Red Road (2006)
Red Road (2006)
Oder: CCTV is Big Brothering you!
Jackie (Kate Dickie) arbeitet in einem Team von Leuten, die anhand unzähliger, verstreuter Fernsehüberwachungsanlagen die Stadt Glasgow und die darin lebenden Menschen überblicken müssen. Immer auf der Suche nach dem nächsten möglichen Tumult, den Gefahren einer Grossstadt, hält Jackie Ausschau, um diesen einen Schritt voraus zu sein.
Als sie sich auf die Kameras der Red Road Hochhäuser und Umgebung konzentriert, erkennt Jackie schockiert eine ihr nur zu bekannte Person: Clyde (Tony Curran), der Typ, der eigentlich wegen Tötung ihres Ehemannes und ihrer Tochter noch immer hinter Gittern sitzen müsste. Voller Hass entschliesst sich Jackie, den Vernichter ihrer Familie aufzuspüren, ihn auf Schritt und Tritt zu verfolgen, um ihn schliesslich für seine schreckliche Tat büssen zu lassen.
Kinofilm-Rating
Regisseurin, Drehbuchautorin, Schauspielerin und Oscarpreisträgerin (für den Kurzfilm Wasp - Best Live Action Short Film) Andrea Arnold hat mit Red Road ihren ersten Spielfilm realisiert. Sie machte beim Projekt "Advance Party" mit, bei welchem drei Filmemacher drei voneinander unabhängige Filme drehen, in denen immer die gleichen neun Figuren vorkommen. Eine reizvolle, spannende Idee, würd' ich da mal sagen. Um diese kreativen Ideen - von wegen Verbandelung mit anderen Filmschaffenden - noch zu toppen, hat die erfolgreiche Regisseurin für Red Road in Cannes 2006 den Prix du Jury erhalten. I'm impressed. Gleichzeitig frag' ich mich aber, wie die Geschworenen - äh - Jurymitglieder zu einem solchen Verdikt gekommen sind. Ich fahre wie folgt fort:
Red Road beginnt mit einer wahrlich depressiven Grundstimmung. Diese macht sich nicht nur durch die äussere Leblosigkeit der Hauptfigur Jackie auf der Leinwand breit, sondern erzeugt auch wegen der Settings - in Glasgows unfeinsten Wohngebieten - einen Anflug von ungemütlichem Widerwillen. Die Umgebung, in welcher sich die Story zögerlich zu entwickeln beginnt ist extrem rauh, verroht und dreckig. Und mit ihr die Gestalten, die in ihr leben (müssen). Wo bitte geht's zum Strand?
Gefilmt wird im leicht wackligen Stil. Die Musik könnte aus einem dieser modernen Horrorfilme stammen - zum Beispiel aus The Ring - und erzeugt an sich bereits genug Psycho-Momente. Obwohl die Zutaten vorhanden sind, schleppt sich die Geschichte so dahin. Für meinen Geschmack geschieht zu lange nichts Interessantes oder Konkretes, was die Aufmerksamkeit auf sich lenken könnte. Die apathische Jackie, und mit ihr die Spannung, lassen auf sich warten. Es zuckt das Auge in Richtung Armbanduhr.
Als dann endlich Sinn und Zweck von Jackies Handeln erkennbar werden, hat man bereits mehr oder minder geschockt mitangesehen, wie es da - *holy cow!* - ganz schön zur höchst intimen Sache geht zwischen dem "bösen" Clyde und der "rächenden" Jackie. Die damit beabsichtigte absurde Vergeltung verschlägt einem fast die Sprache. Gleichzeitig wird aber genau dadurch offenbar, wie gross innere Trauer sowie Selbsthass einer Hinterbliebenen sein können.
Zum Glück endet der Film Red Road so, wie er endet. Nach einer derart langsam drehenden Entwicklung der Story, eines solchen *peep* Moments mitsamt Zweckerläuterung, hätte mir noch mehr von dieser Rohheit den "Rest.In.Peace" gegeben. Obwohl der Film mit Begeisterung von allen Seiten gelobt wird, stimme ich nicht in die Hymne mit ein. Red Road ist ehrlich gespielt, die Charaktere überzeugen vollends. Die Thematik ist mir jedoch zu krass, und die einschläfernde Verpackung wenig inspirierend.
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3.8 Sterne (9 Bewertungen) | 2 Kommentare



