Rohtenburg (2006)

Rohtenburg (2006)

Oder: Hallo, ich bin dein Fleisch

Rohtenburg

Liebes Tagebuch, heute habe ich einen Mann gegessen...

Die junge Kriminalpsychologie-Studentin Katie Armstrong (Keri Russell) hat für ihre Abschlussarbeit ein schwieriges Thema ausgesucht. Sie will nämlich den Fall von Oliver Hartwin (Thomas Kretschmann) untersuchen, einem Kannibalen, der übers Internet eine Person gesucht hat, die sich von ihm verspeisen lässt. Doch was war Oliver für ein Mann, warum hat er den Drang entwickelt, einen Menschen zu verspeisen, und was hat Simon Grombeck (Thomas Huber) dazu bewogen, sich bei Oliver zu melden? Diesen Fragen geht Katie nach und will so die beiden Menschen besser verstehen. Deshalb besucht sie die wichtigsten Handlungsorte in Olivers Leben und dokumentiert den Geburtsort, die Schule und natürlich auch das Haus, wo er unter der Aufsicht seiner dominanten Mutter lange dahinvegetiert hat. Doch je weiter sich Katie in den Fall vorarbeitet, umso tiefer versinkt sie im Sumpf der Gewaltfantasien, welche ihr zusehends zu schaffen machen...


DVD-Rating

Das Horrorgenre ist oft auch ein Blick in einen Abgrund, und je nach Film kann dies sehr schockierend und erschütternd sein. Doch der schlimmste Horror findet sich in der Realität, und sei es Texas Chainsaw Massacre, Feed oder eben Rohtenburg, diese Filme basieren auf realen Begebenheiten. Dies gibt den Bildern eine ganz neue Dimension. Rohtenburg verarbeitet den Fall von Armin Meiwes, der übers Internet eine willige Person gesucht, in Bernd Jürgen Brandes gefunden und auch verspeist hat. Inzwischen ist Meiwes wegen Mordes zu 8.5 Jahren Gefängnis verurteilt worden und Vegetarier geworden.

Seit dem Publikwerden des Falles wurde dieser nicht nur in Liedern ("Mein Teil" von Rammstein) sondern auch in Cannibal, Dein Herz in meinem Hirn oder Diary of a Cannibal verarbeitet. Schockrocker Marilyn Manson liess sich davon sogar zu seinem Albumtitel "Eat me, Drink Me" inspirieren und bezeichnete es "Als den schönsten Weg zu sterben, wenn man von jemandem verspeist wird, den man liebt." Doch genug Pressespiegel, Rohtenburg steht jetzt in den Läden, nachdem der FIlm vorübergehend gerichtlich verboten wurde, weil es angeblich die persönlichen Rechte des geständigen Kannibalen verletzen würde. Dabei nimmt sich der Film klar viele künstlerische Freiheiten, erzählt die Geschichte in Flashbacks und nimmt die junge Studentin Kari als Anker, welche über den Fall ihre Abschlussarbeit schreibt.

Wer jetzt aber einen wirklich hässlichen Schocker im Stil von Feed erwartet, wird enttäuscht. Rohtenburg ist sehr weit von Effekthascherei oder dem endlosen Zelebrieren von wüsten Bildern entfernt und geht wie einst bei Seven sehr emotionslos, kühl und analytisch an die Thematik heran. Mit einer unerschütterlichen Ruhe werden Fleisch sowie Metzger vorgestellt, und ohne Verurteilung oder viel Pathos werden beinahe dokumentarisch und grossartig gespielt die Ereignisse rekonstruiert und erzählt. Selbst wenn es bis zum Schluss kaum einen Spannungsbogen gibt, der Film fesselt, und je länger man zuschaut, um so eindrücklicher werden die Bilder, und man gerät ernsthaft ins Grübeln. Allerdings bleibt Kari und deren Existenzberechtigung - besonders am Schluss - fraglich, denn die zu Beginn des Filmes gestellten Fragen, welche sie überhaupt motivieren, sich mit der Thematik zu befassen, blieben unbeantwortet und entlassen den Zuschauer ohne ein Schlusswort in die Realität zurück.

Fazit: Rohtenburg hätte als Film in viele Richtungen gehen können, doch das letztendlich abgelieferte Resultat kann überzeugen. Ausgezeichnete Schauspieler, eindrückliche Bilder und ruhige und intensive Kameraführung bilden das Rückgrat des Films. Die vielschichtige sowie schwer verdauliche Geschichte gibt dem Film genügend Fleisch am Knochen - wenn das Wortspiel gestattet ist - und das macht ihn zu einem wirklich packenden Gesamtpaket, das ohne aufgesetzte Effekthascherei die Handlung erzählt. Allerdings lässt er dabei auch andere wüste Fakten über den Fall links liegen, was aber dem Gesamten nicht schadet.

Die DVD liefert den Film in einer sehr sauberen und scharfen Qualität ab und kann auch in Sachen Ton überzeugen. Das Bonusmaterial unterstreicht wiederum den Ansatz, sich von der Vorlage zu distanzieren, denn es gibt überhaupt keine Dokumentation über den Fall Armin Meiwes. Lediglich ein umfassendes Interview mit Thomas Kretschmann sowie einige Aufnahmen hinter den Kulissen werden geboten. Schade.

3.0 Sterne 3.0 Sterne
3.0 Sterne (4 Bewertungen) | 6 Kommentare

4.5 Sterne4.5 von 0.0-6.0
11.10.2009 / db


DVD-Infos

DVD erschienen am 25.09.2009

  • Bildformat: Widescreen 2.35:1 (Anamorph)
  • Sprachen: Englisch (DD 5.1); Deutsch (DD 5.1)
  • Untertitel: Deutsch
  • Extras: Making of; B-Roll; Interview mit Thomas Kretschmann

Rohtenburg (2006)
Bewertung: 3.0 (4 Bewertungen)
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