiriert haben soll. Gemäss Presseheft ist ihm der Einfall "Kugeln schiessen aus dem Körper eines Mädchens" im Traum gekommen. Wie passend.

Nun, was lernen wir aus der Geschichte? Es ist ok, ein Roboter zu sein. Aber niemand darf es wissen. Und essen darf man auch nichts, das schadet der Apparatur. Mäuse hingegen ernähren sich von eingelegtem Rettich. Zumindest, wenn ihr Gebiss abhanden gekommen ist. In psychiatrischen Anstalten kann unter Umständen das Ende der Welt geplant werden. That's it. Und das Berner Oberland, ja, das ist wirklich schön.

4.7 Sterne
4.7 Sterne (15 Bewertungen) | 3 Kommentare

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13.02.2007 / ebe