Rescue Dawn (2006)

Rescue Dawn (2006)

Oder: Prison Break im Urwald

Rescue Dawn

Dschungelcamp in Laos.

Seit sein Heimatdorf von gegnerischen Flugzeugen bombardiert wurde, war der kleine Dieter Dengler (Christian Bale) davon besessen, ebenfalls Pilot zu werden. Deshalb wanderte er von Deutschland nach Amerika aus und wollte bei der Air Force Pilot werden. Dort wurde er aber primär als Mechaniker eingesetzt. Deshalb schloss er sich einige Jahre später der Navy an und wurde auf diesem Weg doch noch Pilot. Nach seiner Ausbildung stationierte man ihn mit seinem Geschwader auf der USS Ranger, welche im Dezember 1965 in der Nähe von Vietnam den Anker warf.

Rescue Dawn

Ich bin der König der Welt!

Obwohl der offene Krieg gegen Vietnam noch nicht begonnen hatte, wurde Dengler in einem Dreiergeschwader losgeschickt, um Ziele in Laos zu bombardieren. Doch der als streng geheim eingestufe Einsatz wird zur Katastrophe: Dengler wird über Laos abgeschossen und kann sein Flugzeug gerade noch auf einem Feld notlanden. Bald darauf wird er von den feindlichen Soldaten eingefangen und nachdem er gefoltert wurde, in ein Gefangenenlager gesteckt. Dort trifft er auf fünf andere Kriegsgefangene, welche schon seit mehreren Jahren in dem aus Bambus gebauten Camp dahinvegetieren. Doch Dengler ist wildentschlossen zu fliehen und beginnt auch bald, trotz Protest von anderen Gefangenen, mit den Vorbereitungen für die Flucht.


DVD-Rating

Rescue Dawn beginnt mit dem Briefing zu Dieters erster Mission. Die beteiligten Charaktere werden kaum vorgestellt und ehe man sichs versieht, ist Dieter abgestürzt und muss vor den lokalen Soldaten fliehen. Rescue Dawn folgt dabei aber nur Dieters Erlebnissen und lässt jegliche andere Kriegshandlungen oder parallele Handlungsverläufe links liegen. Also sieht man weder die Suche nach dem abgeschossenen Piloten, noch Rückblenden zu seiner Familie, sondern lediglich ein sehr einseitiges und ruhiges Survivalabenteuer mit den traumatisierenden Erlebnissen von Dieter während seiner Gefangenschaft und der darauf folgenden Flucht.

Während Herzogs Little Dieter Needs to Fly sehr genau die realen Erlebnisse von Dieter nachkonstruiert hat, ist Rescue Dawn eine Hollywood-Produktion, welche sich einige Freiheiten mit dem Material nimmt. Dies zeigt sich im Zusammenstreichen der Kriegsgefangenen von sieben auf sechs, in neuen, fiktiven Charakteren sowie dem Weglassen von Ereignissen, um einen ruhigeren Erzählfluss zu erreichen. Viele essenzielle Abweichungen wurden aber erst nach dem Abschluss der Dreharbeiten bekannt: Zum Beispiel hatten die Kriegsgefangenen (angeblich) bereits bevor Dieter überhaupt ins Camp kam, einen kompletten Fluchtplan vorbereitet, während im Film dies als eine One-Man-Show von Dieter alias Bale durchgezogen wird. Dabei kommt es zu endlosen Diskussionen, in denen die Mitgefangenen zur Flucht motiviert werden müssen, wobei vor allem die geistige Handbremse Gene alias Jeremy Davies, die Handlung noch mehr verlangsamt. Deshalb wird Davies auch bald zum Nervtöter, während Gene real angeblich massgeblich am Gelingen des Fluchtversuches beteiligt war und sogar noch einem kranken Kollegen half. Dies hätte einiges mehr Pepp in die doch sehr einseitige Geschichte gebracht, die primär Bale vorantreiben muss.

Dies einmal ausgeklammert, hat Werner Herzog keine Mühe gescheut, eine glaubwürdige Geschichte zu erzählen und diese nicht nur mit realistischen Bildern sondern auch mit ausgemergelten Schauspielern zu unterstreichen. Ohne viel Theater wird dokumetarisch-nüchtern die dramatische Geschichte der sechs Gefangenen erzählt, wie sie aus beinahe Nichts die Basis für ihre Flucht legen und danach mit wilder Entschlossenheit und Durchhaltevermögen auf den richtigen Moment warten. Dabei geben die beteiligten Schauspieler ihr Bestes und man nimmt ihnen nicht nur den Wahnsinn, sondern auch die Hoffnungslosigkeit absolut ab. Auch wenn das Finale etwas zu Hollywood-käsig ausfällt, die Odyssee bis zur Rettung ist lang und nicht nur brutal, sondern auch zermürbend.

Fazit: Rescue Dawn besticht mit eindrücklichen und grossartigen Bildern, welche nicht nur exotisch, sondern auch glaubhaft sind. Dabei setzt Werner Herzog kaum auf Action, sondern auf geniales Schauspiel, welches die von Angst und Hunger geprägte Odyssee in die Freiheit sehr eindrücklich macht. Allerdings hat der Film auch einige Längen. Da wirkliche Überraschungen ausbleiben, muss man einfach mit der Geschichte auskommen. Doch so eindrücklich diese Odyssee auch ist, etwas mehr Fleisch am Knochen, wie ein misslungener Fluchtversuch oder eine Verschiebung zu einem anderen Camp, hätte etwas mehr Abwechslung hineingebracht.

Die getestete DVD liefert den Film in einer ordentlichen Bildqualität, besticht aber nicht unbedingt mit Schärfe. Die Bildbrillanz lässt auch zu wünschen übrig, wenigstens sind die Farben gut sowie der Ton. Das Bonusmaterial hingegen ist sehr zufrieden stellend. Auch wenn auf die doch sehr wichtige Vorbereitungsphase kaum eingegangen wird, werden doch sehr gute Einblicke in die Produktion im Dschungel geboten. Dies, sowie einige Interviews mit den Beteiligten, machen die vier Beiträge sehr interessant und sehenswert.

4.2 Sterne 4.4 Sterne
4.2 Sterne (20 Bewertungen) | 0 Kommentare

4.54.5
10.03.2009 / db


DVD-Infos

DVD erschienen am 15.01.2009

  • Bildformat: Widescreen 1.85:1 (Anamorphisch)
  • Sprachen: Englisch (DD 5.1); Deutsch (DD 5.1)
  • Untertitel: Deutsch; Englisch; Türkisch
  • Extras: Audiokommentar des Regisseurs; Interview(s); Fotogalerie; Kinotrailer; Making of; Outtakes