Rocky Balboa (2006)
Rocky Balboa (2006)
Oder: The Knautschgesicht is back!
Der 2-fache Weltschwergewichtschampion im Boxen, Rocky Balboa (Sylvester Stallone) ist wieder dort, von wo er gekommen ist. Nach dem Tod seiner Frau Adrian (Talia Shire) lebt er allein in einer kleinen Wohnung, füttert allmorgendlich seine Schildkröten und ächzt Klimmzüge an der Teppichstange hinter dem Haus. Ausser Schwager Paulie (Burt Young) ist ihm niemand geblieben. Und auch der nervt gewaltig mit seinen zynischen Kommentaren.
Rocky hat immerhin noch sein Restaurant, das "Adrians", wo er allabendlich Boxgeschichten von früher erzählt und in dem sogar ehemalige Gegner sich nützlich machen. Ja, die gute alte Zeit. Sie ist es, die Rocky so schmerzhaft vermisst. Als er eines Abends auf Marie (Geraldine Hughes) trifft, erinnert er sich an die Zeit, als sie mit Zöpfchen vor dem Haus herumgeturnt ist und wird zum wiederholten Mal melancholisch. Er versucht ihr ein bisschen auf die Beine zu helfen und kümmert sich zusätzlich um ihren Sohn, mit dem er einen Hund kauft, den sie "Punchy" taufen.
Rocky wird vergessen. Seine Statue ist abgerissen worden und sein Sohn (Milo Ventimiglia) lebt in einer anderen Welt. Doch als eines Abends auf einem Sportkanal eine Computersimulation zwischen Rocky Balboa in seiner Glanzzeit und dem aktuellen Box-Weltmeister, Mason "The Line" Dixon (Antonio Tarver) mit einem K.O.-Sieg des "Italian Stallion" endet, wird die Sportwelt aufgerüttelt.
Die Beliebtheit des Champs ist gleich Null und so fassen dessen Manager einen gewagten Plan. Sie wollen "ihren" Champ gegen den alten Rocky Balboa in den Ring schicken. Eine Show in Las Vegas, finanziell lukrativ für alle Beteiligten und für Rocky die Chance, die inneren Schweinehunde endlich zum Schweigen zu bringen. Denn der alte Mann will zurück in den Ring. Sein Bauch sagt, dass da noch was geht.
Was als Marketing-Gag anfängt, nimmt ungeahnte Ausmasse an. Der Kampf soll stattfinden, die Sportwelt wartet auf den Fight des Jahres. Doch vorher muss sich der alte, unbewegliche und starrköpfige Rocky wieder einigermassen in Schuss bringen. Sonst wird er am Kampftag vom schnellen und spritzigen Champion blamiert. Der Underdog nimmt den Kampf auf, der seine Karriere abschliessen soll.
DVD-Rating
Der Gedanke an einen erneuten Rocky-Streifen hat mich erschaudern lassen. Nach den schauderhaften Teilen vier und fünf graute mir davor, das inwischen merklich gealterte Knautschgesicht erneut als Boxproleten wieder im Ring zu sehen. Seit Rocky V sind saubere 17 Jahre vergangen, aber wenn Sly als Rambo wiederauferstehen kann, wieso dann nicht auch als Schwergewichtsboxer mit italienischen Wurzeln?
Die Erwartungen entsprechend tief geschraubt, lässt man also das Boxerstammeln über sich ergehen und ist mehr als angenehm überrascht, dass Sylvester Stallone da anknüpft, wo Rocky und Rocky II aufgehört haben. Stallone macht einen recht glaubwürdigen Schritt zurück und setzt seinen Helden wieder in die heruntergekommenen Örtlichkeiten eines weniger beschaulichen Philadelphias und ihn als abgehalfterten Altboxer, aber lieb-naiven Kerl erscheinen, den wir aus den frühen Rocky-Folgen kennen.
Der vermeintliche Höhepunkt ist zwar der Boxkampf, aber so wirklich umwerfend ist der, ausgenommen für die beiden Eindrescher, die einige Male die Matte spüren, nicht. Stallone bewegt sich wie ein zu gross geratener Fleischklops, die Schlagduelle würde keiner der beiden auch nur eine Runde überstehen und gefilmt, als Mischung aus Liveübertragung und Zeitlupenstudie, ist das Ganze auch nicht wirklich originell.
Wenn auch nicht unbedingt immer glaubhaft und oft nur an der Oberfläche kratzend (Beziehung zu seinem Sohn, die Freundschaft mit Paulie und der amtierende Champ), so ist Rocky Balboa dennoch eine gelungene und oft nostalgisch anmutende Wiederbelebung der Franchise (inklusive der wunderbaren Musik von Bill Conti). So oder so, es ist wohl an der Zeit dem Italienischen Hengst nun seine verdiente Ruhe zu gönnen.
Extras: Verwirrung. Überall wird mit Extras für die DVD geworben, aber die zur Kritik vorliegende Disc hat keinerlei Zusatzmaterial zu bieten. Keine Ahnung was das soll. Zum Bild: Stallone löst seine Bildabfolgen in interessanten Farbgebungen auf (in blau getünchte Erinnerungen, schwarz-weisse Momentaufnahmen, farbig-pixelige Kampfszenen, zum Ende hin geht das Ganze in eine Einheit über). Daher ist der Transfer, durch die verschiedenen Stilarten, nicht einfach so zu bewerten.
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4.5 Sterne (91 Bewertungen) | 0 Kommentare
DVD-Infos
DVD erschienen am 10.09.2007
- Bildformat: 1.85:1 (16:9)
- Sprachen: Deutsch (DD 5.1 und DTS), Englisch (DD 5.1)
- Untertitel: Deutsch, Englisch, Türkisch
- Extras: Kommentar; Making Of; Realität im Ring: Rockys letzter Kampf; Verpatzte Szenen; 7 nicht verwendete Szenen; Alternatives Ende.




